Als namenloser Fluchtwagenfahrer beweist Ryan Gosling auch in dem Neo-Noir-Actionfilm "Drive" seine Vielseitigkeit.

Ob als abgezockter Bankräuber in "The Place Beyond The Pines", als Jazzpianist in "La La Land" oder als Neil Armstrong in "Aufbruch zum Mond" – Ryan Gosling hat in den letzten Jahren bewiesen, welche wandlungsfähiger Schauspieler in ihm steckt. Was ihn auszeichnet? Er zeigt, wie man mit minimaler Mimik Bände spricht und inspiriert mit seiner Unberührbarkeit die Regisseure. Wie auch den Dänen Nicolas Winding Refn, der sich seinen Film "Drive" (2011) nicht ohne Hollywoods aufsteigenden Stern als namenlosen Fluchtwagenfahrer hätte vorstellen können. Das Erste zeigt den Film nun in einer Wiederholung zu später Stunde.

Schon mit den ersten Szenen von "Drive" hat der 38-Jährige sein Auditorium in der Tasche. Knapp formuliert er seinen zwielichtigen Kunden vom Einbrecher bis zum Bankräuber in L.A. die Bedingungen: Sie haben fünf Minuten seiner Zeit, in der er sie fährt. Danach sind sie sich selbst überlassen. Auch tagsüber spielen Fahrzeuge im Leben des "Drivers" eine Rolle. In einer Werkstatt repariert er sie mit viel Fleiß, und als Stuntman lässt er sie ineinander krachen. Die Story nimmt jedoch erst durch eine zarte Liebesgeschichte zu seiner Nachbarin Irene (Carey Mulligan) Fahrt auf. Dann aber kehrt ihr Ehemann aus dem Gefängnis zurück.

Nicolas Winding Refn ("Pusher", "Valhalla Rising") hat bei seinem Hollywooddebüt seine Hausaufgaben gemacht und alle Facetten des amerikanischen Genrekinos studiert. Herauskommt dabei ein mit 80er-Jahre-Retroelementen gespickter Neo-Noir-Actionfilm mit kalkulierter, aber unterkühlter Inszenierung im skandinavischen Thrillerstil. Ein Highlight ist die Nebenrollenbesetzung: Albert Brooks ("Taxi Driver") und Ron Perlman ("Hellboy") geben die falsch spielenden Fieslinge, die nicht mehr wissen, wie ihnen geschieht, und Christina Hendricks ("Mad Man") kommt als attraktive Helferin der Bösen zwischen die Räder.


Quelle: teleschau – der Mediendienst