Der Zürich-Krimi: Borchert und die Glut des Bösen
11.12.2025 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Der Anwalt ohne Lizenz Thomas Borchert (Christian Kohlund) und seine Kanzleichefin Dominique Kuster (Ina Paule Klink) übernehmen die Verteidigung eines Taxifahrers, der beschuldigt wird, den Mord an einem Fahrgast begangen haben soll, der als afrikanische
Vergrößern
Borchert (Christian Kohlund) und Dominique Kuster (Ina Paule Klink) sind ein starkes Team.
Vergrößern
Vergrößern

Urs Aeggi (Yves Wüthrich, li.) arbeitet mit Hauptmann Furrer (Pierre Kiwitt, re.) zusammen.
Vergrößern
Originaltitel
Der Zürich-Krimi
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Ein dunkles Kapitel der Schweizer Geschichte

Von Elisa Eberle

Im 24. "Zürich-Krimi" hadert Anwalt Thomas Borchert (Christian Kohlund) mit seinem eigenen Grundsatz: Kanzlei-Chefin Dominique Kuster (Ina Paule Klink) verteidigt einen Neonazi, der mutmaßlich für einen Brandanschlag auf ein jüdisches Kulturzentrum verantwortlich ist ...

Jeder Beschuldigte hat das Recht auf die bestmögliche Verteidigung – egal, was er oder sie getan hat. Das ist seit jeher der Grundsatz von Thomas Borchert (Christian Kohlund). Im 24. "Zürich-Krimi", der den Episodentitel "Borchert und die Glut des Bösen" (Regie: Roland Suso Richter) trägt, wird dieser Glaubenssatz allerdings auf eine harte Probe gestellt. In einem jüdischen Kulturzentrum wurde ein Brand gelegt. Vor Ort finden Hauptmann Marco Furrer (Pierre Kiwitt) und sein Kollege Urs Aeggi (Yves Wüthrich) außerdem eine Leiche: Judith Stein (Leonille Wittgenstein) war eine Studentin aus Tel Aviv. "Sie hat hier in Zürich an ihrer Dissertation gearbeitet", erklärt die Rabbinerin Rivka Lehmann (Hannah Ley) ihrem Freund Borchert. Besonders tragisch: Judiths Großmutter Rahel Stein (Lena Rothstein) hatte als kleines Mädchen als einzige aus der Familie den Holocaust überlebt.

Borchert sucht einen Mörder

Unter Verdacht gerät der 17-jährige Bruno Zumthor (Casper von Bülow). Vor wenigen Wochen erst hatte er Hakenkreuze an die Fassade des Kulturzentrums gesprayt. Ausgerechnet ihn will Borcherts Chefin Dominique Kuster (Ina Paule Klink) als Anwältin vertreten. Borchert ist außer sich, vor allem als er hört, wie Brunos Mutter (Barbara Sotelsek) ihren Sohn mit fadenscheinigen Argumenten verteidigt: "Mein Sohn hatte keine leichte Kindheit", erklärt sie: "Ich bin Unternehmensberaterin und alleinerziehende Mutter. Wir sind die ganze Zeit umgezogen. Er hatte einfach keine Chance, Wurzeln zu schlagen." Bei seinem Engagement in einer Gruppe namens "Die Völkische" sei es ihm doch nur um bezahlbare Wohnungen gegangen. Zur Tatzeit, so behauptet sie weiter, sei er außerdem bei seinem Großvater in Bern gewesen.

Borchert bleibt skeptisch: "Dominique, ich glaube, dass Sie eine brillante Anwältin sind, die durchaus in der Lage ist, einen Nazi vor seiner verdienten Strafe zu bewahren", erklärt er seiner Chefin: "Ich dagegen werde jetzt alles daran setzen, dass der Tod dieser Studentin nicht ungesühnt bleibt."

Ein Blick in die Vergangenheit

"Der Zürich-Krimi – Borchert und die Glut des Bösen" ist ein kluger, wenn gleich auch sehr erschreckender Krimi. Die Drehbuchautorin Catrin Lüth und ihr Ko-Autor Florian Hanig greifen ein düsteres Kapitel aus der Schweizer Geschichte auf: Dreh- und Angelpunkt ist, ohne zu viel zu verraten, die Tatsache, dass jüdische Vermögen nach Ende der NS-Zeit von Schweizer Banken veruntreut wurden. Gleichzeitig macht der Film aber auch den in europaweit stärker werdenden Antisemitismus zum Thema.

Ein wichtiger Schritt, wie Hauptdarsteller Christian Kohlund findet: "Ich habe mich viel mit dem Dritten Reich und dem Holocaust beschäftigt und bin gut informiert", erklärt der 75-Jährige im Senderinterview: "Ich bin heute noch zutiefst erschüttert, warum das passieren konnte. Vieles, was heute passiert, hängt damit zusammen, dass viele Menschen kein Geschichtsbewusstsein haben." Ähnlich sieht es auch seine Kollegin Ina Paule Klink: "Es ist großartig, dass wir in 'Borchert und die Glut des Bösen' diese Geschichte erzählen und den Menschen damit einen möglichen kleinen Eindruck geben können. Der Film wurde mit großartigen jüdischen Kolleg:innen besetzt, und es hat mich sehr berührt, mit diesen wunderbaren Menschen arbeiten zu dürfen."

"In den Drehpausen haben wir tiefe Gespräche geführt"

Eine dieser Kolleginnen ist die österreichische Schauspielerin Lena Rothstein, die 1943 in Glasgow geboren wurde. Die Lebensgeschichte der heute 82-Jährigen weist viele Parallelen zu der der von ihr dargestellten Rahel Stein im Film auf. Zwar haben ihre Eltern den Holocaust überlebt, jedoch viele Verwandte verloren: "Diese Trauer um all die Ermordeten berührt mich noch heute – so war die Beziehung zu meiner Rolle als Rahel natürlich durch diese Erfahrungen geprägt", sagt sie: "Die Dreharbeiten waren durch das Mitgefühl für das Schicksal von Rahel und Judith von allen Beteiligten getragen. Die Katastrophe von damals und diejenige im Drehbuch hat das Team zusammengeschweißt, in den Drehpausen haben wir tiefe Gespräche geführt und kamen uns persönlich sehr nahe."

In der ARD Mediathek steht "Der Zürich-Krimi: Borchert und die Glut des Bösen" bereits ab Montag, 8. Dezember, zum Abruf bereit. Zwei weitere Filme aus der Reihe "Der Zürich-Krimi" befinden sich derzeit in der Entwicklung.

Der Zürich-Krimi – Borchert und die Glut des Bösen – Do. 11.12. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Olivia Jones (l.) und Johannes Hegemann 
Star-News

"Es geht um Freiheit": Olivia Jones richtet klare Worte an die Gesellschaft

Der Weg nach St. Pauli war für Olivia Jones alles andere als leicht. Heute macht ihre Geschichte vielen Menschen Mut.
Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) lacht.
Gesundheit

Apotheken sollen in Zukunft eine wichtigere Rolle spielen

Apotheken in Deutschland sollen künftig mehr Aufgaben übernehmen und so das Gesundheitssystem entlasten. Das neue Apothekenreformgesetz ermöglicht zahlreiche pharmazeutische Dienstleistungen, die Ärzte entlasten und Patienten schneller versorgen können.
Dr. Jutta Wiesner lacht.
Gesundheit

Plötzlicher Urinverlust: Das können Sie tun

Eine 58-jährige Patientin leidet unter Drang-Inkontinenz. Trotz normaler Blasenfunktion verhindert die überaktive Blase lange Autofahrten. Nach hormonellen und medikamentösen Therapien erlebt sie eine deutliche Verbesserung.
Heiner Lauterbach schaut ernst.
HALLO!

Heiner Lauterbach: „Amerika hat mich geprägt"

Heiner Lauterbach und der Cologne Blues Club präsentieren mit "Like a Hobo" eine einzigartige Tournee, die Musik und amerikanische Literatur vereint. Im Interview spricht Lauterbach über seine Faszination für die USA und seine prägenden Erfahrungen mit amerikanischer Kultur.
Professor Dr. Derek Zieker-Fischer lacht.
Gesundheit

Hämorrhoiden: Das Leiden, über das wenige sprechen

Hämorrhoiden sind ein weit verbreitetes Leiden, das oft aus Scham verschwiegen wird. Eine Patientin teilt ihre Geschichte von jahrelangen Schmerzen und der erlösenden Behandlung.
Eine Frau wäscht ihre Hände.
Gesundheit

Gesund durch den Herbst

Der Herbst bringt oft Erkältungen mit sich. Doch mit einfachen Maßnahmen wie guter Handhygiene, ausgewogener Ernährung und regelmäßiger Bewegung kann man Infektionen vorbeugen. Impfungen und Entspannung helfen zusätzlich, gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen.