Zwei Leben
09.01.2026 • 20:15 - 21:45 Uhr
Spielfilm, Drama
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Um den Schaden an den "Lebensborn"-Kindern zu beheben, enthüllt Sven Solbach (Ken Duken) die Wahrheit über Katherines Identität.
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Kathrine (Juliane Köhler) und Bjarte (Sven Nordin) führen ein ruhiges und erfülltes Eheleben, bis die Wahrheit über Kathrines Identität ans Licht kommt.
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In den 1970er Jahren kam Katrine (Juliane Köhler) als DDR-Spionin nach Norwegen. Als ein Anwalt (Ken Duken) auftaucht, der sich für sie als vermeintliches "Lebensborn"-Kind interessiert, droht ihre Welt zusammenzubrechen.
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Norwegen im Jahr 1990: Katrine (Juliane Köhler) hat scheinbar ihr Familienglück gefunden. Dennoch verbirgt sie ein großes Geheimnis ...
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Originaltitel
Zwei Leben
Produktionsland
D, N
Produktionsdatum
2013
Altersfreigabe
12+
Kinostart
Do., 19. September 2013
DVD-Start
Do., 27. März 2014
Spielfilm, Drama

Zwischen Stasi- und Nazi-Vergangenheit

Von Wilfried Geldner

Deutschland 1990: Die in Norwegen glücklich mit ihrer Familie lebende Katrine Evensen droht als ehemalige DDR-Spionin geoutet zu werden, weil ein Anwalt spätes Recht für norwegische Lebensborn-Kinder will. Das Drama wurde von Deutschland für den "Auslands-Oscar" 2014 eingereicht.

Auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall gibt es immer noch Aspekte der deutsch-deutschen Geschichte, die dem Großteil der Bevölkerung bisher verborgen blieben. "Zwei Leben" (2012), eine deutsch-norwegische Koproduktion, behandelt solch ein Thema: In dem Drama, das ARTE nun wiederholt, geht es um ein sogenanntes Lebensborn-Kind, ein norwegisches Heimkind, das von einem deutschen Soldaten und einer norwegischen Mutter stammt, kurz vor Kriegsende dann von den Nazis nach Deutschland verschleppt wurde und dort ins ostdeutsche Waisenhaus kam. Nach einem Fluchtversuch aus der späteren DDR wird die nun Erwachsene mit einer neuen Identität versehen und als "Katrine Evensen" ihrer angeblichen früheren Familie zugeführt.

Der Film nach einer Romanvorlage von Hannelore Hippe ("Eiszeiten"), von Deutschland für den Oscar als bester fremdsprachiger Film 2014 eingereicht, umgreift mehrere Orte und Zeiten. Katrine Evensen (Juliane Köhler) hat zunächst unter den Nazis, dann unter den Machenschaften der Stasi zu leiden. Ein smarter Anwalt, den Ken Duken vortrefflich spielt, ist auf der Suche nach Zeugen für das Unrecht, das einst norwegischen Müttern und ihren mit deutschen Soldaten gezeugten Kindern widerfuhr. Tausende wurden zunächst in norwegische, dann in deutsche SS-"Lebensborn"-Heime gebracht und ihren Müttern für immer entrissen. Zudem lehnte der norwegische Staat die Kinder nach Kriegsende ab.

Mitte der 60er-Jahre aber kam die Staatssicherheit der DDR auf die Idee, nun erwachsen gewordene Heimkinder unter falscher Identität bei "ihren" norwegischen Familien einzuschleusen und ihren angeblich wahren Müttern zuzuführen. Sie wurden als Spione eingesetzt, als Schläfer zumeist, die auf ihre fälligen Aufgaben im Kalten Krieg zu warten hatten.

Wallander lässt grüßen

Katrine Evensen ist eines dieser Lebensborn-Kinder. Längst lebt sie scheinbar unbeschwert mit ihrer Familie, die Fotografin liebt Mutter (Liv Ullmann), Mann (Sven Nordin) und Kind (Julia Bache-Wiig). Doch der Anwalt, der Katrines Fall mit anderen vor den Europäischen Gerichtshof bringen will, könnte ihre Vergangenheit ans Licht bringen. Katrine handelt schnell und offensichtlich auch so präzise wie es sich für eine Ex-Spionin geziemt. In Deutschland vernichtet sie Stasi-Akten, dringt in geheime Archive ein und bereitet eine ehemalige Heimmitarbeiterin auf die Befragungen vor. Mit ihrem Verbindungsmann namens "Hugo" (Rainer Bock) gibt es heimliche, bedrohlich wirkende Treffen.

Beinahe naturgemäß greift der Film immer wieder auf Rückblenden und Inserts wie Zeit- und Ortsangaben zurück. Ohnedies scheint die zeitgeschichtliche Einbettung eher ein Fall für Dokumentationen zum Thema zu sein. Dass Katrine Evensen mit einer Lebenslüge in ihrer norwegischen Familie leben muss, ist schon tragisch genug. Doch zu allem kommt noch eine schwerwiegende Schuld hinzu, in die sie die Stasi treibt. Immer wieder blendet der Regisseur Georg Maas mit wackeliger Handkamera und Unschärfen eine Gewalttat ein, die letztlich für die Schuld der Katrine Evensen steht.

Trotz seiner zeitgeschichtlichen Verortung wirkt "Zwei Leben" lange wie ein Wallander-Krimi, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Die Wahrheit kommt auch hier nach verschiedenen Häutungen ans Licht. Auch die Stilmittel, der lapidare Tonfall und der skandinavische Schauplatz erinnern an die Verfilmungen der Romane Mankells. Alleine das Mutter-Tochter-Drama zwischen der einstigen Bergmann-Schauspielerin Liv Ullmann und der geheimnisvoll introvertierten Juliane Köhler hebt "Zwei Leben" über den Durchschnitt hinaus.

Zwei Leben – Fr. 09.01. – ARTE: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Der Trailer zu "Zwei Leben"

Darsteller

Juliane Köhler
Liv Ullmann
Etablierter Darsteller: Ken Duken.
Ken Duken
Weitere Darsteller
Sven Nordin Dennis Storhøi Vicky Krieps Rainer Bock Ursula Werner Jürgen Rißmann Julia Bache-Wiig Holger Handtke Daniel Krauss Thomas Lawinky Ralf Dittrich Klara Manzel Christian Steyer Mathias Harrebye-Brandt Ellen Brigitte Winthe Thorbjørn Harr Hubert Weber

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