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Doku über Billie Eilish zeigt ihren Aufstieg zum Weltstar als 17-Jährige

von Christopher Schmitt

Den Aufstieg zum Megastar mitzuerleben, ist etwas Besonderes. Eine neue Doku über Billie Eilish, damals 17 Jahre alt, liefert Nahaufnahmen eines komplexen Charakters voller Selbstzweifel.

Die oft düsteren Lieder, die rund um die Welt in den Charts an die Spitze schießen und denen nicht zuletzt nachgesagt wird, sie würden das Lebensgefühl einer ganzen Generation spiegeln, entstehen im Schlafzimmer des Bruders. In ihrem Elternhaus in Los Angeles, dort, wo sie laufen und singen lernte, nimmt Billie Eilish mit ihrem Bruder, dem Schauspieler und Musiker Finneas O'Connell, das Album "When We All Fall Asleep, Where Do We Go?" auf, in das Plattenfirma und Fans riesige Erwartungen stecken. Doch die höchsten Ansprüche an sich hat die damals 17-Jährige kurz vor dem Sprung zum Weltstar immer noch selbst, wie die Dokumentation "Billie Eilish: The World's A Little Blurry" (ab Freitag, 26. Februar auf Apple TV+ abrufbar) zeigt, die den Schaffensprozess zum Album begleitet. Am Ende erhält sie so viele Grammy-Awards, dass sie sie kaum tragen kann.

Der Film vom renommierten Regisseur R.J. Cutler zeigt einen jungen Menschen mit zerbrechlicher Psyche, auf den das Starleben mit all seinen Hochs und Tiefs einprasselt. Als Schutzzone für die junge Billie dienen die eigenen vier Wände, von denen die Doku immer wieder auf ihre energetischen Konzerte schneidet, die sie teilweise bis nach Mailand und Paris führen. Zu Hause kritzelt sie Songtexte in ihr Tagebuch, in dem auch Zeichnungen von Penissen und Vaginen zu finden sind. Man hat es zum Zeitpunkt der Aufnahmen nun mal mit einem verletzlichen Teenager zu tun. Allerdings einem, dem junge Menschen weltweit zu Füßen liegen – die Großes von ihm erwarten.

Doch wenn Billie Eilish bei einem Konzert in Richtung des Publikums "Das ist so seltsam Leute, ich weiß nicht, warum ihr mich mögt" sagt, kauft man ihr das voll und ganz ab. Die junge Frau mit dem stilprägenden weiten Kleidungsstil zeigt in der Doku neben ihrem musikalischen Schaffen ganz offen ihre komplizierte Gefühlswelt, hat Erfahrungen mit Depressionen und mit Ticks zu kämpfen. Insbesondere, wenn die Deadline zur Album-Abgabe näher rückt, wird sie von Selbstzweifeln geplagt. Auf die Frage, warum sie keine glücklichere Musik mache, fällt die Antwort drastisch aus. "Ich fühle mich nie glücklich. Warum sollte ich über Dinge schreiben, die ich nicht kenne?"

Billie Eilish weiß, was sie will

Dabei hasst sie es nach eigener Aussage ohnehin, Songs zu schreiben. Ihr Bruder sei so viel besser darin, gibt sie freimütig zu. Generell wirkt der Film, der Telefongespräche mit Eilishs Freund ebenso enthält wie Konversationen mit Justin Bieber, als hätte er einen echten Zugang zu dieser vielschichtigen Person gefunden. Obwohl sie häufig an sich zweifelt, weiß die aufstrebende Sängerin ganz genau, was sie will. Wenn sie in einem Musikvideo schwarze Tränen weinen möchte, weint sie schwarze Tränen. Und wenn ihr nicht gefällt, wie der zuständige Regisseur in ihre Idee reinredet, will sie beim nächsten Video eben selbst Regie führen.

Fast schon tragisch mutet es an, wenn Billie nach einem kräftezehrenden Konzert noch in einen Raum mit vermeintlich wichtigen Leuten gezerrt wird. Missmutig lässt sie auch das 50. Foto mit gequältem Lächeln über sich ergehen. Hier wird ein weiteres Dilemma offenbar: Eilish beschwert sich gegenüber ihrer Mutter über die unangenehme Verpflichtung und dass ihr nicht mal ein Moment der Ruhe gegönnt wird. Andererseits scheint es für sie eine furchtbare Vorstellung zu sein, Leute könnten ein schlechtes Bild von ihr haben. "Ich muss lächeln, und wenn ich es nicht tue, denken sie, ich bin furchtbar", sagt Eilish mit traurigem Blick.

Von ihren Fans möchte sie ebenso geliebt werden wie von ihren Freunden vermisst, wenn sie durch Europa tingelt. Das Bedürfnis, es ihnen recht zu machen, treibt beinahe absurde Blüten. Bei einem Festival in Mailand stürzt sie bereits nach wenigen Sekunden auf der Bühne und kann mit der Verletzung an ihrem ohnehin extrem lädierten Bein nicht mehr laufen. Mit Tränen in den Augen verlässt sie die Bühne – um sich kurz darauf zurücktragen zu lassen. Wenn der Applaus aufbrandet, wirkt sie tatsächlich glücklich.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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