Mit seinem Auftritt im ZDF-Fernsehgarten erhitzte Luke Mockridge die Gemüter. Nun startet seine neue Primetime-Show. Wird der Skandal Mockridges bisherige Bilderbuchkarriere beeinflussen?

Es soll ja Leute geben, die hatten bis vor Kurzem noch nichts von Luke Mockridge gehört, einem der derzeit vielleicht erfolgreichsten Unterhaltungskünstler Deutschlands. Ach was, dem Show-Giganten der nächsten Jahre. Jenem smarten und überaus begabten Entertainer, der auf Jahrzehnte unschlagbar schien, so wie es Franz Beckenbauer 1990 für die deutsche Fußballnationalmannschaft vorsah. Dann jedoch trat der 30-Jährige an einem Sonntag Mitte August in der konservativen ZDF-Unterhaltungssendung "Fernsehgarten" auf. Bei Andrea Kiewel zog er einen sinnfreien Auftritt ab – samt unflätigen Kalauern, Affenlauten und schlechten Witzen über ältere Menschen, von denen formatgemäß viele im Publikum oder vor dem Fernsehgerät saßen.

Der Auftritt, so erfuhr man später, war eine Art Streich. Gesammelt wurde Material für Mockridges eigene Show, in der sich dem Vernehmen nach Kinder Dinge vom Star wünschen dürfen. Zum Beispiel, öffentlich Affenlaute zu machen oder mit einer Banane telefonieren. Nur – lustig war das Ganze nicht. Darüber hinaus ließ sich auch keine "zweite Ebene" erkennen, auf der man die Provokation wie vergleichbare Medienstreiche von Joko & Klaas oder Jan Böhmermann diskutieren könnte. So wird der Gig Mockridges als Flop-Provokation in die Geschichtsbücher deutscher TV-Phänomene eingehen – deren Halbwertszeit jedoch meist gering ist.

Ein paar Tage später, am Mittwoch, folgte der nächste Dada-Auftritt. Tatort diesmal war die Bonner Innenstadt, wo der 30-Jährige so gut wie nackt auf einer Abrissbirne schaukelte. Lediglich ein knapper Lendenschurz bedeckte seine Blöße, berichteten Augenzeugen. Den Auftritt, offensichtlich eine Hommage an das Musikvideo zu Miley Cyrus' Hit "Wrecking Ball", filmte im Beisein zahlreicher Schaulustiger ein Kamerateam. Die Zeichen verdichten sich also, dass derzeit "Mutproben"-Material für Mockridges "Greatnightshow" gesammelt wird. Also alles halb so wild? Nur eine neue, für einige Altvordere noch ungewohnte Art des Anti-Humors?

Auf jeden Fall darf man annehmen, dass Mockridges Karriere spätestens ab seiner zweiten "Greatnightshow" unbeeinflusst von Fernsehgarten und Abrissbirne weitergehen wird. Vielleicht kommt es gar – wenn ein wenig Gras über die Sache gewachsen ist – zum großen Versöhnungsauftritt des Entertainers bei Andrea Kiewel, von dessen medialem Geklapper dann wiederum beide Seiten profitieren würden. Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst mal gilt es für Mockridge, mit seiner eigenen, sehr üppig gedachten Show erfolgreich zu sein – und wieder "Qualität" zu produzieren.

Dabei schien Rheinländer Mockrigde, Spross einer kinderreichen Familie mit kanadisch-italienischen Wurzeln, mit gerade mal 30 Jahren längst im deutschen Unterhaltungs-Olymp angekommen. Wer jeden Popstar auf hohem Niveau an seinem Flügel imitieren kann, wer dasselbe Publikum in Zehntausender-Hallen mit klugen Stand-up-Programmen zum Kreischen bringt, wer sogar mit einer Show, in der es ums archaische Kinderspiel des Fangens geht ("Catch – Der große SAT.1-Fang-Freitag") den Grimmepreis gewinnt, dem stehen wirklich alle Türen offen. So war es nur eine Frage der Zeit, wann "Lucky Man", wie eines seiner Show-Programme hieß – nach einigen kleineren Formaten – die große Primetime-Show zum Wochenende anführt.

"LUKE! Die Greatnightshow" heißt das neue SAT.1-Format, mit dem Mockridge ab 13. September (20.15 Uhr) an acht Freitagen in Folge das Publikum rocken soll. Aufgezeichnet wird das knapp zweieinhalbstündige Spektakel jeweils wochenaktuell (nicht jeder Gag besitzt ein langes Haltbarkeitsdatum). Dafür erhält Lucky Luke vom Sender ein völlig neues Studio samt Live-Band. Was in seiner Show passieren wird, ist nicht ganz klar, dürfte allerdings für den hochtalentierten Gastgeber kein Problem darstellen. Laut SAT.1, das sich vor der ersten Show-Aufzeichnung nur verhalten zum Konzept äußern mochte, "gibt es Musik, Luke trifft Kids, es finden Studio-Aktionen und Spiele statt, vorproduzierte Einspieler" und so weiter. Auch musikalisch soll mehr als das Übliche geboten werden.

Insofern ist es klug, dass sich SAT.1 – bei ProSieben regieren ja schon die beiden anderen Unterhaltungsgroßtalente Joko & Klaas – die Partnerschaft Mockridges weiterhin gesichert hat. "LUKE! Die Greatnightshow" ist nicht das einzige neue Format am neuen "Fun Friday" von SAT.1. Im Anschluss an die "Greatnightshow" lädt Faisal Kawusi zu "Das Quiz, für das Jörg Pilawa keine Zeit mehr hatte", und am späten Abend übernimmt Atze Schröder den Waschgang-Regler in der Comedyshow "NightWash".


Quelle: teleschau – der Mediendienst