Nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der EM 2017 wollen die deutschen Fußball-Frauen bei der Weltmeisterschaft in Frankreich an alte Glanzzeiten anknüpfen. Doch sie fechten auch neben dem Platz weiter einen Kampf aus.

Frech, frivol und doch mit einer deutlichen Botschaft versehen: In einem kürzlich veröffentlichten Werbespot für eine Bank stimmen sich die Spielerinnen der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft mit dem Slogan "Wir brauchen keine Eier, wir haben Pferdeschwänze" auf die anstehenden Weltmeisterschaften in Frankreich ein. Die kecke Anlehnung an das legendäre Oliver-Kahn-Zitat ist Ausdruck eines Selbstverständnisses, das die Fußballerinnen in dem Clip auch mit Sätzen wie "Wir spielen für eine Nation, die unsere Namen nicht kennt" unterfüttern. Doch sie seien längst ihre eigenen Vorbilder geworden, und überhaupt: Sie wollen nur spielen. Seine Qualität auf dem Platz will das deutsche Team ab Samstag, 8. Juni, unter Beweis stellen, wenn es gegen China in die Titelkämpfe einsteigt (live ab 15 Uhr im Ersten).

Das Motto des am 7. Juni beginnenden Turniers in Frankreich, "Zeit zu glänzen", kommt für die Frauen um Kapitänin Alexandra Popp gerade recht. Schließlich will das Team nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus gegen Dänemark bei der EM 2017 und der missglückten Trainerperiode mit Ex-Nationalspielerin Steffi Jones wieder an alte Erfolge anknüpfen. "Wir gehören zum Favoritenkreis, und wenn wir unsere Leistung auf den Platz bringen, kommen wir auch sehr weit", ist sich Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sicher. Als Ziel rief die viermalige Europameisterin den Gruppensieg und die direkte Qualifikation für Olympia 2020 in Tokio aus, die mit dem Erreichen des Halbfinals garantiert sein dürfte.

Die Hoffnungen auf einen erfolgreichen schwarz-rot-goldenen Turnierverlauf dürften auch bei den öffentlich-rechtlichen Sender groß sein. Schließlich erwiesen sich die Matches der deutschen Damen in der Vergangenheit als durchaus verlässliche Quotengaranten. Bei der letzten WM 2015 schalteten regelmäßig mehr als sieben Millionen Fußball-Fans ein, das enttäuschende EM-Aus gegen Norwegen 2017 bescherte der ARD sogar noch einen hervorragenden Marktanteil von 39 Prozent. Nach dem vorzeitigen Ausscheiden der DFB-Frauen-Elf sackten die Quoten allerdings noch heftiger ab als dies im vergangenen Jahr bei den Männern der Fall war. Zwar fahren ARD und ZDF bei Weitem nicht so große Geschütze wie bei einem Turnier der Männer auf, dennoch werden sämtliche Spiele der WM live übertragen – ob im linearen TV oder im Live-Stream via "sportschau.de" respektive "zdfsport.de".

Erfahrene Teams bei ARD und ZDF

Sowohl das ZDF als auch das Erste verlassen sich bei der Berichterstattung von dem Turnier, dessen Spiele vom 7. Juni bis 7. Juli in neun französischen Städten ausgetragen werden, auf bewährte Teams.

Das ZDF schickt das Reporter-Trio Claudia Neumann, Norbert Galeske und Béla Réthy ins Rennen. Martin Schneider, Gari Paubandt und Michael Krämer kommentieren die Spiele, die "nur" im Livestream gezeigt werden .Als Moderator steht Sven Voss bereit, der zur Spielanalyse ehemalige Nationalspielerinnen wie Lira Alushi, Kim Kulig und Celia Sasic begrüßt. Ergänzend zur TV-Berichterstattung schildern Online-Reporter auf den Social-Media-Accounts von ZDFsport aktuelle Entwicklungen. In der Mediathek sind zudem die Highlights aller Partien verfügbar.

Die Übertragungen im Ersten begleiten Moderator Claus Lufen, Expertin Nia Künzer und die Kommentatoren Stefanie Baszyk und Bernd Schmelzer. Jan Neumann und Florian Eck sind die Kommentatoren im Livestream bei sportschau.de. Dazu schaltetet das ARD-Morgenmagazin täglich zweimal an den deutschen Spielort. Außerdem bietet der ARD-Hörfunk alle Spiele mit deutscher Beteiligung als Vollreportage über 90 Minuten an. Online steht auf "sportschau.de" ein Livecenter mit Streams, Liveticker und Livetabellen bereit und im Social Stream werden alle Aktivitäten des Social Webs gebündelt.

Nach der Nominierung des WM-Kaders, den Voss-Tecklenburg am Dienstag (21. Mai) bekanntgab, reist der deutsche Tross am 24. Mai nach Grassau am Bodensee, um sich in einem einwöchigen Trainingslager auf die anstrengenden Wochen in Frankreich vorzubereiten. Motivierend wirken dürften sicherlich die Worte des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier, der sich für einen Besuch angekündigt hat. Vielleicht wirkt dessen Anwesenheit auch Wunder beim Sorgenkind des deutschen Teams, der Torfrau Almuth Schult. Die Führungsspielerin laboriert an einer Schulterverletzung, die ihr Mitwirken bei der WM gefährdet.

Torhüterin moniert mangelnde Wertschätzung

Aber nicht nur sportlich dreht sich derzeit viel um die Torhüterin des VfL Wolfsburg. Zuletzt machte die 28-Jährige auch in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von sich reden, in dem sie eine verbandsinterne Geringschätzung von Frauenfußball seitens des DFB monierte. "Wie sollen wir denn draußen Vorurteile gegenüber dem Frauenfußball abbauen, wenn wir im eigenen Verband noch damit zu kämpfen haben?", kritisierte Schult. Außerdem äußerte sie sich zum zuletzt beobachteten Zuschauerschwund bei Länderspielen, den sie in einer "Fußball-Übersättigung in Deutschland" begründet sieht.

Womöglich straft sie die kommende Weltmeisterschaft Lügen. Erst recht, wenn die Titelkämpfe an den aktuellen Frauenfußball-Boom im europäischen Ausland anknüpfen können. Über 60.000 Fans verfolgten im März das Spiel zwischen Atletico Madrid und dem FC Barcelona – Zuschauerrekord auf Clubebene. Noch dazu hat die deutsche U17-Nationalmannschaft mit ihrem Herzschlagtriumph bei der EM gezeigt, wie man Titel gewinnt. Vielleicht lassen sich die deutschen Spielerinnen ja von dieser Euphoriewelle tragen und stoßen ins Finale nach Lyon am 7. Juli (live im Ersten) vor. Dann kennt sicher auch die ganze Nation ihre Namen.

Mit einem Sieg im ersten Spiel gegen China will das deutsche Team den Grundstein für ein erfolgreiches Turnier legen. Anpfiff am Samstag, 8. Juni, ist um 15 Uhr (live in der ARD). Weiter geht es am Mittwoch, 12. Juni, wenn es die Nationalmannschaft mit Spanien zu tun bekommt. Das ZDF ist ab 18 Uhr live vor Ort. Im finalen Gruppenspiel gegen Südafrika übernimmt dann wieder das Erste. Am Montag, 17. Juni, ab 18 Uhr können die Frauen den anvisierten Gruppensieg perfekt machen.

Gelingt der Einzug in die K.O.-Phase, steht das Team von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg in einem der Achtelfinalspiele, die von 22. bis 25. Juni stattfinden. Der genaue Ausstrahlungsmodus der Ausscheidungsspiele wird noch bekanntgeben und ist abhängig von der erreichten Platzierung in der Gruppenphase. Gleiches gilt für das Viertelfinale, das zwischen 22. und 25. Juni ausgetragen wird.

Sicher hingegen ist die Live-Ausstrahlung der beiden Halbfinals (2. und 3. Juli), wobei ZDF das Vorwahlrecht innehat. Das große Finale am 7. Juli um 17 Uhr überträgt das Erste, während das Spiel um Platz drei am Tag zuvor (17 Uhr) vom ZDF gezeigt wird.

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Neben der Fußball-WM der Frauen hat der Fußball-Sommer noch ein weiteres TV-Highlight zu bieten. Die Männer der U21 versuchen bei den Europameisterschaften in Italien und San Marino ihren Titel von 2017 zu verteidigen. Dafür wollen die Junioren mit einem Sieg gegen Dänemark erfolgreich ins Turnier starten, das zwischen 16. und 30. Juni ausgetragen wird. Anstoß ist am Montag, 17. Juni, um 21 Uhr. Das Erste überträgt live. Auch alle restlichen Spiele mit deutscher Beteiligung werden im Wechsel bei ARD und ZDF live gezeigt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst