In einem Mehrfamilienhaus am Rande einer Metropole wohnen Unmengen illustrer Gestalten (etwa eine Frau, deren Selbstmordversuche ständig fehlschlagen). Als der arbeitslose Musikclown Louison (Dominique Pinon, Foto) eine Stelle als Hausmeister annimmt, ahnt er nicht, dass er den ausgehungerten Bewohnern als Frischfleisch dienen soll. Der Plan des im Haus lebenden Fleischers droht jedoch fehlzuschlagen, als sich dessen Tochter in den Clown verliebt ...

Ein Geniestreich sei den Videoclip- und Kurzfilm-Profis Jeunet & Caro mit ihrem Spielfilm-Debüt von 1990 gelungen, lobte die französische Kritik. Und in der Tat: Der Film, der fünf Césars erhielt, ist ein fantastisches, schwarzes Märchen mit einer Vielzahl Einfälle zwischen Surrealismus, Slapstick und Comic Strip. Gleichzeitig ist "Délicatessen" eine anarchische Komödie um Lebenshunger und die Kraft der Liebe. Angesichts der düster-verschlungenen Kunstwelt von "Délicatessen" mag man an Filme wie "Brazil" oder "Blade Runner" denken, in denen Zukunftspessimismus und Endzeitstimmung die schillerndsten Alptraumwelten schufen. Für den hintergründigen Humor und die melancholischen Stilleben standen jedoch französische Filmkünstler wie Jacques Tati oder auch Jean Renoir Pate. Herausragend: die poetisch wie brutalen Bilderwelten von Kameramann Darius Khondji.

Foto: Neue Visionen