Mit durchsiebtem Körper lag er am frühen Morgen leblos auf dem Gelände des Klubheims. Mit 17 Schüssen wurde Aygün Muscuk am 7. Oktober 2016 in Wißmar niedergestreckt. Der Mord an dem Gießener Boss der Hells Angels ist nur ein weiterer blutiger Höhepunkt in einem in Deutschland tobenden "Rockerkrieg". Mit genau diesem reißerischen Titel wirft eine dreiteilige Dokumentation von Thomas Heise wenigstens etwas Licht auf eine unheimliche, weil kaum zu durchdringende Szene von zum Teil selbsternannten Gesetzlosen, die nach ihren eigenen Regeln leben.

Der "Rockerkrieg" ist zu sehen am Samstag, 28. April, 20.15 Uhr, bei ZDFinfo. Die drei aufeinanderfolgenden Folgen der Doku sind aufgeteilt in die Kapitel "Aufstieg der Hells Angels", "Mord und Verrat" und "Neue Fronten". Vor allem die letzteren "Neuen Fronten" sind es, die erst recht Zunder unter den Feuerstuhl brachten. Galt die 1973 in Hamburg gegründete erste deutsche Abteilung der Hells Angels noch als härtere "Veteranen-Familie", haben sich dunkle Geschäfte und blutige Revierkämpfe längst über das gesamte Bundesgebiet ausgebreitet. Neben den hierzulande wohl bekanntesten Gruppen, den Hells Angels und den Bandidos, gibt es inzwischen ein auch für Insider kaum mehr zu überblickendes Geflecht an Rockergangs.

Junge Migrantengangs mischen Rockermilieu auf

Schwer zu durchschauen ist insbesondere, wie genau die Reviere abgesteckt weden und wie zwischen Drogenhandel, Rotlicht und Immobiliengeschäften sehr viel Geld verdient wird. Und vor allem, wer die "erwirtschafteten" Unsummen einsteckt. In der Szene ist oft vom Wandel die Rede und dass der Ehrenkodex frühere Tage heute für viele Rocker kaum noch Relevanz habe. So manchen einstigen Platzhirschen gibt es nicht mehr, seit vor allem junge Migrantengangs das Rockermilieu aufmischen. Die United Tribuns beispielsweise rekrutieren insbesondere Männer aus Problemvierteln mit Migrationshintergrund. Dazu kommen noch Mongols, Satudarahs und die Osmanen Germania. Sie alle sind gierig auf ein möglichst großes Stück vom Kuchen. Es geht um Geld, Macht, um Drogen und Frauen. Und notfalls holen sich die Gangs eben mit Gewalt, was sie wollen. Die Polizei? Wird in dem Milieu nicht gefürchtet.

"Ich glaube nicht, dass ich jemanden fürchten müsste. Sondern bislang wurde ich gefürchtet", sagt einer der sehr harten Jungs in der Doku. Dabei scheut er sich noch nicht einmal, sich eindeutig mit dem Gesicht zu erkennen zu geben. Nach einem Schnitt zückt er seine Waffe und lädt durch. Die Pistole soll seinen Willen demonstrieren und auch schützen. Auch Aygün Muscuk übrigens war bewaffnet.


Quelle: teleschau – der Mediendienst