Was erlaubte sich Matti Geschonneck mit "Duell in der Nacht"? Der Berliner Filmemacher hält sich in seinem TV-Film von 2008 nicht ansatzweise an klassische Spannungsbögen. Nein, er geht sogar noch weiter und verlässt sich in diesem brillanten Kammerspiel (Buch: Daniel Nocke) ausschließlich auf seine Darsteller. Herausgekommen ist ein Thriller ohne jedes Action-Element. Was bleibt, ist ein Verhör – aber das hat es in sich. Geschonnecks Ensemble besteht aus Ina WeisseIris Berben und Jürgen Vogel. Anlässlich von Vogels 50. Geburtstag am 29. April zeigt 3sat den Film nun als Auftakt einer achtteiligen Reihe mit Kino- sowie TV-Filmen des charismatischen Schauspielers aus den Jahren 1992 bis 2015.

Wirklich nur ganz kurz, als Kommissar Birke (Vogel) die Leiche eines Ex-Polizisten entdeckt, kommt etwas Hektik auf. Die wackelige Kamera schubst sich durch das hektische Treiben am Tatort. Doch mit dieser Art der Authentizität hält sich Geschonneck nicht auf. Als er mal gefragt wurde, wieso er Fernsehen macht und nicht zum Kino wechsle, antwortete er sinngemäß: weil er arbeiten will. Doch hinter dieser Antwort steckt bei ihm kein Pragmatismus, sondern Leidenschaft.

Iris Berben ungewohnt unattraktiv

Die Klarheit in der Struktur des Films ist beeindruckend: Ein redlicher Gesetzesvertreter verhört eine arrogante Millionärin, die den Hauptverdächtigen in einem Mordfall entlasten könnte. Der Polizeichef hat seinem Angestellten den Ablauf genau vorgekaut, am Morgen möchte er in dem "klaren Fall" ein unterschriebenes Geständnis. Doch Birke glaubt, der vorbestrafte Verdächtige (Uwe Kockisch) soll nur den Kopf hinhalten.

Die Kulisse beschränkt sich fast völlig auf ein geräumiges Hotelzimmer. Der Parcours hingegen verläuft im Zickzack, verheddert sich aber nicht in Albernheiten, nur um der Wendung willen. Schlagfertig, verletzend, fordernd agieren die Protagonisten. Jürgen Vogel ohne Mimik oder Gestik – ja, ein wenig unlebendig. Iris Berben hingegen entgleisen als der mächtigen Industriellengattin Isabel Wellingsen manchmal die Gesichtszüge, was sie ungewohnt unattraktiv macht. Beides ist gut so, die Schauspieler stellen sich wider jede Eitelkeit in den Dienst der Sache. Und sie überzeugen. Genauso wie die undurchsichtige Kollegin von Kommissar Birke, herausragend gespielt von Ina Weisse.

Geschonneck, wenn er denn endlich die Puzzleteile fallen lässt, bietet zwar die Auflösung im Groben. Doch er lässt eine Menge zum Nachdenken übrig, wenn man den Faden aufnimmt und willens ist, noch etwas weiter in unsere Gesellschaft zu leuchten. So ist "Duell in der Nacht" vor allem auch mit seinem andeutenden, geheimnisvollen Ende einer der besten deutschen TV Filme des letzten Jahrzehnts.

Acht Filme mit Jürgen Vogel

3sat zeigt bis 29. April insgesamt acht Filme mit Jürgen Vogel. Als nächster Beitrag dieser Reihe folgt direkt im Anschluss der Thriller "Vertraue mir" (2015) um 22.25 Uhr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst