Das ist doch mal was anderes: Im Mittelpunkt der neuen SAT.1-Dating-Show stehen weder Männer mit ausgeprägtem Sixpack noch wallemähnige Schönchen mit Barbiefigur. Stattdessen sollten 24 Rentner zwischen Mitte 60 und Ende 70 aneinander vermittelt werden.

Nach Ankunft in einem Schweizer Berghotel versucht das moderierende Trio, die Teilnehmer über diverse Spiele und Aufgaben miteinander warm werden zu lassen. Lutz van der Horst ("heute-show"), Daniel Boschmann ("SAT.1 Frühstücksfernsehen) und Sarah Mangione ("Wow of the Week") übernehmen dies. Beim Sessellift-Fahren, einem gemeinsamen "Austritt" mit dem Tretboot nebst Schäferstündchen im Chalet sollen sich potenzielle Paare für den vielleicht letzten Lebensabschnitt finden. Das Format überzeugt mit sympathischen Teilnehmern. Die krawallige Ansprache der Moderatoren ist hingegen Geschmackssache. SAT.1 zeigt sechs Episoden "Hotel Herzklopfen – Spät verliebt!" – davon die ersten beiden als Doppelfolge.

Klar, der Schauwert eines Rentner-Dating-Formats ist ein anderer als beim "Bachelor". Hier gibt es keine Mini-Kleidchen und High Heels, aber dafür deutlich mehr echtes Leben zu sehen. Wenn Senioren, die so mutig waren, sich auf das Format einzulassen, lakonisch von verstorbenen Partnern und Jahren der Einsamkeit berichten, dann berührt das.

"Altersungerechte" Aufgaben

Wer im SAT.1-Vorabendprogramm allerdings leise erzählte Biografien oder Erkenntnisse über die Psychologie der Liebe im Alter erwartet, schaltet natürlich vergebens ein. "Hotel Herzklopfen" ist eine Show, in der über teils wüste Spiele (Faustkampf an der Spielkonsole oder Downhill-Fahren mit dem Roller) bewusst "altersungerechte" Aufgaben gestellt werden. Auch die Tatsache, dass die Moderatoren nach Vorbild des RTL-Dschungelcamps das Geschehen immer wieder humoristisch aus dem Off kommentieren, dient dem Aufladen des Rentner-Datings mit – vielleicht nicht immer natürlich vorkommendem – Humor.

Trotz der betont jungen Herangehensweise an die Partnersuche der Oldies, hat das Format aber auch sein Gutes: Die dringlichen Wünsche von Senioren nach Zärtlichkeit und Partnerschaft werden mit so einer Sendung sicherlich ein Stück weit enttabuisiert, selbst wenn man über die krachlederne Tonalität der Show die Nase rümpfen sollte. Letztendlich wird der Zuschauer per Quote entscheiden, ob man die "Best Ager" im Fernsehen weiterhin als leise, bedächtige und asexuelle Wesen sehen möchte oder ob die Würde des Alters von ein wenig ausflippendem Wahnsinn keineswegs bedroht wird.


Quelle: teleschau – der Mediendienst