Unter dem Wasserfall von Krimml im Pinzgau liegt die Leiche eines 15-jährigen Mädchens. Auf der Suche nach dem Täter trifft Kommissar Merana auf viele Verdächtige.

Wenn im Heimatkrimi die alte Sage von der tugendsamen Jungfrau im Wasserloch und die zähe Ermittlerarbeit aufeinandertreffen, bleiben Kollateralschäden nicht aus. Da holt sich die ins Heute gezwungene Legende genauso ihre Schrammen wie der Herr Kommissar, den es zur Aufklärung des Falles noch einmal in den Ort seiner Kindheit verschlägt. Unter dem beeindruckenden Wasserfall von Krimml im Pinzgau liegt eine Leiche: ein 15-jähriges Mädchen, mit einem herzförmigen Stein in Händen, ganz wie einst die legendäre "Drachenjungfrau", die diesem "Landkrimi", einer Koproduktion von ORF und ZDF, den Titel gab. Catalina Molina inszenierte den Film nach einer Romanvorlage von Manfred Baumann.

Ösi-Krimi-Kenner wissen: Es ist bereits sein vierter Fall: Mitten in der Nacht wird der Salzburger Kommissar Merana (Manuel Rubey) aus dem Schlaf gerissen. Seine seherisch begabte Oma ist am Apparat, es müsse etwas Schreckliches geschehen sein. Habe er denn nichts gemerkt? – Am anderen Morgen stellt sich heraus: Im schönen Gebirgsort Krimml liegt die Leiche eines 15-jährigen Mädchens unterm berühmten Wasserfall. Da heißt es für den Kommissar: Nichts wie hin, auch wenn Krimml der Ort seiner Kindheit ist, an dem er einst derart böse Erfahrungen machte, dass er jahrelang einen großen Bogen um den Flecken schlug.

Auch jetzt noch lässt er sich bei der Arbeit, die beinahe seinen anstehenden Urlaub verhindert hätte, vom allbekannten Schmäh und der Schulterklopferei seiner Ex-Nachbarn und falschen Freunde keinesfalls irgendwie einwickeln. Merana geht im Gegenteil so weit, dass er die altbekannten Pappenheimer mit einem distanzierenden "Sie" anzureden pfleg. Hartnäckig feindseligeren Verdächtigen droht er gar gleich an, sie "in den Hef'n" zu bringen. Gemeint ist auf gut Deutsch der Knast. Denn dafür sei er schließlich "Kieberer" (Polizist) geworden.

Bald stellt sich denn auch heraus: Der halbe Ort macht sich als Täter verdächtig beim Mord an der 15-jährigen Laura (Eva Lanz), die tags zuvor an einem Schönheitswettbewerb unter dem Deckmantel der Heimatpflege teilgenommen hatte. Viel zu viele wollten ihr an die Wäsche oder ihr wenigstens nahe sein.

Als angehende "Marketenderin" (heute: Schnapsfassträgerin in Schützenklubs und Blaskapellen), angetan mit Bikini und Tirolerhut, ging sie in die lokale Vorentscheidung. Doch Laura wollte die von einem Regionalsender anberaumte Misswahl nicht, seit Längerem schon fühlte sie sich von den heimischen Männern bedrängt. Vor allem der Bürgermeister Erlinger (Harald Krassnitzer, hier vom "Tatort"-Kommissar zum Missetäter mutiert), Erfinder des fragwürdigen Heimat-Events, könnte als prächtiges Fallbeispiel für jede MeToo-Debatte dienen. Ein bisschen Hollywood ist überall – sogar in Krimml. Erlinger ist ein Prachttycoon im häuslichen weißen Wallegewand.

Eigentlich hätte es des von Kommissar Merana angeforderten DVD-Beweises von der Castingshow gar nicht bedurft, um die Verdächtigen einzukreisen. Laura wurde von vielen "notgeilen" Männern begrapscht und angegangen, führend darunter Erlinger, der Strippenzieher. Als Nahrung für Voyeure sind die Bilder eher flach. Alsbald aber beginnt man das Besondere zu ahnen: Hier ermittelt ein Kommissar auch gegen sich selbst, hat er doch vor vielen Jahren nicht nur den Ort, sondern auch Lauras nunmehr verzweifelte Mutter verlassen. Am Ende bekommt dieser Salzburger "Landkrimi", der den Leuten stets aufs Maul schaut, ungeahnte Qualitäten: Dann steht Merana, den Manuel Rubey zuvor immer etwas zu unbeteiligt spielt, unter dem wild sprühenden Wasserfall und knetet den herzförmigen Stein, den die tote Laura hinterlassen hat. Das Symbol macht Sinn, gar keine Frage.


Quelle: teleschau – der Mediendienst