3sat wiederholt einen Krimi über polizeiliche Doppelmoral – der Film beruht auf wahren Begebenheiten.

Die Polizei – dein Freund und Helfer. Oder etwa nicht? Wie es aussehen kann, wenn der Gesetzeshüter mal zum Gesetzesbrecher wird und die Schurken aus der Riege der Kommissare kommen, zeigt 3sat mit der Wiederholung von "Für immer ein Mörder – der Fall Ritter" (2014). Der Kriminalfilm handelt von einem ungelösten Mordfall aus DDR-Zeiten kurz vor seiner Verjährung. Ein ungleiches Ermittlerduo trifft bei seinen Ermittlungen auf ein Polizei-internes Netz aus Vertuschungen, Lügen und Gewalt. Ein erschütterndes Psychogramm menschlicher Abgründe, bei dem selbst lange nach der Wende die Stasi noch eine stille Hauptrolle spielt und das auf wahren Begebenheiten beruht.

Zur Lösung unaufgeklärter Mordfälle aus der DDR-Zeit wird die junge Kommissarin Yvonne Weber (Teresa Weißbach) von Frankfurt nach Eisenach versetzt. Doreen, die Tochter eines Polizisten, ist dort in den 80er-Jahren ermordet worden. Als Täter wurde ihr damaliger Freund Konrad Ritter (Luca Zamperoni) überführt, ein Sänger, der regional als Playboy verschrieen war. Obwohl Ritter nach teilverbüßter Haft rechtskräftig für unschuldig befunden und entlassen wurde, sind sich die Menschen in Eisenach sicher, dass er Doreen auf dem Gewissen hat.

Schwierige Wahrheitssuche

Mit dieser Einstellung sieht sich Weber auch auf ihrer neuen Dienststelle konfrontiert. Der Fall Ritter erntet überall ablehendes Schweigen. Selbst Kollege Frank Wolf (Hinnerk Schönemann), der Weber in ihren Ermittlungen unterstützen soll, will von einer Wiederaufnahme der Untersuchungen nichts wissen. Erst als Ritter von Foltermethoden bei den Verhören berichtet, beginnt Wolfs Vertrauen in seine Kollegen, allen voran in seinen väterlichen Vorgesetzten Wolfgang Schulte (Karl Kranzkowski), zu schwinden. Das Ermittler-Duo kommt nach und nach einer Polizei-internen Verschwörung auf die Spur, in die auch ehemalige Stasifunktionäre verwickelt sind. Aber je mehr sich die beiden Kommissare der Wahrheit im Mordfall Doreen nähern, desto vehementer wird der Gegenwind aus den eigenen Kreisen.

Eine Leiche, eine Wand aus Schweigen und mäßige Tatmotive: Regisseur Johannes Grieser und Autor Holger Karsten Schmidt legen mit "Für immer ein Mörder – der Fall Ritter" einen kniffligen Kriminalfall vor, der seine Spannung besonders aus den ungewöhnlichen Ermittlerkreisen zieht. Im fast familiär anmutenden Eisenacher Polizeimilieu tut sich ein wahrer Sündenpfuhl aus Lügen, Vertuschungen, Erpressung und Folter auf.

Grieser ("In letzter Sekunde") und Schmidt ("Zwei Tage Hoffnung") gelingt mit einem komplexen Plot und so mancher Wendung in der Handlung ein spannender Kriminalfilm. Da stört es nicht allzu sehr, dass vereinzelten Handlungsmotiven, nicht zuletzt dem Mordmotiv, bei den Ermittlungen kaum Beachtung geschenkt wird. Der Gefahr, der Film könne deshalb beliebig erscheinen, wirken die beiden Hauptdarsteller Teresa Weißbach und Hinnerk Schönemann mit ihren Performances entgegen. Ihre glaubhafte Entwicklung vom kratzbürstigen Ermittlerduo zum eingeschworenen Kripo-Team lässt gerne über solch kleine Ungereimtheiten hinwegsehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst