Auf nach Bozen – neunter Fall für die Kommissare Sonja Schwarz und Matteo Zanchetti . Das Kind eines Ex-Sportlers wird entführt – und viele geraten in Tatverdacht: dessen Kinder aus erster Ehe, die sich zurückgesetzt fühlten, die "Dottoressa" Santoro, aber auch der Ex-Sportler selbst.

Wie würde der Zweikampf weitergehen zwischen den wackeren Bozener Kommissaren Matteo Zanchetti und Sonja Schwarz (Tobias Oertel, Chiara Schoras) und der dubiosen Mafia-Dame Giulia Santoro, die sämtliche Fäden zieht, dabei aber immer wieder auf geheime höhere Anweisungen verweist? Noch immer ist ein finsterer Handlanger hinter Matteo her, und noch immer muss die Jungpolizistin Sofia (Sinja Dieks) den Mafia-Maulwurf für Matteo machen. Dabei ist sie doch so schwer in den braven Kollegen Jonas (Gabriel Raab) verliebt, der ob der Tragik des Polizeialltags gerne den Dienst quittieren möchte. – Der neunte Bozen-Krimi, "Gegen die Zeit", hält mit der vorherigen Folge kaum Schritt. So spielt etwa die finstere Staatsanwältin Santoro (Susanna Simon) hier nur eine beigeordnete Rolle. Die Story: Das kranke Kind eines Ex-Sportstars wird entführt – bei fehlenden Medikamenten könnte das nach spätestens fünf Tagen tödlich sein.

So beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, der allerdings einem beschwerlichen Dolomitenlauf gleicht. Die Dolomitentürme spielen – teils echt, teils digital – wieder mit. Eine Hauptrolle bekommt diesmal aber die mächtige Trutzburg Taufers im Ahrntal mit ihrem dämonischen Erscheinungsbild, das einst als Vorbild für Polanskis "Tanz der Vampire" diente. Im Bozen-Krimi haust dort jetzt der Ex-Sportstar Martin Born (Tim Bergmann), der aus der Trutzburg ein Sportzentrum machen will. Doch Borns neue Sportfirma ist so klamm wie es Burggemächer im Winter sind, weshalb der Verdacht einer Lösegelderpressung sehr bald auf Born selbst fällt.

Aber auch Borns Kinder aus erster Ehe, die nicht gut auf den Vater und dessen neue Frau zu sprechen sind, geraten in Verdacht, die kleine Stiefschwester aus Drogen- und Geldmangel entführt zu haben. Äußerungen in dieser Richtung hatte sie jedenfalls in der Vergangenheit immer wieder getätigt. Dass aber auch die Anwältin Santoro ihre Finger im Spiel haben könnte, braucht nicht eigens erwähnt zu werden. Wozu sonst wäre "die Dottoressa" denn da.

Bei aller Mühsal löst sich der Entführungsfall fast wie von selber auf, Gefährlichkeit wird erst gegen Ende hin wieder suggeriert, wenn die Santoro auf Matteos Hemd ein blutiges "V" für Vendetta, also Blutrache, zeichnet. Doch da ist der erwartete spannende Zweikampf in den Bergen längst verspielt.

Die noch folgenden Teile zehn und elf wurden in diesem Sommer unter der Regie von Thorsten Näter bereits abgedreht, sie werden 2020 gesendet. Tobias Oertel, der seinen aufrechten Commissario immer mit einem verschmitzten Lächeln versah, hat inzwischen bereits sein Ausscheiden verkündet. Für die Donnerstagsreihe selbst, die in ihren Erklärungen und sperrigen Dialogen einer Langzeitserie immer ähnlicher wurde, könnte Gleiches zu erwarten sein.


Quelle: teleschau – der Mediendienst