"Gefangen – Der Fall K." erzählt die Geschichte von Gustl Mollath. Nur darf das wohl prominenteste bayerische Justizopfer der letzten Jahre hier nicht so heißen. Hans Steinbichler erzählt in seinem Film stattdessen die fiktive Geschichte eines Wastl Kronach; auch alle anderen Namen wurden geändert. Was aber gleich geblieben ist, das ist die ungeheuerliche Erzählung von einem Mann, der in die Mühlen der Justiz geraten ist, einen Schwarzgeldskandal ausgelöst und die bayerische Regierung in Bedrängnis gebracht hat. Eine Story, die das Potenzial zu einem Wirtschaftsthriller epischen Ausmaßes hat.

Zur Erinnerung: Der Fall Mollath machte seit Ende 2011 Schlagzeilen, als mehrere Medien, darunter die "Nürnberger Nachrichten" und der "Report Mainz", über einen Mann berichteten, der fünf Jahre zuvor in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Der Nürnberger Gustl Mollath solle seine Frau Petra misshandelt haben, so die Gerichte, er wurde aufgrund scheinbar wirrer Verschwörungstheorien für schuldunfähig erklärt. Der öffentliche Druck – auch vonseiten der Opposition im bayerischen Landtag – sorgte schließlich dafür, dass der Fall wieder aufgerollt und Mollath schließlich freigelassen wurde.

Das schier Unglaubliche an diesem an sich schon wahnwitzigen Fall: Mollath hatte stets behauptet, seine Frau habe die Vorwürfe gegen ihn nur erfunden, weil er Schwarzgeldgeschäfte an die Öffentlichkeit bringen wollte, in die sie und ihr Arbeitgeber, die HypoVereinsbank, verwickelt waren. Vor Gericht schenkte man Mollath keinen Glauben, stempelte ihn als Wahnsinnigen ab. Wie sich aber herausstellte, hatte Mollath Recht: Die Schwarzgeld-Transfers in die Schweiz gab es wirklich.

Der Film schildert die Ereignisse, die zum Verfahren gegen Mollath und schließlich auch zu seiner Freilassung führten, minutiös. Jan Josef Liefers spielt Mollaths Alter Ego Wastl Kronach, Julia Koschitz seine Frau Elke. Zunächst erzählt "Gefangen – Der Fall K." eine Liebesgeschichte, zeigt den Autoliebhaber Kronach und seine Frau bei Urlauben im offenen Porsche-Cabrio. Inszeniert ist das, man muss es leider sagen, wie eine durchschnittliche Sonntagabend-Schmonzette im ZDF.

Zum Helden stilisiert 

Der Film nimmt schließlich eine Wendung, als Kronach entdeckt, welchen Geschäften seine Frau nachgeht. Die Fronten, die das Drehbuch von Steinbichler und Kit Hopkins einnimmt, sind schnell abgesteckt: Kronach ist ein zu Unrecht Verfolgter, der in manch peinlich-pathetischen Szenen gar Gandhi zitieren darf; seine Frau hingegen ist hier eine eiskalte, berechnende Person, die ihren Mann hinter Gittern sehen wollte. Und in der Psychiatrie, da hat sich sowieso ein jeder gegen Kronach verschworen. In Wahrheit, darauf sollte hingewiesen werden, liegen die Dinge nicht so eindeutig. Dass Kronach/Mollath hier unhinterfragt zu einem Helden stilisiert wird, irritiert gewaltig.

Es wäre auch sicherlich besser gewesen, wenn sich "Gefangen – Der Fall K." auf einzelne Aspekte der Mollath-Geschichte konzentriert hätte, mit Rückblenden vielleicht. Stattdessen wird hier krampfhaft versucht, wie in einer Chronologie möglichst viel in nur 90 Minuten zu pressen: jeden Termin vor Gericht, jede Auseinandersetzung mit den bestellten Gutachtern. Als Zuschauer verliert man da bald den Überblick, und spannend ist diese Hatz freilich auch nicht. Die Szenen in der Psychiatrie sind zwar eindringlich inszeniert, und nach anderthalb Stunden bleibt man tatsächlich zornig zurück. Dennoch ist "Gefangen" leider mehr moralinsaure Geschichtsstunde denn Wirtschaftsthriller. Schade.


Quelle: teleschau – der Mediendienst