Olga Lenski (Maria Simon) ist Polizistin, doch sie wäre froh, diesen Umstand mal für eine Weile vergessen zu können. Bei ihr wurde eingebrochen – und das, während sie und Tochter Alma (Aennie Lade) geschlafen haben. Ein Erlebnis, das sie aus der Bahn wirft. Umso schlimmer, dass die ermittelnden Kollegen das nicht zu sehen scheinen, sie sind so spröde wie eh und je, während Lenski selbst nicht damit klarkommt, dass sie ihre eigene Tochter nicht hat schützen können. Sie leidet wie ein Hund, also nimmt sie sich eine Auszeit auf dem abgelegenen Bauernhof von Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel) – kurz vor der polnischen Grenze. Ein Tipp ihrer Mutter.

Pech für sie, dass sie ausgerechnet bei einem Mann Zuflucht sucht, der selbst genügend Probleme hat. "Das Glück kann man nicht festhalten", sagt Kohlmorgen, nachdem er von seiner Frau erzählt hat und davon, dass sie ihn und seine zwei Kinder vor kurzem hat sitzen lassen. Dazu kommt, dass Kohlmorgen "Prepper" ist – ein Mensch also, der sich auf das nahende Ende der Zivilisation vorbereitet, indem er versucht, autark zu leben und Lebensmittel bunkert. Auf dem Land macht man sich damit nicht nur Freunde.

Was dem Fall bis hierhin noch fehlt, ist ein echtes Verbrechen, denn der Einbruch bei Lenski entpuppt sich bald als Tat einer Gruppe Halbwüchsiger. Doch auch dieser Fall lässt nicht lange auf sich warten. Es gibt einen Mord und das, was für Kohlmorgen und seinesgleichen der Ernstfall ist: einen bundesweiten Stromausfall. Eine Kombination, die schnell eskaliert und die nicht nur die Vorstellungskraft von Lenskis Kollegen Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) übersteigen dürfte.

Maria Simon dabei zuzuschauen, wie Sie ihrer Rolle Leben einhaucht mit allem, was dazugehört – Leiden, Verzweiflung, Verunsicherung, Sehnsucht und Zuneigung – ist ein Vergnügen, auch wenn dieses Wort in diesem Polizeiruf eigentlich nichts zu suchen hat. Demgegenüber bleibt Lucas Gregorowicz ausnehmend und überraschend blass, sein Adam Raczek verflacht zusehends, er verkommt zur Nebenfigur.

Dabei haben Matthias Glasner und Mario Salazar diesem Krimi teils bissige, teils nachdenkliche Dialoge verpasst, sensibel auf die Figuren abgestimmt und gut getimt. Und so gelingen immer wieder berührende Szenen, auch wenn sie oft nah dran sind, ins Artifizielle zu kippen.

Das deutlich größere Problem ist jedoch, dass das ab einem bestimmten Punkt dem gesamten Plot passiert. Denn obwohl der sich den cleveren Trick leistet, den bundesweiten Notstand in der Abgeschiedenheit Brandenburgs in den Blick zu nehmen, um keine überzogenen Bilder aus den Metropolen produzieren zu müssen und obwohl dieser Krimi so gut wie komplett ohne klassische Ermittlungsarbeit auskommt, was eine wohltuende Ausnahme ist, überzieht er und wartet mit Figuren auf, denen neben einer Olga Lenski oder einem Lennard Kohlmorgen ganz schlicht die Glaubwürdigkeit fehlt.

Dabei hatte Regisseur Glasner eigentlich andere Pläne: "Wir wollten keinen typischen Themen-Krimi", sagt er. "Keine steilen, politischen Thesen (die Figuren äußern ständig welche, aber das ist eigentlich nur ein hilfloses Pfeifen im Walde ...), keine ja immer wieder gern genommene Kritik an Politik, System und Gesellschaft. Es ist stattdessen einfach ein Film über eine Handvoll Menschen, die zu sensibel sind für diese Welt. Und die versuchen, alles richtig zu machen, während sie sich vorsichtig durch die Dunkelheit tasten."

Das sind hehre Ziele, doch genau dieses hilflose Pfeifen im Walde muss man auch diesem Polizeiruf ankreiden. Denn hinter der Fassade dieser Sensibilität bleibt am Ende zu wenig übrig, was einen echten Krimi auszeichnet.