Nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon 2013 liefert Regisseur Peter Berg ("Deepwater Horizon") einen fiktionalen Thriller über die Geschehnisse mit drei Toten und mehr als 260 Verletzten.

Wie viel Zeit sollte vergehen, bevor ein Film nach einer wahren Begebenheit, zumal einer blutigen mit drei Toten und mehr als 260 Verletzten, gedreht und veröffentlicht werden kann? Oliver Stones "World Trade Center" beispielsweise arbeitete fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 das Geschehene in einem Drama auf. Peter Bergs "Boston" (2016) kam bereits drei Jahre nach dem Attentat auf den Marathonlauf in der Hauptstadt des US-Bundesstaates Massachusetts in die Kinos – und stand deshalb damals teilweise in der Kritik. Nun zeigt ProSieben das Terror-Drama als Free-TV-Premiere am 1. Mai – beworben als "filmisches Denkmal".

Zwei Bomben, versteckt in Rucksäcken und abgelegt zwischen den Beinen vieler ausgelassener Zuschauer am Rande der Strecke in der Boylston Street, detonierten am "Patriots Day" vor sechs Jahren in einem Abstand von nur 13 Sekunden. Die Szenen um diese Explosionen, ausgelöst von den Brüdern Dschochar und Tamerlan Zarnajew, sind es auch, in denen "Boston", immerhin gedreht an Originalschauplätzen, seine Würde behält und eben nicht in ein plakatives Katastrophenszenario biegt.

Zugeständnisse für Action-Fans

Klar, es sind blutige Bilder zu sehen – was bei drei Toten und mehr als 260 zum Teil Schwerstverletzten kaum zu vermeiden ist. Zwischen verzweifelten Schreien und in einer allgemeinen Panik irrt der ebenfalls verletzte Tommy Saunders (Mark Wahlberg) umher. Schnelle Schnitte begleiten den Polizeisergeant, der versucht, so etwas wie eine Übersicht in verwirrendem Chaos zu erhalten.

Die schlimmen Minuten direkt nach dem Attentat haben eher die Form einer Dokumentation. Regisseur Berg bleibt wohltuend nüchtern, er hält sich mit drastischen Bildern und überzogener Action zurück. Der Schrecken allein entfaltet Wirkung genug. Der Regisseur hätte diesen klugen Dreh zur Aufarbeitung eines sehr sensiblen Themas durchaus länger beibehalten können.

Problematisch wird "Boston" jedoch bei der Verfolgung der beiden Attentäter. Einen Schusswechsel in dem Vorort Watertown inszenierte Berg als wilde Ballerei mit gewagten Explosionen. Der Regisseur gibt an, dass er keine reine Doku drehen wollte. Und immerhin sollte sein Film auch mitreißen – diejenigen Zuschauer, die von dem Terror eben nicht direkt betroffen waren. Mit seinem actionreichen Finale macht der Film ihnen ein Zugeständnis.


Quelle: teleschau – der Mediendienst