Die dritte Staffel der Netflix-Serie "Stranger Things" soll noch "größer, dunkler und erschreckender" werden. Dabei wollten die jungen Hauptfiguren doch eigentlich nur den Sommer genießen.

Das Tor zum gefährlichen Paralleluniversum ist geschlossen, das grauenvolle Labor in Hawkins ebenso: Endlich können Eleven (Millie Bobby Brown), Mike (Finn Wolfhard) und Co. einfach den Sommer genießen, den letzten ihrer Kindheit, wie es Ross Duffer, einer der beiden Showrunner formulierte. Musik hören, ins Freibad gehen, im neu eröffneten Einkaufszentrum abhängen – eben Dinge tun, die frischgebackene Teenager in ihrem Alter normalerweise tun. Doch dass noch immer nichts normal ist in Hawkins, Indiana, das wissen die Zuschauer des Netflix-Hits "Stranger Things" zu Beginn der dritten Staffel (Donnerstag, 4. Juli) besser als die Kids, die sich schon zweimal gefährlichen Monstern aus der Schattenwelt entgegenstellten.

Denn während die Freunde am Ende der zweiten Staffel auf dem Winterball miteinander feierten, sahen die Zuschauer das besiegt geglaubte Schattenmonster lauern: auf den richtigen Zeitpunkt, auf den richtigen Wirt, auf die richtige Gelegenheit, um die übernatürlich begabte Eleven zu besiegen. Doch zunächst wissen die Kids weder dass ihr alter Gegner noch auf sie wartet noch dass neue Gegner schon länger im Verborgenen agieren.

Viel greifbarer ist die für sie hingegen die Gefahr, dass ihre Clique zerbricht. Denn aus den Kinder von einst sind mittlerweile Teenager mit Teenagerinteressen und -problemen geworden. Der Kitt, der vor allem die vier Jungs, mit denen alles begann, so lange zusammengehalten hat, wird bröckliger. Das realisieren einige Mitglieder der Gruppe schneller und schmerzhafter als andere. Auch dadurch ergeben sich in dieser Staffel zusätzlich zu einigen gewohnten ein paar neue, interessante Paarungen mit ganz eigenen Missionen.

Denn zu dem Schluss, das irgendetwas wieder mächtig schief läuft in Hawkins, kommen sie alle, unabhängig voneinander und auf unterschiedlichen Wegen. Die vielen Handlungsstränge, die sich lange Zeit nicht überschneiden, fühlen sich sogar unterschiedlich an. Ist der eine eine klassische Spionage-Geschichte, könnten Teile eines anderen auch aus einem 80er-Jahre-Teeniefilm stammen. Und im nächsten kommt sogar ein Hauch "Baywatch"-Stimmung auf. Doch eines haben alle Handlungsstränge gemeinsam: Früher oder später werden sie ziemlich düster.

Obwohl sich die Duffer-Brüder genügend Zeit nehmen, auf die ganz natürlichen Veränderungen im Wesen und Beziehungsgeflecht der Kinder einzugehen, ist "Stranger Things" immer noch dem Übersinnlichen verschrieben. Größer, dunkler und erschreckender beschrieb Nancy-Darstellerin Natalia Dyer im Vorfeld das, was in der dritten Staffel auf das Publikum zukommt. Eine berechtigte Warnung.

Doch "Stranger Things" beweist auch in der dritten Staffel an den richtigen Stellen genügend Herz und/oder Humor, um den Sci-Fi-Horror auch für Zuschauer spannend zu machen, die weder auf Science-Fiction noch auf Horror stehen. Dafür tragen nicht nur die Autoren, sondern auch die hervorragend ausgesuchten Darsteller (neu dabei: Maya Hawke, Francesca Reale, Cary Elwes) Sorge. Und die machen – je nach Ausgang ihres Handlungsstrangs – noch ein wenig weiter: "Wir werden definitiv vier Staffeln drehen, auch fünf sind gut möglich", erklärte Produzent Shawn Levy in "Entertainment Weekly". "Aber alles darüber hinaus ist meiner Meinung nach unwahrscheinlich."


Quelle: teleschau – der Mediendienst