Fahrverbote, Wertverluste, Zukunftssorgen – der Dieselskandal hat das Vertrauen der Bevölkerung in etablierte Autokonzerne erschüttert. Eine neue ZDFinfo-Doku analysiert die gegenwärtige Situation.

Der Dieselskandal hat tiefe Spuren in Deutschland hinterlassen: Die Bevölkerung fühlt sich von den Autoherstellern betrogen, von "Schummelsoftware" und "Verarscherei" ist die Rede. Zudem herrscht eine weitere, neue Form von Verunsicherung aufgrund der allgegenwärtigen Diskussionen um die Einhaltung der EU-Grenzwerte. Gehört nun jeder Diesel auf den Schrottplatz? Ist "der kleine Mann" mal wieder zum Spielball der Mächtigen geworden, das Opfer einer unmoralischen Allianz von Autoindustrie und Politik? Michael Freund und Richard Rüb wollen Licht ins Schadstoff-Dunkel bringen und setzen sich in ihrer 45-minütigen Dokumentation "Ausgedieselt – Autofahrer zahlen die Zeche" in ZDFinfo (Donnerstag, 4. Juli, 20.15 Uhr) mit den aktuellen Fragen rund ums Thema Diesel auseinander.

"Abwrackwahnsinn, Fahrverbote, Schummeltechnik – was ist los in Auto-Deutschland?", heißt es gleich zu Beginn der aufschlussreichen Dokumentation, die den Auftakt zu einer ganzen Reihe von brisanten Doku-Beiträgen zu unterschiedlichsten Themen im Sommerprogramm von ZDFinfo markiert. Dass den beiden Regisseuren mit ihrem Werk ein differenzierter Blick auf ein komplexes und ambivalentes Thema gelungen ist, liegt nicht zuletzt an der gelungenen Auswahl der Protagonisten.

So erklären beispielsweise verschiedene Schrottplatzbesitzer im Film, dass haufenweise Diesel-Autos angeliefert werden, obwohl diese (in technischer Hinsicht) noch einwandfrei funktionieren. Im Vergleich zu den durch die Abwrackprämie im Jahr 2009 ausrangierten Autos gibt es zwar heutzutage natürlich deutlich weniger ausgemusterte Autos; doch die Qualität der abgewrackten PkW sei im Jahr 2019 bedeutend höher, wie Ismet Sopjani, Geschäfstführer einer Autoverwertungsfirma betont. Viele der Autos funktionieren noch einwandfrei. Habe man früher rund 80 Prozent Benziner und 20 Prozent Dieselfahrzeuge auf den Schrottplätzen angetroffen, sei es heutzutage genau umgekehrt, wie Autoverwerter Reimund Schlipf betont.

Es stellt sich also die Frage: Wem dient die Verschrottung wirklich? Der Umwelt? Dem Kunden? Oder am Ende gar doch der Automobilindustrie, die mit immer neuen Rabatten lockt? Kritiker sehen in der Diesel-Verteufelung auch eine fragwürdige wirtschaftliche Maßnahme: Vermeintlich alte und schlechte Autos werden verschrottet, um den Verkauf von Neuwagen anzukurbeln. Der Rubel rollt – aber offensichtlich nicht (immer) der Umwelt zuliebe. Denn Einzelteile oder gleich ganze Fahrzeuge werden oftmals ins osteuropäische Ausland überführt – dort boomt der Dieselmarkt ...

Auch der Ingenieur Axel Friedrich kommt zu Wort. Er ist mit seinen TÜV-geprüften Messgeräten den (deutschen) Autobauern schon seit Jahren ein Dorn im Auge und plädiert vehement auf die Einhaltung der Abgasnorm Euro 6. Er beschwert sich darüber, dass die Politik die entsprechenden Umweltschutz-Richtlinien nicht durchsetzt und stattdessen die Bevölkerung mit manipulierten Abgaswerten zum Narren hält. Den Betrug an den Dieselfahrern hält auch er für ungeheuerlich. Oft genug ist er jedoch in der Vergangenheit angefeindet worden, sogar Morddrohungen habe er erhalten. Doch Friedrich erklärt, dass die Menschen endlich begreifen müssten, dass nicht derjenige, der die Missstände aufdeckt, der Betrüger sei. Das seien nämlich die Autokonzerne, die ihre beschönigten Zahlen nicht aus dem Realbetrieb gewonnen haben.

Fahrverbote, Wertverluste, Zukunftssorgen – im Endeffekt ist doch immer der Kunde der Leidtragende, wie es scheint. Kann es dennoch einen Königsweg geben, bei dem sowohl Fahrer als auch Umweltverbände, Autobauer und Politiker Hand in Hand gehen, ohne dass Profitgier und Lobbyismus dazwischenfunken? Möglicherweise. Dass es jedoch für schwierige Fragen keine einfachen Lösungen gibt, beweisen Freund und Rüb mit ihrer sehenswerten Doku ein ums andere Mal.


Quelle: teleschau – der Mediendienst