Zwei Studentinnen heuern bei einem Escortservice an. Das scheint leicht verdientes Geld. Doch allmählich wird der vermeintlich einfache Job zur seelischen Belastung.

"Fucking Berlin: Studentin und Teilzeithure" – so nannte Sonia Rossi ihr Buch über ihre Erfahrungen als Callgirl. Das Medienecho war groß, der Mythos von der freizügigen Studentin, die einem Nebenjob wie jedem anderen nachgeht, wurde befeuert. Zunächst ist das Geschäft mit dem Sex auch im beinahe nüchtern erzählten Drama "Tag und Nacht" (2010), das nun auf 3sat erstmals im Free-TV läuft, ein locker-flockiges: Hanna (Magdalena Kronschläger) und Lea (Anna Rot) studieren und brauchen Geld. Kellnern wirft kaum etwas ab, also heuern sie bei einem Escortservice an. Doch allmählich und ganz subtil schleicht sich Unbehagen ein.

Um diese Entwicklung nachvollziehbar zu skizzieren, muss Regisseurin Sabine Derflinger nicht auf brutale, abartige Freier, die die Mädchen misshandeln, zurückgreifen. Ihre Kunden sind ganz normale Männer: Manche sind schüchtern, andere mögen es, sich beschimpfen zu lassen, wieder andere tragen Strapse. Doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie üben Macht aus. Sie diktieren, was im Schlafzimmer, in der Hotelsuite passiert, machen Lea und Hanna zu ihrem Spielzeug.

Die Erkenntnis, keine Kontrolle mehr zu haben, trifft Lea unverhofft. Ihre Freundin Hanna war sich dessen von Beginn an bewusst, fühlte sich nie wirklich wohl bei dem, was sie tut. Derflinger verzichtet darauf, die Arbeit als Edelprostituierte zu glorifizieren, seziert vielmehr, was hinter der klischeebeladenen Fassade von Abenteuer, leicht verdientem Geld und Spaß passiert.

In klaren, schnörkellosen Bildern zeigt sie, worum es geht: ums Geschäft. Mit der Lust. Mit dem Körper. Mit Fantasien. So, wie Lea und Hanna von einer Minute zur anderen bei ihrem ersten Kunden stehen, so unvermittelt findet sich das Publikum ab der ersten Kameraeinstellung im Erotikgewerbe wieder. Und das glitzert nicht, sondern ist ein knallhart kalkuliertes Business, in dem die Frauen funktionieren müssen.

Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack und zwei Freundinnen, die sich untereinander und von ihrer Identität entfremdet haben: Die Rechnung zahlt am Ende aller Illusionen nicht der Freier, sondern die Seele.

Magdalena Kronschläger, die für ihre Rolle in "Tag und Nacht" sogar für den erstmals vergebenen Österreichischen Filmpreis nominiert war, spielte zuletzt in dem österreichischen "Tatort" mit dem Titel "Glück allein" mit, der am 2. Juni ausgestrahlt wurde. Anna Rot wurde für ihre Rolle in "Tag und Nacht" sogar mehrfach ausgezeichnet. Sie war zuletzt in dem Thriller "Passagier 23 – Verschwunden auf hoher See" zu sehen, der auf einem Roman von Sebastian Fitzek basiert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst