Detlef Soost, vielen bekannt als Fitness-Guru und Tanz-Choreograph, ist nun täglich in einer nach ihm benannten Talkshow auf RTL II zu sehen. In der Auftaktfolge am Montagnachmittag zeigte sich der Moderator kumpelhaft und führte durch eine Diskussion, die keine war.

Ob wir sie überhaupt vermisst haben, hat zwar keiner gefragt, aber nun ist es eben so: Die Nachmittags-Talkshow ist zurück. Und mit ihr Detlef Soost, der am Montag ganz im Stil von Arabella Kiesbauer, Bärbel Schäfer und Co. seine erste Moderation hinter sich brachte. Wer sich von "Detlef Soost" (immer werktags, 15 Uhr, bei RTL II) tatsächlich das Comeback des klassischen Privat-TV-Krawalltalks mit irrelevanten Alltagsbanalitäten und augenscheinlich gecasteten Gästen versprochen hat, wird die Premiere wohl als gelungen bezeichnen. Der Berliner Fitness-Guru Soost machte am massiven Talktisch, um den sich die Protagonisten gruppierten, jedenfalls eine überzeugende Figur. Ein locker-flockiger Fernsehkumpel, der den Laden im Griff hatte und sich nach der Devise "Ick muss det jetz' verstehen" für keine investigative Nachfrage zu schade war.

"Ich bin zu geil für diese Welt!", lautete das Motto der Auftaktsendung. Womit schon klar war, dass sogleich ein amtlicher Vollhorst auf den Plan treten würde, der sich selbst als Segen für den weiblichen Teil der Menschheit betrachtet. Der Vollhorst, ein junger Mann namens Salvatore, erfüllte die Erwartungshaltung exakt – allerdings war er fast ein bisschen zu lieb. Früher, bei Karalus order Kiesbauer, hätte so einer noch mehr auf den Putz gehauen – und natürlich ordentlich Zunder gekriegt.

"Drei Uhr auf Toilette!?"

"Oberchecker" Salvatores Flirtmasche: um 1 Uhr in der Disko den schönen Satz: "Drei Uhr auf Toilette!?" ins Ohr fremder Frauen zu raunen. Grrrrrrrrrrrrr! Läuft fast immer – behauptete er grinsend. Also wirklich, so einem kann man doch nicht böse sein. Im Ernst: Der Kerl kam nicht unsympathisch rüber, weil man merkte, dass er, zurückhaltend formuliert, nicht komplett hinter seinen Aussagen stand – was Fans der härteren Talk-Gangart natürlich ganz und gar nicht gefällt. Der Gastgeber jedenfalls schloss den 24-Jährigen, der ihm in Sachen Frisur recht nahekam, ins Herz: "Irgendwie mag ick dich, du könntest mein kleiner Bruder sein – ein bisschen", onkelte Soost über den großen Tisch.

Aber es muss in so einer Sendung ja Steigerungspotenzial auf der nach oben offenen Reizfigurenskala geben. Ring frei für den "Bergischen Hugh Hefner": Mit einer Goldkette, die jedem Motorrad zur Ehre gereicht hätte, trat Robert, 28, an den Tisch und sorgte für Staunen mit Aussagen über seinen Lifestyle. Kurzum: Glamour ist sein Leben. Und die anderen alle so: "Hä?" Salvatore, plötzlich nicht mehr der einzige notorische Frauenflachleger im Studio, fühlte sich besonders herausgefodert und gab dem It-Boy direkt Zunder: "Nimm mal die Kette ab. Und werd' mal zum Mann oder so was", ätzte er sein Gegenüber an. Dabei versicherte der arme reiche Robert, der in seiner Heimat schon mal ein Nacktshooting mit Micaela Schäfer auf dem Marktplatz veranstaltet hat, nicht nur einmal, dass er doch eigentlich auch nur ein netter Kerl ist. Fast ein bisschen geknickt war der Gute alsbald. Gut, dass sich prompt eine Nina aus dem Publikum zu Wort meldete, um es zu bestätigen: "Der Robert wird falsch verstanden." Lauter nette Kerle also?

Fast. Neben dem rappenden Leipziger Sizilianer Roberto, noch so einem selbsterklärten Macho, der eigentlich gar keiner ist und nach der beinahe revolutionären Devise "Ne Frau muss man natürlich mit Respekt behandeln" seiner Flirtberufung nachgeht, gehörten auch drei junge Damen zu den Gästen, von denen immerhin eine ganz zum Schluss noch mal so etwas wie Schwung in die Bude brachte: Von Rachel, einer Sexbombe von 22 Jahren, wollte Detlef Soost wissen, ob sie sich "auch zu geil" findet. Nö, "ich bin höher", antwortete sie: "Einfach zu perfekt!" Salvatore, der Agent Provocateur der Runde, sah dies etwas anders. "Zu viel dran!", ätzte er, während alle anderen im Studio ihren Spaß mit der Bäckereiverkäuferin mit der merkwürdigen Berufseinstellung ("Die Chefs sind toll. Nur die Kunden sind scheiße") hatten.

Kein Gebrülle, keine Tränen

In der ersten "Detlef Soost"-Folge fielen vor allem zwei Dinge auf: Das vorgegebene Thema war eher eine grobe Orientierung, im harmonischen Plauderton ging es um alles möglichen Nichtigkeiten. Und: Es wurde niemals wirklich diskutiert, geschweige denn gestritten. Kein Gebrülle, kein Gezicke, kein Gezeter, keine Tränen. Die Sendung verlief ausnehmend harmonisch und war inhaltlich flacher als ein Bauch nach sechs Monaten mit Detlef Soosts "Life Change"-Trainingsprogramm. Vielleicht auch deshalb, weil keiner der Gäste das Ganze so richtig ernst zu nehmen schien. Aber wenigstens, könnte man nun sagen, ist man hier noch halbwegs nett zueinander, und es wird keiner vorgeführt. Bisher. Heute, 15 Uhr, wird unter dem Titel "Fame – peinlich oder Karrierechance?" weitergemacht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst