Mads und Andi Schwartz sind ungleiche Brüder, die seit einiger Zeit verfeindet sind. Doch der Fall eines ziemlich ekligen Kinder- und Frauenarztes schweißt sie auf erstaunliche Weise zusammen.

"Willkommen in einer Welt, wo Gut und Böse so klar voneinander zu unterscheiden sind wie Milch und Kakao im Schokopudding": Derart hochtönend kündigen die Autorenproduzenten Alexander Adolph ("Tatort", "München Mord") und Eva Wehrum ihre neue Samstagskrimi-Reihe an. "Schwartz & Schwartz" heißt die, was wie ein Firmenname klingt und nach einer Gebrauchsserie, die nicht mehr will, als sie verspricht – eben Unterhaltung. Die Ouvertüre bietet jedoch mehr als gedacht. Man muss da schon aufpassen, dass man sich keine blutige Nase holt. Es gibt alles, was der Zuschauer aus amerikanischen Serien kennt: Witz, Spannung, Doppelbödigkeit und Action. Wo sich sonst die Premieren einer Reihe mit der Etablierung ihrer Figuren quälen, macht diese daraus ein autonomes Ereignis. Wer ist wer, und warum ist er so, wie er ist? Das ist richtig stark erzählt.

Milch und Kakao, das sind hier Realismus und Skurrilität. Tatsächlich mal kein Wort zu viel, eine unauffällig gleitende Kamera, schneller Schnitt und eine wohltuend zurückhaltend wummernde Begleitmusik. Matthias Schwartz (Golo Euler), genannt Mads (ein bisschen Schwedisch), ist fleißiger Beamter beim Kriminaldauerdienst. Emsig diktiert er Todesfälle ins Mikro, vom Mord bis zum Herzinfarkt, als ihn unverhofft der Ruf in die Mordkommission ereilt. Da steckt er schon mittendrin in den Ermittlungen zum Tod einer Arztfrau, die bei ihrer Geburtstagsparty zu Tode sinkt. Auf eine Beziehungstat tippt etwas voreilig unser Anfänger in seinem ersten Fall. Ziemlich mutig – die bei der Feier anwesenden Ärzte tippen auf einen rein zufälligen allergischen Schock. Warum bloß hatte dann aber der Hausherr just beim Ersticken der Gattin die The Communards-Nummer "Don't Leave Me This Way" aufgelegt?

Am Krankenbett ihres Vaters, der glaubt bald ableben zu müssen, treffen dann die ungleichen Brüder Mads und Andi (Devid Striesow) zusammen. Der ganze Kerl eine Inkarnation der Doppelbödigkeit, ein Undurchschaubarer in guten Diensten, ein Falschspieler und Meisterdieb, der wie einst "der Mann, der durch die Wände ging" trickreich ist und alles mithören und ausspionieren kann. Fies schleicht er sich in das Haus seines eben zum Kommissar aufgestiegenen Bruders ein, um dessen Kenntnisse im Fall des verdächtigen Arztes aufzusaugen und sein eigenes Spürnasen-Süppchen daraus zu kochen.

Devid Striesow ist in diesem Film die Wucht. Er darf dem Affen Zucker geben. Auf Kleider habe er zuweilen schon gemacht, merkt der bettlägerige Vater an, er selbst schlägt dem überheftig umarmten, weil lange gemiedenen Bruder allen Ernstes vor, den Vater mit thailändischen Prostituierten zu versorgen. Mit Kindern kann er (mal Kindergärtner gewesen!), mit Frauen sowieso. Mit israelischen Gerichten schleicht er sich in die Familienküche ein. Ein Leichtes ist es für ihn denn auch, Freund des halbwüchsigen Arztsohnes zu werden, den er schnell als Köder am Wickel hat. Sehr bald verrät ihm das Früchtchen viel über den Vater, den Ulrich Noethen als wahren Ausbund des Bösen spielt. Ein drogenabhängiges Bürschen, das der Arztvater zu seinem Hündchen abgerichtet hat – fast wäre dieser Umstand Andi (Striesow) beim Showdown noch zum Verhängnis geraten.

Zwei Frauen schlagen dann auch noch alles, was sonst so bei TV-Mordkommissionen fleucht und kreucht: Brigitte Hobmeier als Mads' Konkurrentin, von der man meinen möchte, dass sie – weil ihrerseits nicht befördert – den guten Mads gleich aufessen werde, und Lisa Martinek als schwäbelnde Chefin Petra Steimle, die Mads böse auflaufen lässt. Ihr schwäbischer Akzent ist allerdings dazu angetan, beim Zuschauer regionalen Rassismus zu befördern.

Schwer vorstellbar, dass nach diesem ersten Fall, dessen Lösung durchaus aus Zeitungsschlagzeilen stammen könnte, nun alles im gewohnten Seriengang weitergeht. Dazu ist diese surreale Kakao-Milch-Mischung dann doch zu stark. Aber wer weiß – soeben wurde vermeldet, dass die zweite Ausgabe schon in der Mache ist – eine Berliner Baupraktikantin fällt dann vom Gerüst. Lassen wir uns überraschen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst