"Wenn du einen Film drehst, dann versuche unbedingt Katharine Hepburn zu gewinnen," schrieb einmal die bekannte US-Journalistin Mary Blume und sie drückt damit etwas aus, was zahlreiche Hollywoodregisseure, die mit Kate gearbeitet haben, äußern. Nie ist die Hepburn ein schwieriger Star, noch manche kritische Situation am Set hat sie mit ihrem zugänglichen und freundlichen Wesen beeinflusst. Als Tochter des prominenten Chirurgen und Chefurologen am Hartfort Hospital, Dr. Thomas Norval Hepburn und seiner Ehefrau Katerine Boston-Houghton, eine Suffragete und Kreuzzüglerin, wurde Katharine in die bessere Gesellschaft hineingeboren (einige Quellen nennen den 7. bzw den 9. November als Geburtstag). Sie war das zweite von sechs Kindern, besucht die West Middle School und die Oxford School for Girls in Hartford, später geht sie ans Bryn Mawr College in Pennsylvania.

Schon früh interessiert sich Katharine für die Schauspielerei, gründet am Familiensommersitz in Fenwick am Long Island Sound ein Ensemble, das sie die Hepburn Players nannte. Am Bryn Mawr hat sie der Shakespeare-Gelehrte Horace Howard Furness in einem elisabethanischen Feststück als Pandora besetzt. Doch ihr einmal geweckter Ehrgeiz fand bei den anderen Hepburns wenig Anklang. Nach Abschluss der Schule ging Katharine 1928 nach Baltimore mit einem Empfehlungsschreiben an Edwin H. Knopf, später einer der bekannten MGM-Produzenten. Knopf sagte einmal rückblickend: "Eigentlich wollte ich von der jungen Dame gar nichts wissen, aber es ist verdammt schwer, eine Hepburn abzuschütteln.

Im gleichen Jahr spielt sie in einer Knopf-Produktion in dem Stück "The Czarina" die Hofdame des Bühnenstars Mary Boland. Man schickte Katharine zu Sprechstudien zur bekannten Lehrerin Frances Robinson-Duff und Katharine nahm zusätzlich noch Unterricht in Bewegung und Tanz bei Michael Mordkin. Ihr Auftritt in der Knopf-Produktion "The Big Pond" wurde ein Desaster: Katharine, die die die zweite Besetzung für die Hauptrolle wurde, muss zur Premiere einspringen und spricht so schnell, dass sie sich total verheddert und stellenweise überhaupt nicht zu verstehen ist. Doch was jeden anderen zur Verzweiflung gebracht hätte: Katharine hingegen gibt nicht auf, arbeitet beharrlich weiter an sich und nach einigen Fehlschlägen debütiert sie am 12. November 1928 in dem Stück "These Days" am Broadway. Jetzt hat sie wirklich Chancen: am 26. November übernimmt sie bei der Broadway-Premiere die Rollenvertretung für den Star Hope Williams.

Kurz darauf überrascht sie die New Yorker Gesellschaft mit der Ankündigung, sie werde Ludlow Ogden Smith, eines der oberen Zehntausend von Philadelphia heiraten. Am 12. Dezember werden sie getraut. Sie will ganz als Hausfrau aufgehen, doch das schafft sie nicht, sie kehrt zum Theater zurück. Katharine spielt zahlreiche kleine und große Rollen, bis eine erfolgreiche Inszenierung von "The Worrior's Husband" sie geradewegs nach Hollywood führt. 1932 beginnt die Filmkarriere der Hepburn in George Cukors "Eine Scheidung". Sie spielt die Tochter eines geistesgestörten Mannes alias John Barrymore, dem zuliebe sie auf ihr eigenes Glück verzichtet. Durch Cukor erhält sie eine ganze Reihe weiterer Aufträge, doch es dauert ganze sechs Jahre, bis aus dem herben jungen Mädchen eine profilierte Schauspielerin mit sehr persönlichem Image wird.

Mit Howard Hawks'"Leoparden küsst man nicht" (1938), an der Seite von Cary Grant, und zwischen James Stewart und Grant in der"Die Nacht vor der Hochzeit" (1940) von Cukor beginnt ihre große Filmkarriere. In den Dreißigerjahren hat sie - oft unter Cukors Regie - am Broadway gespielt, wohin sie fast 30 Jahre später zurückkehrt: An ihrem 60. Geburtstag steht sie in New York auf der Bühne und spielte in Jay Lerner und Andre Previns Musical "Coco" die 86-jährige "Coco Chanel", eine der weiblichen Mythen des 20. Jahrhunderts.

Ein großer Erfolg für Kate, die zum erstenmal professionell singt - keine große Sängerin, wie die Presse meint, aber eine Schauspielerin, deren persönliche Ausstrahlung, deren Temperament die fehlende Gesangsperfektion ausglich. Kennt der Kinobesucher eher die fröhliche muntere Kate der Komödie, so ist sie auf der Bühne auch eine ausgezeichnete Shakespeare-Darstellerin, den sie neben George Bernhard Shaw am meisten verehrt. 1971 spielt sie in Michael Cocoyannis Verfilmung der "Trojanerinnen" die Rolle der Hecuba, unvergesslich ist sie neben Elizabeth Taylor in Mankiewiczs "Plötzlich im letzten Sommer" (1959) nach Tennessee Williams, O`Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht" (1962) und selbst in dem verunglückten Film "Die Irre von Chaillot" (1968) bleibt sie ihrem Regisseur Bryan Forbes überlegen.

Es sind nicht unbedingt die preisgekrönten Filme, die am stärksten nachwirken, etwa "Morgenrot des Ruhms" (1933), "Rat mal, wer zum Essen kommt" (1967) oder "Der Löwe im Winter" (1968) - für die sie ihre drei Oscars erhielt. Trotz der knarrenden Dramaturgie in Elia Kazans Siedlergeschichte "Endlos ist die Prärie" (1947) ist ihre Lucie Cameron unvergesslich, jene Frau, die an der Seite eines starrköpfigen Obersts und Viehzüchters - Spencer Tracy - lebt und eine Liaison mit dem charmanten Anwalt der oppositionellen Farmer eingeht, bis sie am Ende zu Mann und Haus zurückkehrt. Oder die abenteuerliche Fahrt auf der "African Queen" (1951), wo sie eine kratzbürstige Jungfer mimt, die sich in den mürrischen Kapitän Humphrey Bogart verliebt. Nach dem Tod ihres langjährigen Lebenspartners Spencer Tracy, den sie schon vor der gemeinsamen Filmarbeit kannte, soll sie - so sagen es ihre Freunde - geselliger geworden sein und Kate selbst sagt von sich: "Früher habe ich meine Zuschauer und Kritiker als Feinde betrachtet, gegen die ich mich behaupten muss, die ich erobern soll. Das ist vorbei. Heute sprechen mich Leute auf der Straße an, sagen nette Dinge und ich habe eigentlich das Gefühl, dass sie es so meinen. Ich fühle mich auf der Welt zu Hause und ich bilde mir ein, die Leute freuen sich über mich."

Katharine Hepburn verkörpert ein Frauenbild, das einer starken, einer intelligenten, mit einen nicht direkten, sondern hintergründigen Charme, den es zu sehen galt: spontan, direkt und doch beherrscht. Sie ist von der Austrahlung ihrer Persönlichkeit immer etwas spröde, immer etwas älter". Eine ihrer besten Beziehungskomödien ist "Die Frau, von der man spricht" (1942). Spencer Tracy und sie als Paar, ein Film, in dem es knistert und zischt, gekonnt, elegant und spitz zugleich. Einer ihrer späten Filme war "Am goldenen See" (1981) an der Seite von Henry Fonda. Auch diese Altersrolle brachte ihr, der großen Hepburn, noch einmal einen Oscar ein.

Weitere Filme mit Katharine Hepburn: "Vier Schwestern", "Ihr großes Erlebnis" (beide 1933), "Spitfire", "The Little Minister" (beide 1934), "Break Of Hearts", "Alice Adams", "Sylvia Scarlett" (alle 1935), "Mary Of Scotland", "A Woman Rebels" (alle 1936), "Quality Street", "Bühneneingang", "Die Schwester der Braut" (alle 1937), "Die ganze Wahrheit" (1942), "Stage Door Canteen" (1943), "Dragon Seed" (1944), "Zu klug für die Liebe" (1945), "Clara Schumanns große Liebe", "Der unbekannte Geliebte"(beide 1947), "Der beste Mann" (1948), "Ehekrieg" (1949), "Pat und Mike" (1951), "Traum meines Lebens" (1955), "Der eiserne Unterrock", "Der Regenmacher" (beide 1956), "Eine Frau, die alles kennt" (1957), "Empfindliches Gleichgewicht" (1973), "Liebe in der Dämmerung" (1974), "Mit Dynamit und frommen Sprüchen" (1975), "Das Korn ist grün" (1977), "Grace Quigleys letzte Chane" (1984), "Spencer Tracy: Ein Porträt von Katharine Hepburn" (Doku), "Mrs. Delafield will heiraten" (beide 1986), "Kein Engel auf Erden" (1992) und "Liebe ist nicht bloß ein Wort" (1993).