31.03.2020 Horrorfilm aus Spanien

Warum "Der Schacht" auf Netflix der Film der Stunde ist

von Antje Rehse

Der spanische Netflix-Film "El Hoyo" - auf Deutsch "Der Schacht" - ist eine düstere wie brutale Dystopie. Nicht gerade subtil formuliert der Horrorfilm  seine Gesellschaftskritik. In Zeiten der Corona-Krise trifft diese voll den Zeitgeist.

Goreng (Iván Massagué) erwacht auf einer Pritsche in einem Raum, der nur aus Beton zu bestehen scheint. Doch Goreng ist nicht allein. Sein Mitbewohner Trimagasi an diesem trostlosen Ort (Zorion Eguileor) führt ihn und den Zuschauer schnell in die Regeln des Schachts ein, in dem die beiden wie viele anderen Menschen eingesperrt sind. Es ist eine Art Gefängnis, manche (wie Goreng) sind aber auch freiwillig hier. Einmal am Tag schwebt von oben eine Plattform herunter, auf der sich Essen befindet. Auf jeder Etage macht sie kurz Halt, die Insassen müssen sich so schnell wie möglich bedienen, denn Essen aufzubewahren wird mit dem langsamen Hitze- oder Kältetod bestraft. Wer auf einer tiefen Ebene eingesperrt ist, hat Pech gehabt. Bis dahin reichen die Lebensmittel nicht. Nach einem Monat werden die Insassen auf eine andere Ebene gepackt. Niemand weiß vorher, wo er landen wird.

"Es gibt drei Arten von Leuten: die von oben; die von unten; die, die fallen", erklärt Trimagasi gleich zu Beginn. Und dann gibt es noch eine geheimnisvolle Asiatin, die nicht spricht, aber Tag für Tag auf der Plattform auf ein anderes Level fährt. Sie suche ihr verlorenes Kind, heißt es.

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Gemeinsam mit Hauptfigur Goreng erlebt der Zuschauer im Folgenden den ganzen Ekel. Widerliche Essensreste wie von einer Müllhalde, mehrmals bespuckt (oder Schlimmeres) von den Mitgliedern dieser egoistischen Kleinstgesellschaft, kompromissloser Überlebenskampf, Kannibalismus. Es ist ein düsteres Bild, das Regisseur Galder Gaztelu-Urrutia und die Drehbuchautoren David Desola und Pedro Rivero zeichnen. Für Zwischentöne ist kein Platz. Die Menschen im Schacht sind fast ausnahmslos verdorbene Egoisten, die nicht nur bloß an sich selbst denken, sondern auch noch mit Vorliebe ihre temporäre Machtposition ausnutzen, um das "Volk" unter ihnen zu quälen.

Goreng aber ist nicht so, will nicht so sein. Verzweifelt startet er den Versuch einer Solidaritätsbewegung. Denn wenn alle nur so viel essen, wie sie unbedingt zum Überleben brauchen, müssen die Menschen auf den unteren Ebenen nicht verhungern, glaubt er.

Die fehlenden Grautöne und einige Logikfehler trüben das Gesamtbild, dennoch fesselt der Film mit seiner simplifizierten Gesellschaftskritik von Anfang bis Ende. In der Corona-Krise scheinen Solidaritätsgedanke und Kapitalismuskritik, die der Film transportiert, perfekt in die Zeit zu passen. Seit einigen Tagen führt ihn Netflix in seinen internen Filmcharts auf Platz eins.

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