Film in der ARD

"Die defekte Katze": Bis die Realität wieder zuschlägt

von Claudia Nitsche

Mit faszinierender Unaufdringlichkeit erzählt die aus dem Iran stammende Regisseurin Susan Gordanshekan, wie eine Beziehung auch sein kann. Eine im Iran arrangierte und in Deutschland gelebte Beziehung.

ARD
Die defekte Katze
Drama • 02.09.2020 • 00:35 Uhr

Dennoch ist der Film "Die defekte Katze" (2018), den das Erste nun zeigt, eine Geschichte über das Miteinander zweier Verheirateter, der Einblick in die andere Kultur bietet und doch normaler nicht sein könnte. Dies liegt nicht nur an der achtsamen Inszenierung, sondern an zwei starken Schauspielern: Pegah Ferydoni und Hadi Khanjanpour. Das Erste zeigt den Film nun erstmals im Free-TV.

Mina (Pegah Ferydoni, "Türkisch für Anfänger") ist eine moderne Frau und wirklich spät dran mit ihrem Gedanken, heiraten zu wollen. Kian (stark: Hadi Khanjanpour) hingegen findet in Deutschland keine Frau, mit der er sich eine Beziehung vorstellen kann. Er ist in Deutschland aufgewachsen, ist wohl das, was man einen modernen Mann nennt, der aber auch um seine Wurzeln weiß. Mina und Kian werden im traditionellen Sinn einander vorgestellt, heiraten, und vier Monate nach der Eheschließung zieht Mina zu ihm nach Deutschland.

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Minas nicht vorhandene Sprachkenntnisse bringen sie zunächst in eine gewisse Abhängigkeit von Kian, doch sowohl er als auch das Umfeld sind durchaus freundlich. Dennoch sitzt die intelligente Frau nun zu Hause, findet keine adäquate Arbeit und muss den Freunden im Iran vorgaukeln, dass hier alles ganz toll wäre.

Es ist unglaublich spannend, den beiden beim Kennenlernen zuzusehen. Sie nähern sich respektvoll an, sind bereit, ein gemeinsames Leben einzurichten und stoßen sofort auf gegensätzliche Meinungen. Wie soll es auch anders sein? Unaufgeregt wird jedoch alles ausgehandelt, und das Vertrauen wächst. Das ist die eine Seite.

Die andere ist die, dass Kian es nicht gutheißt, wenn seine Frau tanzen geht. Außerdem hat Mina eine Katze gekauft, ohne ihn zu fragen. Die Katze ist besonders hässlich, aber abgesehen davon kann er Katzen ohnehin nicht leiden. Das struppige Tier lebt alles aus, was Mina sich nicht erlauben kann, und wird zur Belastungsprobe der jungen Ehe. Mina hat zu viel Zeit, kämpft mit der fremden Umgebung und braucht Gesellschaft. Deshalb holt sie sich die Katze ins Haus, ein Tier mit Gendefekt. Das strubbelige Ding ist ihr Gefährte, mehr als Kian.

Der gewissenhafte und karriereorientierte Arzt verliert langsam die Geduld. Erfreulicherweise bedeutet das keinen Rückfall in inakzeptable Verhaltensweisen. Eigentlich leiden beide, wenn sie scheitern. Dieser Film zäumt eine Beziehung von der anderen Seite auf. All die Erwartungen, die Verliebte an eine Ehe stellen, existieren hier nicht. Ohne romantisches Gebaren nähern sich zwei Fremde respektvoll an.

Leider gibt es in jeder Kultur Stolperfallen, und alle Beziehungen stehen irgendwann vor ähnlichen Herausforderungen, egal, wie sie entstanden sind. Regisseurin Susan Gordanshekan ist Tochter iranischer Eltern, aber in Kassel geboren. Ihre tolle Geschichte zweier Menschen lebt von den universellen Dialogen und der unwiderstehlichen Pegah Ferydoni. Mit ihren großen dunklen Augen starrt die bekannte Schauspielerin aus Teheran auf all das, was zwischen ihr und ihrem Mann steht.

Man spürt, dass die Regisseurin weiß, wovon sie erzählt. Ihr bestens besetztes Drama ist von exzellenter Klarheit. Sie fängt kleine Momente ein, zeigt, wie Vertrauen wächst, und manchmal meint man, dass sich eine Lovestory entwickelt – bis die Realität wieder zuschlägt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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