Abseits der Nachrichten, die sich allzu oft damit beschäftigen, ob und wie Flüchtlinge in Europa aufgenommen werden (sollen), gibt es massenhaft Geschichten wie jene, welche die sechsteilige, deutsch-französische Miniserie "Eden" bei ARTE und später in der ARD beschreibt.

Ein junger Afrikaner (Joshua Edoze) will mithilfe von Schleusern nach Zentraleuropa. Eine Mannheimer Familie, unter anderem verkörpert von Juliane Köhler und dem Frankfurter "Tatort"-Kommissar Wolfram Koch, hat einen Syrer aufgenommen. Doch es gibt Probleme mit dem "leiblichen" Sohn Flo (Bruno Alexander). Die belgische Unternehmerin Hélène (Sylvie Testud) betreibt in Athen ein privates Flüchtlingslager, das gut zu laufen scheint. Trotzdem machen zwei griechische Wachleute (Theo Alexander, Michalis Ikonomou) dort eine traumatische Erfahrung, die ihr Leben verändert. Auch bei einer syrischen Intellektuellenfamilie (Maxim Khalil, Diamand Abou Abboud) läuft es keineswegs glatt. Das Paar mit einer Tochter im Grundschulalter erhält zwar seinen Asylstatus, findet aber in der neuen Heimat Paris keinen Frieden.

Der junge Drehbuchautor Constantin Lieb schrieb auch Dominik Grafs Neuverfilmung von Erich Kästners "Fabian", die mit Albrecht Schuch in der Hauptrolle noch 2019 ins Kino kommen soll. Über viereinhalb Stunden verdichtet und verknüpft Lieb unter der Regie des Deutsch-Franzosen Dominik Moll ("Der Mönch") die Schicksale seines "Flüchtlings"-Ensembles und zeigt so Aspekte auf, die in politischen, juristischen oder auch Menschenrecht-orientierten Diskussionen meist unterbelichtet bleiben.

Original- schlägt Synchronfassung

In der Originalfassung schafft das Werk durch sein babylonisches Sprachengewirr, das natürlich untertitelt wird, einen angemessenen Grad an Verwirrung, der das Authentizitätsgefühl der Handlung befördert. In der deutschen Synchronfassung sprechen natürlich mal wieder alle Deutsch, was das Ganze deutlich flacher macht. Aber klar, untertitelte Programme sind in der deutschen Primetime nach wie vor nicht vermittelbar.

ARTE zeigt "Eden" an zwei Donnerstagabenden, die Teile eins bis drei am 2. Mai zwischen 20.15 Uhr und 22.30 Uhr, die restlichen Folgen am 9. Mai zur gleichen Sendezeit. Doch auch die ARD wagt sich an das sperrige Thema Flucht im Serienformat heran. Hier läuft "Eden" an zwei Mittwochabenden (8. und 15. Mai, 20.15 Uhr), ebenfalls mit drei Folgen pro Abend.

"Eden" ist inhaltlich interessant, kann seine pädagogische Intention aber nicht völlig verleugnen. Hier und da merkt den 270 Minuten an, dass es sich hier um ein deutsch-französisches Vorzeigeprojekt handelt, bei dem man auch politisch nichts falsch machen wollte. Die Charaktere verbleiben, natürlich auch ob der Episodenhaftigleit der Handlung, auf eher gemäßigt tiefschürfendem Niveau. Dabei überzeugen interessanterweise gerade die jungen Darsteller, wie der des afrikanischen Flüchtlingsjungen oder auch der Hamburger Jungschauspieler Bruno Alexander (der frühere Max Paulsen aus "Die Pfefferkörner), welcher – angenehm politisch unkorrekt – einen Lehrersohn spielt, dem der nette Flüchtling im Souterrain des Familienhauses ziemlich auf die Nuss geht. Man hätte sich mehr derlei sperrige Ungereimtheiten des menschlichen Miteinanders gewünscht. Trotzdem bleibt "Eden" ein filmisch interessanter Blick hinter die Kulissen europäischer Flüchtlingspolitik.

Juliane Köhler spielt in der Serie die Mutter der deutschen Lehrerfamilie, die einen Flüchtling bei sich aufnimmt. Lesen Sie hier unser Interview mit ihr.


Quelle: teleschau – der Mediendienst