Im ZDF-Zweiteiler "Der Mordanschlag" spielt Maximilian Brückner den leitenden BKA-Ermittler Andreas Kawert. Ein Gespräch über Loser, gute Drehbücher und die Theater-Liebe.

Warum muss man "Der Mordanschlag" gesehen haben?

Mir ist jedenfalls beim Lesen des Drehbuchs erst einmal die Kinnlade runtergegangen. Ich hatte über die damalige Zeit nur ein Halbwissen und war perplex, dass trotz unzähliger Bemühungen juristischer, detektivischer und wissenschaftlicher Art, die Tat aufzuklären, immer noch nicht geklärt werden konnte, wer wirklich hinter dem Attentat steht. Die Handlung ist fiktiv, doch orientiert sich dieser Film nah an den Ereignissen. Zudem ist der Polit-Thriller mit einem Wahnsinns-Cast großartig besetzt.

Ein historischer Stoff mit aktueller Relevanz?

Auch heute erleben wir ja zur Genüge, wie Ideologien die Menschen radikalisieren können, gar in den Terrorismus treiben. Und spannend ist zudem die Rolle des Staates. Inwieweit war der Staat damals involviert? Dass hierzu auch Dokumente verschwinden können, kennen wir – Stichwort NSU-Prozess – bis heute.

Was hat Sie an Ihrer Rolle des BKA- Ermittlers Kawert interessiert?

Dass ich diesem Typ bei seinem Scheitern zusehen darf. Ich fand die private Seite des Ermittlers interessant: das Problem, jeden Tag zur Arbeit gehen zu müssen und seine Ex-Frau samt neuem Freund am Arbeitsplatz anzutreffen. Das Drehbuch hat mir gefallen, da der Zuschauer letztlich ratlos zurückgelassen wird. Kawert ist eine Figur, die nicht aufgibt, der nichts gleichgültig ist. Er ist in letzter Konsequenz aber ein Loser, ohne dass es vordergründig so rüberkommt.

Haben Sie sich für diese Rolle besonders vorbereitet?

Generell bin ich ein Bauch-Schauspieler. Ich lese das Drehbuch. Das ist dann meine Realität, in die ich mich reinzufinden versuche. Die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten zu "Der Mordanschlag" waren für mich weniger die emotionalen Dinge, sondern, all die Informationen glaubwürdig zu transportieren.

Sie spielen schon seit 2002 am Münchner Volkstheater. Was macht den Reiz aus?

Durch die Dreharbeiten bin ich sehr viel unterwegs. Da genieße ich es, nicht auch noch von einem Theater zum nächsten reisen zu müssen.

Lieber Theater oder TV?

Lieber das Eine tun, ohne das Andere zu lassen. Das Theater ist meine Wurzel. Die ist mir wichtig, die will ich nicht verlieren. Aktuell spiele ich am Münchner Volkstheater den „Baumeister Solness“ von Henrik Ibsen. Und ich bin jedes Mal aufgeregt wie ein Stier vor der Arena.