Wim Wenders wird 75 – und das Erste ehrt den deutschen Regisseur mit einer langen Geburtstagsnacht. Auf die Dokumentation "Desperado" folgen mit "Buena Vista Social Club" und "Der Himmel über Berlin" zwei der größten Werke des Meisters.

Wim Wenders, einer der größten deutschen Regisseure überhaupt, vollendet am 14. August sein 75. Lebensjahr. Aus diesem Anlass widmet das Erste dem Mitbegründer des Neuen deutschen Films an seinem Ehrentag eine ganze Nacht. Zunächst, ab 23.50 Uhr, erkundet die hervorragende Dokumentation "Wim Wenders, Desperado" die Person und das Leben des gebürtigen Düsseldorfers. Ein Jahr lang konnten der Regisseur Eric Friedler sowie Andreas Frege, besser bekannt als Sänger der Toten Hosen Campino, den Meister begleiten – und ein persönliches Porträt zeichnen, das sowohl den Menschen als auch den Künstler Wenders in seiner Vielfältigkeit zeigt.

Dabei begibt sich die Doku anhand von Filmausschnitten und Ortsbesuchen auf die Spuren seiner großen Filme wie "Paris, Texas" (1984) und "Der Himmel über Berlin" (1987). Die Höhepunkte seines Schaffens stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie das Scheitern – so zeichnet der Film auch nach, welch kreativen und finanziellen Herausforderungen sich Wenders immer wieder stellen musste. Gezeigt wird der Regisseur zudem bei der Arbeit am Set sowie mit Freunden und Wegbegleitern – darunter Kaliber wie die Regielegenden Francis Ford Coppola und Werner Herzog, die Schauspielstars Willem Dafoe und Andie MacDowell sowie Rockmusikerin Patti Smith.

Zwei Meisterwerke

Gleich im Anschluss zeigt das Erste zur Feier des Tages zwei der wichtigsten und am meisten gefeierten Werke Wenders': Zunächst ab 1.55 Uhr die Musik-Hommage "Buena Vista Social Club" von 1999, mit der der Regisseur ein bewegendes Porträt einer legendären Gruppe kubanischer Musiker schuf. Spontan entschloss sich Wenders damals, mit seinem Freund, dem amerikanischen Rockmusiker Ry Cooder, nach Kuba zu reisen, um die Musikikonen des Landes zu treffen und zu filmen. Künstler wie Ibrahim Ferrer, Rubén Gonzàles und Omara Portuondo gehören zu den ganz großen der kubanischen Musik – und werden in diesem emotionalen Dokumentarfilm gewürdigt.

Danach (3.30 Uhr) schickt Wim Wenders in seinem Meisterwerk "Der Himmel über Berlin" die Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) durch eine geteilte Stadt, der Himmel ist hüben genauso grau wie drüben und überspannt die triste deutsche Wirklichkeit Mitte der 80er-Jahre. Damiel und Cassiel beobachten die Menschen, ohne von ihnen gesehen werden zu können. Lediglich Kinder können die Engel wahrnehmen, genauso wie ehemalige Engel. Einer davon, gespielt von "Columbo" Peter Falk, ermutigt Damiel den Schritt ins menschliche Dasein zu wagen. Damiel hatte sich kurz zuvor in die Trapezkünstlerin Marion (Solveig Dommartin) verliebt und seitdem den Wunsch verspürt, anstatt der Grautöne, die Engel wahrnehmen, die bunte Farbenpracht der Menschlichkeit zu erfahren. Jene Pracht ist es auch, die Wenders der Welt immer wieder vor Augen führt.

Wim Wenders – 75. Geburtstag – Fr. 14.08. – ARD: 23.50 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH