Eine Elite-Schule in England soll drei deutschen Schülern eine Top-Ausbildung inklusive goldener Zukunftsperspektiven garantieren. Ob das gelingt?

Manche erinnern sich gern an die Schulzeit zurück, anderen ist sie noch heute ein Graus. Fakt ist aber, dass jeder Mensch während dieser Lebensphase einschneidende Erfahrungen macht und sich früher oder später mit der alles entscheidenden Frage auseinandersetzen muss: Wo will ich hin? Als wäre das nicht schon schwierig genug, kommen selbstredend auch noch pubertäre Probleme hinzu. Als junger Mensch kann man von all dem schnell überfordert sein. Das wissen auch Kai (17), Hannah (17) und Max (15). Um sich bestmöglich auf ihre Zukunft vorzubereiten, haben sie sich dazu entschieden, ein englisches Internat zu besuchen. Das Scarborough College besitzt international ein außerordentliches Renommee und soll den dreien den Weg in eine erfolgreiche Karriere ebnen. So wollen sie es selbst – und vor allem die Verwandtschaft. Nadja Kölling hat die Schüler für ihre "37°"-Grad-Reportage "Zwischen Heimweh und Harry Potter" ein Jahr lang begleitet.

Nein, mit Hogwarts-Romantik hat das Ganze nichts zu tun. Mit "Hanni und Nanni" oder "Burg Schreckenstein" ebenfalls nicht. Und auch von "Schloss Einstein" ist das Scarborough College weit entfernt. Die englische Schule ist ein Elite-Internat, entsprechend teuer ist ein Schuljahr für die drei Deutschen. Ihre Familien müssen je rund 30.000 Euro hinblättern, um schulische Ausbildung und Unterkunft des Nachwuchses zu gewährleisten. Und damit wären nur die Grundgebühren abgedeckt, Taschengeld und dergleichen nicht mit eingerechnet.

Hauptsächlich wird die Schule von Briten besucht, doch einen Großteil machen auch internationale Schüler aus, insbesondere solche aus dem europäischen Ausland. Das knallharte britische Schulsystem gilt als Garant für eine gute Ausbildung und Zukunft – immer wieder wird das in dem Beitrag betont. Kai, Hannah und Max wollen und sollen davon profitieren. Max vor allem, weil er laut eigener Aussage in Deutschland unterzugehen drohte. Er konnte sich im Unterricht kaum konzentrieren, Lehrer nahmen sich seiner Probleme kaum an, die Noten gingen den Bach runter. "Konzentration ist bei mir eine Sekundennummer," sagt er selbst. Der strenge Alltag in Scarborough soll ihm helfen, wieder auf die Beine zu kommen.

Kai hingegen ist schon seit zwei Jahren Schüler des Colleges und macht nun seinen Abschluss. Immer wieder klingt an, dass es nicht nur sein eigener Wille ist, hier zu sein. Nachdenklich berichtet er, dass es auch darum gehe, das zu leisten, was die Eltern erwarten. Leistungsdruck und die Angst vor dem Scheitern gehören für alle dazu, hinzukommt Heimweh. Hannah hingegen wirkt sehr sprunghaft. Immer wieder fällt sie durch ihre Dickköpfigkeit auf, ständig hat sie neue Pläne. Das ist in dem Alter normal. Ihre Mutter mag diese Einstellung hingegen nicht. Schließlich soll die Tochter eine Fächerkombi wählen, die ihr später einen guten Studienplatz sichert.

In der Kürze der Zeit versucht die Regisseurin jedem ihrer Protagonisten genügend Raum zu bieten. Das ist lobenswert, funktioniert aber nicht immer. Mitunter wirkt die Reportage etwas gehetzt, die Beweggründe der drei Schüler werden oft nur grob umrissen – für 30 Minuten Sendezeit gibt es einfach zu viel zu erzählen. Nichtsdestoweniger erhält der Zuschauer einen spannenden Einblick in die englische Schulbildung und die Sorgen, Ängste und Träume von Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsenwerden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst