Nockherberg-Premiere

"Sammeln, Schreiben, Rausschmeißen, Reinschmeißen": So bereitet sich Stephan Zinner auf seine Fastenrede vor

27.02.2026, 13.25 Uhr
Stephan Zinner, bekannt als Parodist von Markus Söder, steht vor einem ereignisreichen Jahr. Er debütiert als Fastenredner auf dem Nockherberg und ist in mehreren TV-Produktionen zu sehen, darunter "Polizeiruf 110" und "Himmel, Herrgott, Sakrament". Eine spannende Zeit für den Schauspieler.

Langweilig wird es Stephan Zinner in diesem Jahr gewiss nicht: Mit dem Münchner "Polizeiruf 110: Ablass" (Sonntag, 15. März, 20.15 Uhr), der zweiten Staffel der BR-Serie "Himmel, Herrgott, Sakrament" (ab Donnerstag, 2. April, in der ARD Mediathek, sowie am Freitag, 10. April, Freitag, 17. April, und Freitag, 24. April, 20.15 Uhr, im BR Fernsehen) und dem neuen Eberhofer-Krimi "Steckerlfischfiasko" (ab Donnerstag, 13. August, im Kino) stehen drei große fiktionale Produktionen in den Startlöchern. Doch zuerst wird der 51-Jährige eine große Premiere feiern: Am Mittwoch, 4. März, hält Zinner seine erste Fastenrede beim traditionellen Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg.

Die traditionelle Live-Sendung "Auf dem Nockherberg" (19 Uhr, BR) wird in diesem Jahr mit besonderer Spannung erwartet. Immerhin musste Zinners Vorgänger, der Comedian Maximilian Schafroth, seinen Posten nach einer allzu scharfen Rede 2025 nach nur einem Jahr im Amt wieder räumen. Wie er sich auf den besonderen Auftritt vorbereitet und ob ihm seine Erfahrung als Darsteller von Markus Söder im traditionellen Singspiel der Jahre 2006 bis 2019 dabei hilft, verrät Zinner im Interview. Der gebürtige Trostberger spricht aber auch über die schwierige im "Polizeiruf" behandelte Frage nach dem Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit und über seinr Einstellung zur katholischen Kirche.

prisma: 2026 ist ein großes Jahr für Sie als Schauspieler: Anfang März halten Sie die Fastenrede auf dem Nockherberg, zwei Wochen später ermitteln Sie im "Polizeiruf", dann folgen die zweite Staffel "Himmel, Herrgott, Sakrament" und der neue Eberhofer-Krimi. Worauf freuen Sie sich am meisten?

Stephan Zinner: Das kann ich so nicht beantworten, weil die Sachen zum Glück sehr unterschiedlich sind: Ich spiele einen Kriminaler, einen Pfarrer, die Fastenrede ist sowieso nochmal eine ganz andere Sportart, und mei: Der Eberhofer ist der Eberhofer. Somit hat jedes Puzzleteil eigene Herausforderungen, aber auch einen eigenen Spaß. Die Abwechslung ist geil. Das ist schon sehr luxuriös.

prisma: Zunächst stehen Sie erstmals als Fastenredner auf dem Nockherberg auf der Bühne. Wie bereiten Sie sich auf den besonderen Auftritt vor?

Zinner: Das ist ein stetiger Prozess aus Zeitung lesen, Sammeln, Schreiben, Rausschmeißen, Reinschmeißen ... – Mit der Zeit bekommst du da ein Monstermaterial zusammen, sodass Martin Zeltner, mit dem ich die Rede schreibe, und ich im Januar sagten: "Jetzt machen wir mal eine Pause!" Denn ich denke, das ist die eigentliche Challenge als Redner oder Rednerin: auszuwählen, was im Endeffekt reinkommt und was nicht. Das ist nicht leicht! Man will am Ende ja auch einen Fluss in der Rede haben und nicht nur eine PowerPoint-Präsentation. Die einzelnen Aspekte zusammenzuweben, mal längere und mal kürzere Passagen zu schreiben, sodass am Ende eine erträgliche Länge herauskommt, bei der dem Publikum dann nicht die Füße einschlafen, das finde ich nicht leicht.

"Vorteil, dass ich weiß, wie es oben am Nockherberg abläuft"

prisma: Von 2006 bis 2019 verkörperten Sie beim Singspiel bereits Markus Söder. Verschafft Ihnen das einen Vorteil?

Zinner: Ich ziehe meinen Vorteil daraus, dass ich weiß, wie es oben am Nockherberg abläuft. Das ist ja eine Location, die normalerweise nicht für Theateraufführungen, Singspiele oder kabarettistische Abende genutzt wird. Der Saal ist einfach wow! Da gurken extrem viele Leute von der Security rum, die Polizei ist dabei, die Politikerinnen und Politiker mit ihren eigenen Security-Leuten. Der BR ist massiv vertreten und möchte mal hier ein Interview, mal da einen Hintergrundbericht drehen ... Es ist jetzt nicht der ideale Ort, um sich vorzubereiten, aber das ist halt so.

prisma: Die Rede von Maximilian Schafroth kam 2025 nicht bei allen gut an. Wie bereiten Sie sich auf mögliche kritische Stimmen vor?

Zinner: Ich glaube, du kannst dich nicht auf jeden Zwischenruf, auf jedes Buh-Schreien oder jeden Jubel vorbereiten. Das würde auch jede Schauspielerin, jeder Comedian und jede Kabarettistin sagen. Der Moment ist der Moment. Wenn du dich auf einen besonderen Moment vorbereitest, geht's sauber in die Hose, denn das sind meist Emotionen und Gefühle, die kann man nicht kontrollieren.

prisma: Werden Sie denn auch die Nachberichte lesen, oder lassen Sie die bewusst erst mal liegen?

Zinner: Nein, ich lese die schon. Natürlich lese ich am liebsten die Schlagzeile: "Es war toll." Aber wenn da dann steht: "Es war sch...", dann muss ich es auch lesen. Spätestens mein Vater wird es mir sowieso erzählen. Der macht quasi die Pressearbeit (lacht).

prisma: Welchen Stellenwert haben Veranstaltungen wie der Nockherberg in Zeiten, in denen die ganze Weltpolitik manchmal wie eine riesengroße, bitterböse Satire erscheint?

Zinner: (überlegt) Ich glaube, über sich lachen zu können, Kritik aushalten zu können und nicht gleich grimmig zu schauen, ist wichtig bei all der ... Jammerei wäre das falsche Wort, denn es läuft schon vieles falsch. Wenn ich morgens die Zeitung aufschlage, frage ich mich auch: Kann nicht mal irgendwo irgendwas Nettes stehen? Aber ich glaube, gerade der Nockherberg mit seiner Leichtigkeit, auch wenn diese nur für einen kurzen Moment besteht, ist gut. Ich merke es auch, wenn ich Kabarett spiele oder Musik mache: Das ist für alle immer ein Durchschnaufen. Beim Nockherberg ist das zwar anders, aber es ist schon eine Art von Aushalten für die Politiker, aber auch für mich. Dieses Aushalten von anderen Ansichten geht mir manchmal ab, denn wir alle bewegen uns in unserem eigenen Kosmos. Aber wenn mir nur auf die Schulter geklopft wird, funktioniert das doch auch nicht. Darum finde ich diesen sehr eigenartigen Raum, der der Nockherberg ist, sehr wichtig.

Über das "heikle Thema" im aktuellen "Polizeiruf"

prisma: Nach dem Nockherberg steht für Sie bereits der nächste Fernsehauftritt an: Im "Polizeiruf 110: Ablass" ermitteln Sie abermals als Dennis Eden. Dabei dreht sich vieles um die Fragen nach Recht und Gerechtigkeit. Was würden Sie sagen: Ist unser Rechtssystem alles in allem gerecht?

Zinner: Ohne zu viel zu verraten, glaube ich, dass das im "Polizeiruf" geschilderte Szenario durchaus möglich ist. Geld ermöglicht gute Anwälte, und dadurch tun sich andere Möglichkeiten in der Strafverteidigung auf. Es gibt auch einige Studien, wie unterschiedlich Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten verurteilt werden. Das ist schon ein heikles Thema. Deshalb finde ich es gut, dass wir darüber mal einen fiktionalen "Polizeiruf" gedreht haben.

prisma: Wo sehen Sie den größten Nachholbedarf in Sachen Gerechtigkeit?

Zinner: Ich glaube, dass das ein weites Feld ist. Deshalb heißt es umso mehr aufzupassen!

Über die Arbeit an "Himmel, Herrgott, Sakrament"

prisma: "Himmel, Herrgott, Sakrament" startet dieses Jahr ebenfalls in eine zweite Staffel. Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Zinner: Nein!

prisma: Wie hat sich Ihr Blick auf die Kirche durch die Arbeit an der Serie verändert?

Zinner: Die Zusammenarbeit mit dem Pfarrer Rainer Maria Schießler fand ich schon sehr interessant. Auch die Male, wo ich ihn in seinen Gottesdiensten in der Kirche besucht habe. Er hat eine gute Art, mit den Leuten umzugehen. Natürlich eckt er auch an, dennoch macht er seinen Job gut, finde ich. Deshalb hat das meinen Blick auf den ganzen Apparat gelockert, aber auch geschärft auf Sachen, die nicht gut laufen, die wir aber auch in der Serie ansprechen und die aber auch ganz, ganz, ganz viele gläubige Katholiken genauso kritisch sehen.

prisma: An was genau denken Sie da?

Zinner: Ans Zölibat. Ich glaube, dazu könnte man sogar in einer bayerischen Gemeinde am Land eine Umfrage machen. Ich höre von den Leuten dort auch immer wieder: "Ach, hör doch mit dem Zölibat auf! Das ist doch wurst!" Es gibt bestimmt auch Leute, die sagen: "Das muss so sein. Das war schon immer so." Aber das zum Beispiel macht alles so kompliziert. Das check ich nicht, denn das passt für mich nicht wirklich zusammen. Die Abschaffung des Zölibats wäre für mich ein Thema, mit dem die katholische Kirche eine zeitgemäße Normalität schaffen könnte, ohne sich von ihren eigentlichen Grundsätzen abzuwenden.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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