Mit Salma Hayek und Owen Wilson

Neuer Amazon-Film "Bliss": "Matrix" für Doofe

von Sven Hauberg

Warum tun sich Salma Hayek und Owen Wilson das an, muss man sich bei "Bliss" fragen. Der Amazon-Film entwirft eine Dystopie, in der hinter unserer Wirklichkeit eine andere Wahrheit lauert, wird seinen eigenen Ansprüchen aber nicht ansatzweise gerecht.

Owen Wilson und Salma Hayek sind seit Jahrzehnten im Geschäft. Die beiden Schauspieler dürften also einiges an Vermögen angehäuft haben in all den Jahren vor der Kamera; Hayek ist noch dazu mit einem millionenschweren Geschäftsmann verheiratet. Es schadet nichts, sich all das noch einmal in Erinnerung zu rufen, bevor man sich bei Amazon Prime Video den Film "Bliss" (ab 5. Februar) ansieht. Die Vermutung, die beiden Schauspieler hätten in dem Werk von Mike Cahill nur deshalb mitgespielt, weil sie knapp bei Kasse waren – sie stimmt also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Nur: Was war es dann, dass Hayek und Wilson dazu bewogen hat, hier mitzumachen? Denn "Bliss" ist, um es vorwegzunehmen, ein ziemlicher Murks und einer der wohl peinlichsten Einträge in der Filmografie der beiden Hollywood-Veteranen.

Wilson spielt Greg, einen geschiedenen Büroangestellten, der lieber Bilder von seinem Traumhaus zeichnet, als zu arbeiten. Und weil sein Chef das längst mitbekommen hat (und weil "Bliss" ein US-Film) ist, wirft er ihn ohne Kündigungsfrist aus seinem Unternehmen. Vorher verkündet er noch, für Greg beginne nun ein neues Leben. Greg freilich sieht das ein wenig anders, legt sich mit seinem Chef an, schubst ihn – worauf dieser gegen die Tischkante knallt und tot auf einem dieser hässlichen Büroteppiche liegenbleibt. Greg zögert nicht lange, versteckt die Leiche hinterm Vorhang, macht sich aus dem Staub und landet in einer Bar, direkt gegenüber seinem Büros.

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Auftritt Salma Hayek: Mit Lidstrich und verfilzten Haaren sitzt sie wie die Karikatur einer Zigeunerkönigin in dem düsteren Schuppen, ruft Greg zu sich und verkündet ihm, er sei, anders als die anderen Barbesucher, "real". Und dann wird's absurd. Isabel, so heißt Hayeks Rolle, verfügt offenbar über die Fähigkeit, die Realität zu verändern. Erst lässt sie einen Kellner stolpern, sodass Gläser krachend zu Boden fallen; dann purzelt auf einmal die Leiche von Gregs Chef aus dem Fenster, und aus Totschlag wird Selbstmord. Noch einmal davongekommen, denkt sich Greg.

Blaue Kristalle in der Nase

"Bliss", das merkt man nun, will so etwas wie "Matrix" sein – ein Film, der mit der Annahme spielt, unsere Realität sei gar nicht real. Statt blauer und roter Pille gibt's hier gelbe und blaue Kristalle, die man sich in die Nase stopft, und schon kann man hin und her wechseln zwischen der eigentlichen Welt und jener Fälschung, in der wir alle leben. Nur leider ist "Bliss" nicht "Matrix", und so ist in diesem Film alles nur pure Behauptung, der doppelte Boden nur Vorwand für billige Action, pseudophilosophisches Gequassel und schlechtes Schauspiel.

Greg jedenfalls trottet ab sofort Isabel hinterher, übernachtet mit ihr auf der Straße und wird schließlich in die Geheimnisse des menschlichen Daseins eingeweiht. Weil Isabel dabei meist ein bisschen so klingt wie all die Verschwörungsspinner, die bei YouTube Videos über Echsenmenschen hochladen, darf er sich zusammen mit ihr blaue Kristalle in die Nase stecken. Und erkennt: Isabel hat recht. Die Wirklichkeit sieht aus wie ein Werbespot für Urlaubsreisen, in dem freundliche Menschen in mediterraner Kulisse Südfrüchte in sich hineinstopfen. Grau und trist ist hingegen nur die Fiktion, in der wir alle leben müssen.

Leider will "Bliss" auch noch ein sozialkritischer Film sein, und so stellt Regisseur und Drehbuchautor Cahill ("I Origins") sein Heile-Welt-Szenario einer kalten Wirklichkeit gegenüber, in der Ungleichheit herrscht und jeder für sich alleine ums Überleben kämpft. Ein interessanter Ansatz, keine Frage. Umgesetzt ist das alles aber dermaßen abstrus, dass man sich irgendwann fragt, ob diese Machwerk eigentlich real ist. Oder ob da nicht irgendwo, wenn man ein paar blaue Kristalle schnupft, der wahre, viel bessere Film auf einen wartet. Alles wirkt hier wie konstruiert, und in jeder Szene schreit der Film aus voller Kehle, wie intelligent er doch ist. Nur: Man nimmt es ihm einfach nicht ab.

Gedreht wurden jene Szenen, die in der besseren Welt spielen, übrigens in Kroatien. Und so hat "Bliss" dann doch etwas Gutes an sich: die Gewissheit, dass das Paradies, zumindest aus deutscher Sicht, gleich um die Ecke liegt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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