Im 13. Fall für das Ermittlerteam rund um Nina Petersen (Katharina Wackernagel) steht ein Sprengstoffanschlag, dessen Hintergründe in die jüngere Vergangenheit und bis hin zu ehemaligen RAF-Terroristen führen.

Der kleine Junge, der durch die Winterlandschaft rennt, kann es nicht fassen: Eben noch war der Kleinbus, der ihn eigentlich zur Kita bringen sollte, an ihm vorbei gerast. Dann ein fürchterlicher Knall – und das Fahrzeug steht lodernd in Flammen. Ein Bombenanschlag! Ein ziemlich heftiger Schock-Moment steht am Anfang des ZDF-Samstagskrimis "Stralsund – Waffenbrüder" (Buch: Daniel Schwarz und Thomas Schwebel, Regie: Kaspar Heidelbach). Immerhin erfährt man schnell: Das Kindergarten-Fahrzeug war nicht vollbesetzt, allerdings ist der Fahrer tot und zur Unkenntlichkeit verbrannt. Nina Petersen (Katharina Wackernagel) und ihr treuer, spröder Ermittlerpartner Karl Hidde (Alexander Held) übernehmen den Fall – und stoßen wieder einmal auf düstere Schatten der Vergangenheit.

Das finstere Licht, das auf so vielen "Stralsund"-Fällen liegt, über den Plattenbauten der Ostseestadt ebenso wie über den Backstein-Kirchenburgenfassaden, setzt einmal mehr die Grundstimmung: Selbst im Besprechungsraum der Kriminaler würde man als zufälliger Vor-Ort-Besucher am liebsten eine kräftigere Deckenbeleuchtung anknipsen. Wie die ganze Szenerie erhellt sich auch dieser Fall erst ganz allmählich.

Aus naheliegenden Gründen gehen Polizei und die benachrichtigten schockstarren Angehörigen erst einmal davon aus, dass es sich bei dem durch die hinterhältige Explosion im Kita-Kleinbus Getöteten um den üblichen Fahrer handeln muss. Doch dann entdeckt dessen Freundin Jeanette Beckmann (Alina Levshin) das vermeintliche Mordopfer Sascha (Florian Bartholomäi) aus dem Busfenster heraus. Natürlich steigt sie sofort aus und kreischt ihren Liebhaber an: "Warum bist du nicht tot?" – Des Rätels Lösung: Sascha hatte in aller Herrgottsfrühe seinen Freund und Leistungssportkollegen Holger gebeten, seine Schicht mit dem Kita-Bus zu übernehmen, um stattdessen mit dem Rennrad über die Landstraßen zu düsen und sich für den nächsten Triathlon-Wettbewerb zu stählen. Doch warum nur? Holger hatte nicht einmal einen gültigen Führerschein.

Während sich der Film vom eigentlichen Toten dann rasch abwendet, steht mit Sascha ein ziemlicher Unsympath im Zentrum. Selbst seine Freundin Jeanette scheint ihn gar nicht so gut zu kennen. "Der kam aus dem Westen", sagt sie lakonisch bei einer ersten Befragung. Und auch Holger und Saschas Sporttrainer fanden zu dem verschlossen wirkenden jungen Mann, der offensichtlich ein Geheimnis zu wahren versucht, keinen Zugang. "Es ist ein Wessi", sagt auch Wolfram Winkelmann (Karl Kranzkowski). "Die sind anders", meint er knurrig. "Nicht so solidarisch."

Nun haben Petersen und Hidde eine harte Nuss zu knacken. Besonders kompliziert wird der Fall, als ihnen ein KTU-Techniker (Johannes Zirner) meldet, dass der bei dem Anschlag auf den Kleinbus verwendete Sprengstoff aus sehr ungewöhnlichen Quellen zu stammen scheint: Spuren deuten tödliche Praktiken der RAF an. 1991, kurz nach der Wende, soll es einen ähnlichen Anschlag gegeben haben.

Trotz des Wohlwollens, den man der seit 2009 im ZDF ausgestrahlten "Stralsund"-Krimireihe gern entgegenbringt, erweist sich der 13. Fall "Waffenbrüder" (einen 14. Film mit dem Arbeitstitel "Schattenlinien" gibt es bereits, aber noch kein konkretes Ausstrahlungsdatum) als arg konstruiertes Kuddelmuddel. Zwar tritt das zwischenmenschliche Durcheinander auf dem Revier diesmal ein wenig in den Hintergrund, aber glaubwürdiger macht das die holprige Fallabwicklung aber nicht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst