In der Regel zeigen sich die Investoren in "Die Höhle der Löwen" recht handzahm. Doch der ein oder andere Pitch kann für die Gründer richtig unangenehm werden. Diese Erfahrung mussten nun auch die Verantwortlichen von "SIRPLUS" machen.

Raphael Fellmer und Martin Schott, die an der Spitze des Start-ups stehen, sind zu einer großen Mission angetreten. Sie wollen die Welt verbessern. Ihr Unternehmen "SIRPLUS" vertreibt Lebensmittel, deren Mindeshaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, die aber immer noch verwertbar sind. "Die Zahlen der Lebensmittelverschwendung sind ernüchternd. 50 Prozent aller Lebensmittel in Deutschland werden verschwendet", erklärt Martin Schott den Investoren in der VOX-Gründershow "Die Höhle der Löwen". So weit, so gut. Bis die beiden ihren Investmentwunsch kommunizieren: 700.000 Euro für sechs Prozent der Firmenanteile wollen sie haben.

Da sind die "Löwen" baff. Wo kommt denn die hohe Firmenbewertung her? Das Unternehmen sei schon sehr bekannt, man erwarte einen Gewinn von 26 Millionen Euro, erklärt Raphael Fellmer. Doch als Überzeugungsarbeit taugt das nicht. "Ihr kauft billig Lebensmittel ein und verkauft sie teuer weiter. Ihr macht ein normales kaufmännisches Geschäft und tretet hier an wie die Moralapostel, die die Welt retten wollen", echauffiert sich Georg Kofler. "Und ihr kommt mit einer Bewertung daher, die euch als obergierige Kapitalisten erscheinen lässt."

Kofler hängt sich noch an einem anderen Teil der Präsentation auf.  Raphael Fellmer hatte berichtet, dass er über fünf Jahre lang in einen Geldstreik getreten war. In der Zeit habe er weder Geld angenommen noch ausgegeben. Kofler hakt nach und findet heraus, dass der Gründer in der Zeit Kindergeld bezogen und davon die Krankenversicherung bezahlt hat. "Dann tun Sie doch nicht in Ihrer moralisierenden Attitüde so, als wären Sie ein besserer Mensch." Die Bewertung sei absurd, die Gründer unglaubwürdig, so Kofler. Und duzen lassen möchte er sich von den Gründern schon gar nicht. "Unter Multi-Millionären ist man eine Weile per Sie", stichelt Kofler.

Vom Geldstreik zu einem Gewinn von 26 Millionen Gewinn – auch für Carsten Maschmeyer ist das ein Widerspruch. Nils Glagau wittert einen Auftritt zu PR-Zwecken: "Wenn man mit so einer Bewertung hier reinkommt, heißt das für mich, ihr habt kein großes Interesse an einem Deal", sagt der neue Investor in der "Höhle der Löwen". 

"Sie brauchen doch gar keinen Investor", meint Dagmar Wöhrl angesichts des prognostizierten Gewinns. Die Gründer kontern mit ihrer großen Vision. "Uns beiden und unserem Team geht es nicht um Geld. Es geht uns darum, die Welt nachhaltig zu verändern – mit Geld." Doch Wöhrl fehlt die Ehrlichkeit bei den Gründern. Die beiden hätten von Anfang an sagen sollen, dass sie mit ihrer Idee auch Geld verdienen, sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollen. Kein Investor hat Lust auf einen Deal. "Diese Heuchelei geht mir so gegen den Strich", schimpft Kofler.

Nach der harten Kritik zeigen sich die Gründer zerknirscht. "Das mit dem Gewinn ... Wir dachten, das sind Investoren. Die wollen halt auch Zahlen sehen. Sehen, dass dass wir nicht nur einen Sozialverein aufmachen, sondern dass sie davon auch was haben", erklärt Raphael Fellmer nach dem Pitch im Gespräch mit Moderator Amiaz Habtu. "Wir selber haben für uns entschieden, dass wir 80 Prozent von dem, was wir verdienen, wieder reinstecken in nachhaltige Projekte oder Vereine. Wir wollen uns dadurch nicht bereichern." Das hätten sie beim Pitch besser herausstellen müssen. "Wir haben die 'Löwen' falsch eingeschätzt", so der Gründer.