Etwas wortkarg und eigenbrötlerisch ist er auf den ersten Blick, aber dann erkennt man sofort: Der Mann trägt das Herz am rechten Fleck. Diese Beschreibung trifft nicht nur auf den specksteinschnitzenden Dorfsheriff Frank Koops in "Harter Brocken" (neue Fälle am Samstag, 25.11., und Montag, 25.12., im Ersten) zu, sondern auch auf seinen Darsteller Aljoscha Stadelmann.

Im Interview spricht der sympathische 43-jährigen Theatermann (seit 2009 ist er Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover) über seine Vorliebe für Western, seine Qualitäten als Naturbursche und Handwerker sowie seine Umzugspläne in die ostdeutsche Pampa.

prisma: Sie spielen in der Reihe "Harter Brocken" den Polizisten Frank Koops. Wie hart ist denn dieser Brocken?

Aljoscha Stadelmann: Ich würde eher sagen: weiche Schale, harter Kern. Aber nein, es war nicht meine innere Regieanweisung, einen harten Brocken zu spielen. Ein harter Brocken war für mich vielmehr, den Brocken zu bezwingen.

prisma: Den Brocken bezwingen?

Stadelmann: Ja, der Brocken ist der höchste Berg im Harz, und als passionierter Radfahrer bin ich ihn ein paarmal hochgefahren. Das ist dann auch so was wie ein harter Brocken. Man braucht etwa eine Stunde dafür und dann noch mal gefühlt eine weitere halbe bis man wieder einigermaßen atmen kann.

prisma: Sie haben Ihre innere Regieanweisung angesprochen. Wie lautete die denn genau?

Stadelmann: Ein guter Cowboy zu sein. Ich finde, dass die Filme wie Western sind. Dieses Kriterium war für mich das entscheidende.

prisma: Sind Sie ein alter John-Wayne-Fan, für den ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen ist, einen Western drehen zu dürfen?

Stadelmann: Nicht nur John Wayne, aber als Kind war ich schon ein großer Western-Fan. Das ist auch das, was ich an den "Harter Brocken"- Filmen mag: Die Geschichte funktioniert nicht darüber, dass die Menschen viel miteinander reden. Mit "Tach", "ja", "und?" hat sich die verbale Kommunikation oft schon erledigt. Diese entspannte wortkarge Grundhaltung entspricht mir. Wobei damit hat es sich mit der Entspanntheit schon.

prisma: Wilde Schießereien, nervenaufreibende Verfolgungsjagden und ein spektakulärer Showdown – vor allem im neuen Film "Die Kronzeugin" geht es ziemlich hoch her ...

Stadelmann: Ja, es ist eine interessante Mischung aus realistischen Elementen mit glaubhaften Charakteren, die einem tatsächlich überall im Harz über den Weg laufen könnten, und spannungsgeladener Fiktion. Ein richtiger Western eben.

prisma: Mit dem Harz verbindet man ja gemeinhin vor allem Berge und Wälder – wie viel Naturbursche steckt in Ihnen?

Stadelmann: Ich bin jetzt nicht der Super-Bergtyp. Ich wandere zum Beispiel überhaupt nicht gern, ich fahre lieber Fahrrad, immer und überall, natürlich auch in den Bergen. Was mir entgegenkommt, ist die Rauheit der Region. Wobei die Liebe jetzt nicht so weit geht, dass ich dort Urlaub machen würde.

prisma: Wo verbringen Sie den lieber?

Stadelmann: Ich war nie der Fernreise-Typ. Wobei es mich manchmal schon reizen würde, weiter weg zu fahren, aber dann habe ich jedesmal das Gefühl, dass es hier so viel gibt, was ich noch nicht gesehen habe. Als ich ein Kind war, waren wir öfter auf Sardinien, und in die Bretagne möchte ich auch gern mal wieder. Aber letztlich ist es mir am wichtigsten, dass ich irgendwo bin, wo ich viel draußen sein kann – Fahrrad fahren, gut essen und trinken! Das finde ich eine gute Kombination.

prisma: Der von Ihnen dargestellte Dorfsheriff ist jemand, der sich nur ungern aus seinem gewohnten Umfeld rausbewegt. Können Sie dieser Nestverbundenheit etwas abgewinnen?

Stadelmann: Naja, ich hatte nie diesen einen Ort, den ich Heimat hätte nennen können. Wir sind in meiner Kindheit viel umgezogen. Für mich war Heimat immer dort, wo meine Eltern sind. Lange Zeit habe ich gedacht, ich wäre ein absoluter Großstadtmensch. Jetzt merke ich langsam, dass ich dem Landleben doch einiges abgewinnen kann. Was nicht verkehrt ist, weil ich in Kürze mit meiner Familie nach Mecklenburg-Vorpommern ziehen werde, um dort so einen Ort zu schaffen, der dann Heimat werden kann.

prisma: Wie kam es dazu?

Stadelmann: Vor zwei Jahren haben wir mit Freunden Urlaub in einem Schloss in Frankreich gemacht, insgesamt waren wir zwölf Parteien. Weil es uns allen so gut gefallen hat, haben wir uns überlegt, dass wir dauerhaft einen gemeinsamen Ort schaffen möchten. So kam das ganze ins Rollen, in Mecklenburg-Vorpommern haben wir schließlich den richtigen Platz für unser Vorhaben gefunden. Allerdings sind wir jetzt erst mal zu viert. Wir machen den Anfang und werden den Ort wieder neu beleben.

prisma: Wie kann man sich das konkret vorstellen?

Stadelmann: Es ist ein großes Anwesen mit vielen Häusern, einem riesigen Garten und einem kleinen Theater. Einige von uns werden permanent dort leben und Besucher und Urlaubsgäste empfangen, die dort zum Beispiel künstlerisch tätig werden wollen. Ab Januar gehört es uns, und ab März werden wir die ersten Testballons steigen lassen und monatlich eine Veranstaltung realisieren.

prisma: So ein Projekt klingt nach ziemlicher Knochenarbeit, werden Sie selbst den Hammer schwingen?

Stadelmann: Den Hammer vielleicht schon, die Feile eher nicht. Ich bin handwerklich nicht so die Wucht. Dafür koche ich sehr gern und auch gut.


Quelle: teleschau – der Mediendienst