Schneemann
16.12.2019 • 22:15 - 00:05 Uhr
Spielfilm, Drama
Lesermeinung
In Oslo und den verschneiten Wäldern Norwegens fahndet der einzelgängerische Kriminalbeamte Harry Hole (Michael Fassbender) nach einem Serienkiller mit Schneemann-Symbolik.
Vergrößern
Originaltitel
The Snowman
Produktionsland
GB, USA, S
Produktionsdatum
2017
Spielfilm, Drama

Laues Frösteln

Von Andreas Günther

Dunkle Seele gesucht: Der Serienkiller-Thriller "Schneemann" nach Jo Nesbø bräuchte mehr als Stars, tolle Kamera und vielsagende Andeutungen, um eine richtige Eishölle zu bereiten.

Raschen Schrittes durchquert eine junge, blonde Frau bei Nacht die winterlichen Straßen Oslos. Da trifft ein Schneeball ihre Schulter. Als sie sich daraufhin umdreht, wirkt sie weder ängstlich noch ärgerlich, sondern neugierig – und sogar so, als ob sie etwas Vertrautes wiedererkannt hätte. Sehr bald ergibt sich, dass dem nicht so ist. Sie gerät in die Fänge eines Serienkillers. "Schneemann" (2017) ist eine Verfilmung des gleichnamigen Thrillers aus der Feder von Jo Nesbø. Waren die Bücher Welterfolge, hapert es mit deren Leinwand-Verkörperung gewaltig, wovon sich nun auch die TV-Zuschauer in der Free-TV-Premiere beim ZDF überzeugen können.

Bei den ersten Schneefällen in Oslo verschwinden junge Frauen, die als zerstückelte Leichen wieder auftauchen. Der Mörder scheint sich für junge Mütter zu interessieren, die ihren Männern Kuckuckskinder unterschieben, und kommuniziert mit der Polizei über Schneemänner, die Kleidungsstücke der Ermordeten tragen. Zudem fordert er Kommissar Harry Hole zu einem blutigen Katz-und-Maus-Spiel heraus.

Unter großem Druck seiner Vorgesetzten soll Hole zusammen mit seiner neuen Kollegin Katrine Bratt (Rebecca Ferguson) den Täter möglichst rasch dingfest machen. Er vermutet, dass ein nicht gefasster Serienkiller vergangener Jahrzehnte wieder am Werk ist, und versenkt sich in alte Akten. Dabei kommt ihm der Verdacht, dass Katrine mehr als nur ein professionelles Interesse an dem Fall mitbringt. Nur mühsam hält er sie von übereilten Schritten und Schlussfolgerungen ab. Doch als seine Freundin Rakel (Charlotte Gainsbourg) bedroht wird, gerät er selbst emotional ins Schlingern.

Besser beim Buch bleiben

Beginnend mit dem Schneeballwurf in dunkler Nacht schmeißt der Film mit Rätseln vom irritierenden Detail bis zur geheimnisvollen Rückblende verschwenderisch um sich. Das zieht zunächst in den Bann. Die Erzählweise des renommierten Regisseurs Tomas Alfredson ("Dame, König, As, Spion") und seiner Drehbuchautoren ist lange behutsam, die Kamera unaufdringlich beunruhigend, der Geräuscheinsatz sehr wirkungsvoll. Überdies sorgt eine kleine Starriege für schillernde Verdächtige. Chloë Sevigny spielt eine Doppelrolle als Zwillingsschwestern und "Oscar"-Preisträger J. K. Simmons ("Whiplash") gibt einen heuchlerischen reichen Wohltäter.

Und doch geht das Kalkül von Verwirrspiel und Promiparade nicht auf. Der Krimifan errät den Täter bereits sehr früh. Das ist schon bei Nesbø so. Aber sein Buch fesselt mit der dunklen Seele seines Personals, die er freilegt wie den weitaus größeren Teil eines Eisbergs, der sonst unter der Wasseroberfläche bleibt. Davor kneift der Film, allen Lippenbekenntnissen zum Trotz. Die Wodkaflasche, die Fassbenders schlummerndem Hole entrollt, ist bloß Requisite, nicht sein Dämon. Vor lauter gebirgigen Schneelandschaften fehlt der Kontakt zu den destruktiv erhabenen Problemlagen des Alkoholismus und der Vaterlosigkeit als Zündstoff für Gewalt. Ohne echte Sensibilität für die zentralen Themen der Vorlage stolpert die Verfilmung irgendwann nur noch effektgetragen vor sich hin und einem ebenso spannungslosen wie unsinnigem Showdown entgegen. "Schneemann" geht in lauem Frösteln unter.

Hauptdarstellerin Rebecca Ferguson bekommt es auch in ihrem aktuellen Kinofilm mit unheimlichen Kräften zu tun. Seit 21. November ist sie in der Stephen-King-Verfilmung "Doctor Sleeps Erwachen" an der Seite von Ewan McGregor zu sehen. Der Horrorfilm knüpft an den Klassiker "Shining" aus dem Jahr 1980 an.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Macht immer eine gute Figur: Michael Fassbender.
Michael Fassbender
Rebecca Ferguson - Foto für Biografie
Rebecca Ferguson
Karriere ganz ohne Schauspielausbildung: Charlotte Gainsbourg.
Charlotte Gainsbourg
Einst adrett und nett: Hollywood-Star Val Kilmer (mit Robert Downey jr.).
Val Kilmer
Alter Hase im Showgeschäft: Toby Jones.
Toby Jones
Chloë Sevigny: immer ein bisschen außergewöhnlich.
Chloë Sevigny
Jonas Karlsson

Das beste aus dem magazin

Das Buch „Der Tod ist dein letzter großer Termin. Ein Bestatter erzählt vom Leben“ von Christoph Kuckelkorn
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Der Tod ist dein letzter großer Termin. Ein Bestatter erzählt vom Leben"

Christoph Kuckelkorn, bekannt als Bestatter und ehemaliger Präsident des Festkomitee Kölner Karneval, beschreibt in seiner neuen Biografie die Gemeinsamkeiten zwischen Bestattungen und Karneval. Er gibt Einblicke in sein Berufsleben und seine persönlichen Erfahrungen mit Trauer und Verlust.
Dr. Julia Fischer lacht.
Gesundheit

Fettleber ohne Alkohol – wenn der Stoffwechsel die Leber angreift

Eine 60-Jährige aus Rheinland-Pfalz kämpft mit einer stoffwechselbedingten Fettlebererkrankung. Trotz fehlender Symptome kann diese Krankheit schwerwiegende Folgen haben, wie erhöhte Risiken für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Intensive Betreuung im Leberzentrum Mainz und eine Ernährungsumstellung helfen ihr, die Krankheit in den Griff zu bekommen.
Yared Dibaba lacht.
HALLO!

Yared Dibaba: "Ich möchte mich einbringen, in den Dialog gehen"

Yared Dibaba reflektiert in seinem neuen Buch „Bin da, wer noch?“ über seine persönliche Reise von Äthiopien nach Deutschland und die Bedeutung von Vielfalt und Identität.
Ein Paar steht im Sonnenuntergang am Strand und hat sich in den Armen.
Reise

Ein schöner Urlaub für alle: Barrierefrei reisen

Barrierefreies Reisen ist für Menschen mit verschiedenen Einschränkungen möglich. Ob Unterkunft, Sehenswürdigkeiten oder Mobilitätsservice – "Reisen für alle" bietet die passende Lösung.
Das Buch „Nimm den Zwängen die Macht. Zwangsstörungen und Zwangsgedanken verstehen, sich ihnen stellen und Freiheit zurückgewinnen “
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Nimm den Zwängen die Macht"

Zwangsstörungen belasten Betroffene und sind oft schwer nachvollziehbar. Ein neuer Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Marotten und krankhaften Zwängen und gibt wertvolle Tipps zur Überwindung.
Midge Ure guckt in die Ferne.
HALLO!

Midge Ure: "Es ist entweder mutig oder komplett verrückt"

Midge Ure, ehemaliger Frontmann von Ultravox, kehrt mit einem neuen Doppel-Album zurück. Im Interview spricht er über seine musikalische Entwicklung, den Einfluss von Kraftwerk und seine Entscheidung für ein Doppel-Album.