Das fragile Band zwischen der temperamentvollen Französin Marina (Olga Kurylenko, "James Bond 007 - Ein Quantum Trost") und dem introvertierten Amerikaner Neil (Ben Affleck, "Argo") lässt sich in dem romantischen Drama "To the Wonder" (2012) nur schwer festigen. Ihre erste Trauung findet im Schnellverfahren im überfüllten, lärmenden Saal eines Standesamtes statt.

Beim zweiten Mal stehen Marina und Neil mit dem Priester in einer leeren Kirche. Eventuell sind diese Eheschließungen jedoch nur verstörende Mindgames. Denn der realistische Look des Films trügt. Eher poetisch lotet Regisseur Terrence Malick die verwirrten Gefühle dreier Menschen aus, die mühsam körperliche Anziehung in dauerhafte Bindung verwandeln wollen. Das Erste zeigt das ungewöhnliche Liebesdrama des Ausnahmeregisseurs als TV-Premiere zu später Stunde.

Neil und Marina stehen im Mittelpunkt. Bei einem Ausflug zu der Abtei von Mont Saint-Michel, in Frankreich für ihre Wunder bekannt, haben sie sich ineinander verliebt. Marina zieht daraufhin mit ihrer kleinen Tochter Tatiana (Tatiana Chiline) von Paris nach Oklahoma, wo Neil für die Umweltbehörde Verschmutzungen infolge der Erdölförderung untersucht. Stürmische Leidenschaft weicht bald Irritation und Entfremdung. Erst recht, als Neil eine Jugendfreundin, die attraktive Rancherin Jane (Rachel McAdams, "Spotlight"), wiedertrifft.

Der hier hünenhaft und fast griesgrämig auftretende Ben Affleck dient vermutlich als Alter Ego des Regisseurs. Denn offenkundig arbeitet Terrence Malick in "To the Wonder" seine kompliziert verlaufene Beziehung zu einer Französin auf. Zumal Malick dabei keine rühmliche Figur gemacht haben soll, dürfte die bisweilen mit einer Ode verglichene, edle Form des Films auch Schutzpanzer sein.

Malick-Fans hingegen werden lieber von einer Weiterentwicklung seiner Kunst sprechen. Zwischen romanischem Sakralbau und auf der Prärie weidenden Büffeln entspinnt sich ein assoziatives visuelles Gedicht, immer mit den Akteuren im Fokus und unterlegt von ihren hypnotisierenden Stimmen. Nach dem vergleichsweise geradlinigen "Goldene Palme"-Gewinner "The Tree of Life" huldigt dieses Werk ungehemmt dem Ausdruck reiner Empfindung. Mag sein, dass das kitschig bis nervig ist und Malick sich nicht ehrlich seinen privaten Verfehlungen stellt – "To The Wonder" beeindruckt dennoch als kühnes Stück Erzählkino.

Nachdem der Regie-Poet in den ersten 32 Jahren seines Schaffens lediglich vier Filme inszenierte (unter anderem "Der schmale Grat"), hat er seit 2011 nunmehr fünf Werke veröffentlicht, darunter auch eine Dokumentation. Mit "Radegund" soll demnächst sein zehnter Film Premiere feiern. Das Biopic dreht sich um den österreichischen Bauern Franz Jägerstätter (August Diehl), der zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigerte. Ein konkreter Starttermin ist noch nicht bekannt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst