Die Kiffer-Komödie "Lammbock" ist ein echter Kultfilm. Wer sie drauf reduziert, tut ihr allerdings Unrecht. Gleiches gilt für die Fortsetzung "Lommbock", die nun erstmals im Free-TV zu sehen ist.

"Kai & Stefan & Frank & Schöngeist" – so steht es geschrieben auf T-Shirts und auf Postern. Genauso: "Ey ihr F****n! Limbo! Scheiße!" – ein seit nunmehr 18 Jahren gerne zitierter, Tourette-Syndrom-bedingter Tobsuchtsanfall. "Lammbock", eine deutsche Komödie aus dem Jahr 2001, ist heute noch immer gegenwärtig. Ein echter Kultfilm, nicht nur unter Liebhabern des Cannabis-Konsums. Denn dieser lässt sich in Christian Züberts Debüt nur allzu leicht als Leitmotiv verstehen. Gleiches trifft auf die Fortsetzung des Stoffes, "Lommbock", zu. Doch "Kai & Stefan & Frank & Schöngeist", also Moritz Bleibtreu, Lucas GregorowiczWotan Wilke Möhring und Antoine Monot Jr., tragen schon dafür Sorge, dass auch Teil zwei deutlich mehr ist als nur eine treudoofe Kiffer-Komödie. SAT.1 zeigt den Film nun erstmals im Free-TV.

Tatsächlich wird man "Lammbock", der 90-minütigen Dauertirade von einst, nicht gerecht, wenn man sie einzig auf die herausstechende Drogenthematik reduziert. Es geht um Tiefe und Freundschaft – auch wenn man auf dem Kinoplakat, auf dem Bleibtreu und Gregorowicz auf einer glänzenden Ledercouch durch den Raum fliegen, lieber mit dem Kiffer-Klischee punkten will.

"Lommbock" bleibt auf dem Boden. Autor und Regisseur Zübert geht es vorrangig um die Liebe zu seinen Protagonisten: Stefans (Gregorowicz) und Kais (Bleibtreu) Welt wird schlicht größer gezogen. Was in den vergangenen 15 Jahren passiert sein muss, fügt sich beim "Lammbock"-Fan unweigerlich zum schlüssigen Bild zusammen. Dem Alter der Charaktere angemessen spielen natürlich "ältere" Themen eine Rolle als in Teil eins: Heirat, Erziehung, Heimat, die Beziehung zu den Eltern. Was dagegen bleibt und Stefan wie Kai auch noch in den nächsten 15 Jahren begleiten wird, ist eine (pseudo-)philosophische (Nicht-)Auseinandersetzung mit den eigenen Zielen sowie, na klar, ihre Freundschaft.

Die einstigen Eindrücke von den zwei ehemaligen Kleindealern bestätigen sich: Kai ist auch heute noch der herzlich harmlose Verschwörungstheoretiker, Stefan bleibt weiterhin der nie zufriedene Hindernisläufer, der voller Zweifel lieber in den Startblöcken verharrt. Man hat sich zwar aus den Augen verloren: Kai lebt weiterhin in Würzburg und hat aus der aufgeflogenen Gras-Lieferdienst-Pizzeria Lammbock einen drogenfreien, doch mies laufenden Asia-Food-Laden namens Lommbock gemacht. Stefan hat es derweil nach Dubai verschlagen, wo er reich, erfolgreich und schön einheiraten wird. Ein zuvor noch nur für wenige Tage geplanter Abstecher Stefans in der alten Heimat beweist aber: Echten Freundschaften kann auch Distanz nichts anhaben.

So beobachtet Zübert die beiden erst genüsslich dabei, wie sie gemeinsam wieder in ihre alten Rollen zurückfallen, wie ein altbekanntes Muster nach dem anderen in ihrem Umgang miteinander und mit der Außenwelt in Erscheinung tritt. Für aufmerksame "Lammbock"-Anhänger reicht dieses detailverliebte Wiedersehen auf der Couch in der alten gemeinsamen Pizzeria bereits, um alle Befürchtungen abzulegen, dass eine Fortsetzung dem Lieblingsfilm schaden könnte. "Lommbock" trägt hier und da etwas dicker auf als Teil eins, womit der unbedarfte Zuschauer abgeholt werden soll. Die eine oder andere offensichtlichere Pointe sorgt dafür, dass der Kultfilm-Fortsetzung wohl kein Spartendasein blühen wird.


Quelle: teleschau – der Mediendienst