Mustang
16.05.2018 • 20:15 - 21:45 Uhr
Spielfilm, Drama
Lesermeinung
v.l.: Die fünf rebellischen Schwestern Selma (Tugba Sunguroglu), Nur (Doga Zeynep Doguslu), Ece (Elit Iscan), Sonay (Ilayda Akdogan) und Lale (Günes Sensoy)
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Lale (Günes Sensoy) schneidet sich die Haare ab.
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Erol (Ayberg Pekcan) will seinen Nichten Zucht und Ordnung beibringen.
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Sonay (Ilayda Akdogan) hat Glück und darf den jungen Mann heiraten, den sie liebt.
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Im Uhrzeigersinn: Die fünf Schwestern Selma (Tugba Sunguroglu), Nur (Doga Zeynep Doguslu), Sonay (Ilayda Akdogan), Lale (Günes Sensoy), Ece (Elit Iscan) zum letzten Mal vereint
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Hint
Synchronfassung, Produktion: Uhlandfilm, Vistamar Filmproduktion, CG Cinema, Online verfügbar von 16/05 bis 23/05
Produktionsland
Deutschland / Frankreich
Produktionsdatum
2014
Spielfilm, Drama

Die Hausfrauenfabrik

Von Gabriele Summen

Zwischen Teenagerträumen und Zwangsheirat: Das Coming-of-Age-Drama erzählt von jungen Mädchen in der Türkei.

Der Film "Mustang" der türkisch-französischen Regisseurin Deniz Gamze Ergüven erzählt von einer tief gespaltenen türkischen Gesellschaft. Anhand von fünf jungen verwaisten Schwestern, die sich in ihrem vertrauensvollen Bunde gegen die traditionalistische Diktatur von Onkel und Tante wehren, wird die Thematik in dem Coming-of-Age-Drama aufgegriffen. Der herzzerreißende Kampf der Mädchen um Freiheit steht wie ein Mahnmal gegen das autoritäre Versprechen der Erdogan-Türkei. 2016 wurde die türkisch-französisch-deutsche Koproduktion von Frankreich für den Auslandsoscar nominiert. Zu ihren politischen Motiven hinter dem Film, der auch von ihren eigenen Erfahrungen lebt, äußert sich die Filmemacherin direkt im Anschluss an die Free-TV-Premiere in der Dokumentation "Es war einmal ..." (21.45 Uhr).

Irgendwo an der türkischen Schwarzmeerküste beginnen – eingefangen in flirrend-verheißungsvollen Bildern – die Sommerferien. Fünf bildschöne Schwestern tollen mit ein paar Jungs aus ihrer Schule fröhlich am Meer herum, aus dem Off erzählt Lale (Günes Nezihe Sensoy), die Jüngste. Dargestellt werden die Mädchen von unverbrauchten Laiendarstellerinnen, was ihrem Spiel ein großes Maß an Authentizität verleiht.

Kurz darauf stehlen die Mädchen recht metaphorisch noch ein paar Äpfel aus Nachbars Garten und werden prompt erwischt. Bis dahin warnte nur der Soundtrack ein wenig vor dem, was auf das unschuldige Auftreten der Mädchen mit dem Temperament wilder Mustangs noch folgen würde. Zu Hause werden sie bereits von ihrer äußerst erbosten Großmutter (Nihal Koldas) erwartet. Eine Nachbarin hat die mit den Jungs herumalbernden Mädchen beobachtet und verpetzt. Nun steht die Familienehre auf dem Spiel.

Die Großmutter verprügelt die Schwestern, abends kommt der böse Onkel (Ayberk Pekcan) und verkündet, er werde sich fortan um die viel zu laxe Erziehung der Vollwaisen kümmern. Handys, Computer, Bücher und auch Musik – man fühlt sich nicht nur an dieser Stelle an die "Virgin Suicides" von Sofia Coppola erinnert – werden einkassiert. Außer Haus müssen die Mädchen nun sackartige, "kackfarbene Kleidung", wie Off-Erzählerin Lale böse kommentiert, tragen.

Sogar ihre Jungfräulichkeit wird von einem Arzt untersucht. Schule ist fortan tabu, das zunehmend vergitterte Heim verkommt zur "Hausfrauenfabrik". Nachbarinnen bringen ihnen das Kochen, Backen, Putzen und Nähen bei. Denn die erblühenden Schwestern sollen nun schleunigst verheiratet werden, was vor allem in den ländlichen Gegenden der Türkei durchaus noch üblich ist. Angedeutet wird auch, dass der etwas klischeehaft als dämonischer Patriarch dargestellte Onkel den älteren Schwestern nächtliche Besuche abstattet. Atmosphärisch dicht ins Bild gesetzt, geht die Entrechtung der jungen Frauen dem Zuschauer sehr nahe.

Dennoch durchzieht den Film immer wieder Hoffnung und eine Leichtigkeit, die im Wesen und der unverwüstlichen Gemeinschaft der Schwestern begründet liegt. Gemeinsam büchsen die freiheitsliebenden Teenager zu einem Fußballspiel aus, sie spielen schwimmen auf Matratzen oder necken sich gegenseitig. Eine verschwörerische Handkamera fängt diese Szenen ein. In den intimen Kreis der Schwestern kann das Patriarchat nicht eindringen.

Doch letztlich wird eine nach der anderen zwangsverheiratet, nur einer Schwester gelingt es, wenigstens ihren heimlichen Geliebten zu ehelichen. Die jüngste Schwester Lale findet in einem jungen, fortschrittlich denkenden Mann im Dorf einen Verbündeten. Der bringt ihr heimlich Autofahren bei, falls sie je in die Zwangslage kommen sollte, abhauen zu müssen ...

Letztlich siegt Ergüvens hinreißende Inszenierung über eine etwas zu klischeehafte Story.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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