Im vierten Simon-Brenner-Krimi kehrt der von Josef Hader kongenial verkörperte Kult-Ermittler in seine Heimatstadt Graz zurück. Dort stolpert er über die Fallstricke seiner eigenen Vergangenheit – und kommt beinahe ums Leben.

Müsste man schwarzen Humor noch einmal definieren, dann sollte man einfach tief in die dunklen, verloren dreinschauenden Augen von Simon Brenner (Josef Hader) blicken. Dann, wenn mal wieder alles nach den schlimmsten Regeln der Kunst schiefgeht. Etwa in dem Moment, in dem der heruntergekommene Ermittler in "Das ewige Leben" (2014, im BR-Fernsehen jetzt als Free-TV-Premiere zu sehen) zur Motorsäge greift, einen vom Sturm geknickten Baum wirklich saublöd fallen lässt – genau auf das Familienfahrzeug seines Nachbarn. Brenner nimmt das Schicksal mal wieder hin – mit stoischer Lakonie. Nur als ihm Unbekannte nach dem Leben trachten, wird er dann doch fuchsig. Und das auf haarsträubend komische, bitter traurige Art.

Diesmal rückt der Film, den das bewährte Dreiergespann aus Roman-Autor Wolf Haas, Regisseur Wolfgang Murnberger und dem Co-Drehbuchautor und Hauptdarsteller Josef Hader erneut in Gemeinschaftsarbeit auf den Weg gebracht hat, dem Ex-Kriminaler ganz nah auf die Haut: Simon Brenner ist an einer Art Endpunkt angelangt – und das schon zu Beginn der Handlung. Auf dem Amt muss er zugegeben, dass er nicht nur seit Jahren ohne Arbeit, ohne Einkommen, sondern auch ohne feste Bleibe ist. Im letzten Moment entsinnt er sich: Er hat ein halb zerfallenes Vorstadt-Häuschen geerbt – in seiner Heimatstadt Graz, der er längst entflohen war.

Plötzlich steht Parka-Träger Brenner wieder vor der Bruchbude, in der er einmal selbst gewohnt hatte. Notdürftig richtet er sich ein, teilt sich eine Konservendose mit der stoisch verbliebenen Hauskatze und "leiht" sich per Verlängerungskabel den Strom von seinem betulichen, aber noch duldsamen Nachbarn (Johannes Silberschneider). Mit einem altersschwachen, aber funktionstüchtigen Puch-Moped sucht der ehemals alteingesessene Neu-Grazer alte Bekannte auf. Sein erster Weg führt ihn zum Altwarenhändler Köck (Roland Düringer). Es geht ihm um Geld – und natürlich wirbelt Brenner Staub auf. Schon bald bekommt er in seiner Bude nächtlichen Besuch. Dumm nur, dass ihm mörderische, hämmernde Kopfschmerzen die Aufmerksamkeit rauben.

Am nächsten Tag nämlich ist Brenner schwer lädiert – ja, gerade noch dem sicheren Tod entkommen. Alle Welt spricht von einem gescheiterten, angesichts seiner hoffnungslosen Lage nachvollziehbaren Selbstmordversuch. Nur Brenner glaubt das nicht: Er ist fest davon überzeugt, dass ihm ein Mordanschlag galt.

Stimmung, feines Timing, extra viel Lokalkolorit, starke, lakonisch zugespitzte Dialoge und grandiose Schauspielerleistungen: Brenners vierter Fall wird nicht nur die eingefleischte Fangemeinde begeistern, sondern könnte auch Neueinsteigern einen Weg in die provinzösterreichische Gedankenwelt weisen. Die eigentliche Krimihandlung wird dabei fast schon zur Nebensache, wenn ganz nebenbei auch noch ein raffiniertes Beziehungsgeflecht mit Rückbezügen in die Zeit, als Jugoslawien-Urlaube noch ein Jugendabenteuer und Jarno Saarinen ein bewunderter Motorrad-Weltmeister-Held waren, aufgedröselt wird. Und Josef Hader würde man auch bereitwillig dabei zusehen, wenn er lediglich Kronkorken arrangiert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst