Thomas Lichter (Marcus Mittermeier), der im Alten Land bei Hamburg ein Lebensmittellabor betreibt, wird des Mordes an seiner Assistentin verdächtigt. Die Beweise sind erdrückend. Während des Prozesses, in dem Kommissarin Sarah Kohr als Zeugin aussagt, nimmt der Angeklagte die Polizistin als Geisel und flieht mit ihr. Später findet sich die Ermittlerin im Kofferraum eines Wagens wieder, der in der Idylle einer alten Apfelfarm an der Elbe geparkt wurde. Lichter, der immer wieder seine Unschuld betonte, ist selbstredend verschwunden. Gemeinsam mit ihrem On-Off-Geliebten, dem Staatsanwalt Anton Mehringer (Herbert Knaup), setzt Einzelgängerin Sarah Kohr alles daran, denn Fall aufzuklären. Schon 2014 spielten Potthoff und Knaup die gleichen Rollen – im actionreichen Thriller "Der letzte Kronzeuge – Flucht in die Alpen". Nun plant das ZDF, derzeit offensichtlich vernarrt in unterkühlte, nordische Ermittlerinnen, aus der Figur eine Reihe zu machen. Ein weiterer Film mit Sarah Kohr ist in Vorbereitung.

"Mord im Alten Land" ist kein Film für Freunde des elegischen Ermittlerkrimis. Amazone Sarah Kohr, immer in körperbetonender Kleidung unterwegs, rennt und schießt sich durch diesen Thriller, dass man vermuten mag, die reichlich holzschnittartig konstruierte Handlung sei vorwiegend dazu da, die Lücken zwischen Schusswechseln und Verfolgungsjagden zu füllen.

Drehbuchautor Timo Berndt, Jahrgang 1967, schrieb diesen Krimi offensichtlich mehr auf Effekt, als dass er eine bestimmte Geschichte erzählen wollte. Der Mann weiß, was konservative deutsche Krimizuschauer sehen wollen. In seiner beruflichen Vita finden sich unzählige Episoden konservativen Bedienfernsehens der Marke "Die Toten vom Bodensee", "Friesland" oder auch "Katie Fforde". Ein Kenner der Zuschauer-DNA des ZDF. Mit dem routinierten Regisseur Marcus O. Rosenmüller ("Der Taunuskrimi") weiß Berndt einen Gleichgesinnten an seiner Seite.

Nach "Solo für Weiss" mit der ebenso unterkühlten Anna Maria Mühe in Lübeck soll offenbar eine weitere beziehungsuntüchtige, aber natürlich ungemein taffe und scharfsinnige Ermittlerin zur Reihe ausgebaut werden. "Sarah Kohr" ist Konzeptfernsehen, das aus den gängigen Elementen Landschaft-Krimi-Stars Unterhaltung für die anvisierten vier bis sechs Millionen älteren Zuschauer schafft. Momentan funktioniert das noch.

Eine etwas jüngere Generation ist da schon schlauer. Bei Streamingdiensten und im Pay TV, in Programmnischen des Öffentlich-Rechtlichen oder auf DVD finden sich Serien, die Geschichten von Menschen erzählen. Das gelingt bei Sarah Kohr nur ansatzweise. Mit viel Blei in schmucken Apfelplantagen herumzuschießen, schafft zwar leidlich spannende Bilder, bietet dem Zuschauer aber keinerlei emotionale Anknüpfungspunkte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst