Nachdem der Direktor eines Elite-Internats bei lebendigem Leibe verbrannt ist, wird der blinde Ex-Kommissar Haller dort eingeschleust, um zu ermitteln.

In der dritten Folge des Donnerstagskrimis "Blind ermittelt", einer Koproduktion von ARD und ORF, kommen die Hauptdarsteller endlich so richtig in die Gänge. Die umständlichen Erklärungen sind weg, das Buddy-Movie gewinnt an Selbstverständlichkeit. Philipp Hochmair muss als blinder Privatermittler (und Ex-Kommissar) Alexander Haller nicht mehr zeigen, dass er's kann: sich die Welt zu ertasten und Zusammenhänge dort aufzudecken, wo das Augenlicht sowieso keine finale Hilfe wäre.

Der Fall ist allerdings recht komfortabel auf ihn zugeschnitten: Haller wird undercover von seiner ehemaligen Vorgesetzten als Musiklehrer in ein Elite-Internat eingeschleust, in dem der Herr Direktor in seinem Bett liegend in Flammen aufgegangen ist. Noch nicht einmal ein Sprung aus dem Fenster konnte ihn retten – und schon gar nicht der Feuermelder, der Hausmeister und Feuerwehr informierte, ansonsten aber alles unter Wasser setzte.

Haller muss, besser: darf sich das neugotische Schulgebäude mit all seinen Räumen und Gängen ertasten, ein Hogwarts-Spukschloss, das keinen Zweifel daran lässt, dass der oder die Täterin – von der Lehrkörperschaft bis zu den üblichen Smartphone-Erpressern unter den Schülern – darin zu finden ist. Ein offensichtlich aus dem Chemieraum entwendeter Brandbeschleuniger liefert zusätzliche Hinweise, er führt Haller aber auch in mancherlei Sackgassen der Recherche.

Ärgerlich ist nach wie vor Hallers Familienzusammenhang – er wohnt feudal im familieneigenen Wiener Hotel. Die Schwester, die als Hoteldirektorin fungiert, wurde in der vorherigen Folge umständlich entführt. Dass er aber nach einem Anschlag, bei dem er nicht nur erblindete, sondern auch die Lebensgefährtin verlor, zum Eigenbrötler wurde, macht ihn inzwischen zur starken Figur. Die Liebesgeschichte zwischen Haller und einer Lehrerin, die den Erblindeten durch die Internatsräume führt, wird zu einem Melodram, das den etwas steifen Krimiplot weit hinter sich lässt. Es ist ein Blind Date der besonderen Art. Vorsichtige Berührungen und dazu die Stimme der Schauspielerin Aenne Schwarz als Lehrerin Lotta, die Haller erzittern lässt.

Nicht, dass auch im Gesamtmilieu des Upperclass-Internats manches an Suspense zu holen gewesen wäre. Ein Nährboden für allerlei Erpressungsgelüste, was die Prüfungsaufgaben kurz vor der Matura (Abitur) anbetrifft. Besonders hat die Familie des Hausmeisters (Sascha Alexander Geršak) unter den Umständen zu leiden, hatte sich doch dessen Frau mit dem nunmehr toten Schuldirektor intim eingelassen. Max (Enzo Gaier), der Sohn in einer schwierigen Ehe, erfuhr es spät. Er hat dann das letzte, versöhnende Wort in einem Krimi, der von seinen melodramatischen Momenten lebt. Wobei man sich sowieso einmal mehr fragen muss, warum inzwischen jeder Stoff auf Teufel komm raus zum Serienkrimi gewendet werden muss.

Blind ermittelt – Der Feuerteufel von Wien – Do. 05.03. – ARD: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH