Markt in Paris
01.06.2026 • 16:45 - 17:15 Uhr
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Originaltitel
alpha-retro
Produktionsland
D
Produktionsdatum
1959
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Markt in Paris

12.00 Uhr mittags, das Team um Filmemacher Dieter Ertel steht auf dem Bezirksmarkt in der Rue Mouffetard im fünften Arrondissement in Paris. Der Markt neigt sich für heute zu Ende. Mit Schwung und Elan und dem lauten Ausrufen der Blumen- und Gemüseverkäuferinnen, die noch ein letztes Geschäft machen wollen. Kameramann Hartmut Missbach gelingen wunderschöne Großaufnahmen von Passanten, von Gesichtern, von einem Clochard mit Gitarre, der mindestens eine Saite fehlt. Um halb eins nachmittags ist alles vorbei, das Filmteam wechselt auf den Platz vor den berühmten Markthallen von Paris neben der Kirche Saint Eustache. Dort fängt pünktlich um halb fünf Uhr der Blumenmarkt an: ein Markt für die Einzelhändler, weniger für die Endverbraucher. Ertel sagt: "Blumen aus Holland in Kartons geschichtet. Die Nelke als Industrieprodukt." Aber das alles ist nur eine beschauliche Ouvertüre, denn der Markt in Hallen, dieser berühmte Markt für Obst und Gemüse beginnt erst um Mitternacht. Um kurz vor 23.00 Uhr kommt auf dem Bahnhof Paris-Bercy der erste Güterzug mit Obst und Gemüse aus Südfrankreich an. Rasch wird in extra dafür vorhandene Lastwagen umgeladen, die die Ware dann zu den Hallen bringen. Aber nicht nur mit der Eisenbahn wird der "Bauch von Paris" gefüllt, Hunderte von Lastwagen kommen aus ganz Frankreich, aus Belgien, aus Italien usw. an und liefern Ware. Im Lauf einer Nacht branden auf diese Weise bis zu 2000 voll beladene LKWs an den Hallen an, Verkehrschaos gibt es jede Nacht. Aber das ist quasi normal. Auf diese Weise wurden damals innerhalb einer Nacht 5500 Tonnen Obst umgesetzt. Aber das Ganze war natürlich schon damals ein Anachronismus, wenngleich einer mit großem Reiz. Um zwei Uhr nachts kommt die Kundschaft und Lokale rund um die Markthallen füllen sich. "Eine amerikanische Reisegesellschaft ist eingefallen. Sie kommt aus der Oper und lässt sich als Betthupferl die Hallen servieren. Dazu gibt es Champagner und Pariser Atmosphäre zu Touristenpreisen", kommentiert Dieter Ertel. Um fünf Uhr morgens, es dämmert bereits, haben die Großhändler eingekauft und verkauft. Viertel vor sechs Uhr betreten die eigentlichen Stars der Hallen die Bühne, ein neues Schauspiel beginnt: der Fleischmarkt mit den Lastträgern als Hauptdarstellern. Sie können ganze Ochsen auf die Schulter nehmen. Die Prüfung, um als so ein Lastträger angeheuert zu werden, besteht darin, eine Last von vier Zentnern auf den Schultern 50 Meter weit tragen zu können. Heutige Hygienespezialisten sollten bei diesen 1000 Tonnen Fleisch, die da allmorgendlich umgesetzt werden, besser nicht so genau hinschauen. Das Problem der mangelnden Hygiene war allerdings auch damals schon bekannt: Der Fleischmarkt sollte der erste sein, der in neue Gebäude am Stadtrand umzieht. Nach dem Besuch des Weinmarkts von Paris an ganz anderer Stelle, an dem in guten Zeiten 160000 Flaschen Wein den Besitzer wechseln, kehrt das Filmteam um kurz vor sieben Uhr morgens wieder zurück zum Platz vor der Kirche Saint Eustache. Nun kommen die Endverbraucher, die Pariser Bürgerinnen und Bürger auf den Markt, um einzukaufen: Paris s'éveille, Paris erwacht. Dem Film ist an dieser Stelle aber nicht das berühmte Chanson von Jacques Dutronc unterlegt sondern "Petite Fleur" von Sidney Bechet. Und wenn auch das vorbei ist, kommen die Straßenkehr-Lastwagen und machen alles wieder sauber. Bis zur nächsten großen Schlacht. Und das Team kehrt wieder zurück zum kleinen und beschaulichen Bezirksmarkt in der Rue Mouffetard, wo am späten Vormittag die Geschäfte noch voll in Gang sind.

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