Dass es am Ende so eng wird, hätte der Kunstturner Philipp Boy wahrscheinlich nicht gedacht. Denn eigentlich war es am Dienstag das sogenannte "Heimspiel" bei der spannenden Spieleshow "Ewige Helden", also ein Wettkampf, der genau auf seine Talente zugeschnitten ist. Philipp Boy stand in der vierten Folge im Mittelpunkt, berichtete aus seiner Kindheit und von dem Schmerz, schon mit 25 Jahren seine Karriere zu beenden. Und von seinem neuen Leben mit seiner kleinen Tochter, die ebenfalls ein echter Wildfang ist. Zweimal Silber und zweimal Bronze gewann der heute 30-Jährige zu seiner aktiven Zeit als Profisportler bei den Weltmeisterschaften. Doch bei "Ewige Helden" geriet auch Boy bei seiner Übung ins Schwitzen, verzog das Gesicht und stöhnte: "Scheiße, ist das anstrengend!"

Er hat es ja so gewollt. In seiner Heimspiel-Woche suchte sich der einstige Leistungsturner ausgerechnet den Barren aus, und steckte dann noch das Ziel besonders hoch. Ganze vier Minuten sollte jeder Sportler auf dem nachgebauten Barren im Stütz hin und her schwingen, eine Lichtschranke maß, wie oft die Beine über die Höhe des Barrens hinausschwangen. Das ist eine ungewöhnliche Zeit: Übungen an diesem Sportgerät, das übrigens niemand Geringeres als Friedrich Ludwig Jahn erfunden hat, dauern in der Regel nur rund eine Minute, nicht vier. Darum geriet auch der Profi Boy ins Schwitzen, als die Kameras auf ihn gerichtet waren und er am Strand der Playa de Cala Sardina in Cádiz unbedingt die ehemalige Siebenkämpferin Jennifer Oeser überholen wollte.

Hartes Training schon als Vierjähriger

Aufgeben gibt es bei Boy nicht, und verlieren schon gar nicht. Sein Ehrgeiz stand ihm während seiner Karriere als Leistungssportler oft im Weg, so erzählt er seinen Konkurrenten in der Spieleshow. Auch sieht er Teile seiner Laufbahn heute kritisch: Schon im Alter von vier Jahren begann Boy, hart zu trainieren und von Olympia zu träumen. "Ich wurde auf Leistung getrimmt". Derart nachdenkliche Worte hört man im Fernsehen eher selten von ehemaligen Leistungssportlern. Da ziehen die Sportler-Kollegen die Augenbrauen hoch. Doch Kunstturnen ist auch ein anderer Sport als beispielsweise Fußball oder Handball. Er hätte in jungen Jahren das harte Turntraining nicht lange mitgemacht, gesteht Handballer Pascal Hens. Ein junger Turner spielt nicht seinen Freunden den Ball zu, er ist mit sich selbst beschäftigt und damit, seine Grenzen zu überwinden.

Seine Tochter ist ebenfalls ein Zappelphilipp

Sport ist Kopfsache. Weiß auch Sportreporter Marco Hagemann, der bei "Ewige Helden" etwas altklug aus dem Off röhrt: "Es geht um den Kampf mit sich selbst". Hagemann kommentiert sonst Fußballspiele, das hört man. Boy jedenfalls steht am Ende seiner Karriere sein Kopf im Weg. Mehrmals fällt er bei Wettkämpfen, rutscht mit den Händen ab oder bekommt das Reck nicht zu greifen. 2011 prallt er mit dem Rücken hart auf den Boden. "Das hat mich psychisch komplett fertiggemacht", sagt er heute. Bei einem ähnlichen Sturz beim Training wurde der ehemalige Spitzensportler Ronny Ziesmer querschnittsgelähmt.

Bei Wettkämpfen ist fortan der Wurm drin, 2012 stürzt Boy bei Olympia abermals. "Der Wettkampf hat mich gebrochen", erinnert er sich. Er beendet seine Karriere. Doch kurz darauf wird seine Tochter geboren, und Boy wirkt heute zufrieden. "Sie ist ein kleiner Zappelphilipp, so wie ich damals", sagt Boy bei "Ewige Helden". Und er schiebt hinterher: "Aber eines ist ganz wichtig: Kein Leistungsdruck!"

Boy führt weiterhin die Tabelle vor Oeser und Klein

Den Leistungsdruck macht Boy sich dann aber selbst trotzdem bei "Ewige Helden". Am Barren schafft die Siebenkämpferin Jennifer Oeser ganze 109 Schwünge, und die will der Turner natürlich toppen. Man sieht ihm die Anstrengung an, doch am Ende kann er mit 123 Schwüngen nicht nur in diesem Wettkampf den Sieg für sich verbuchen, sondern auch seinen ersten Platz in der Gesamtwertung halten. Nach Boy führen Wasserspringer Sascha Klein auf dem zweiten und Oeser auf dem dritten Platz die Tabelle der acht Sportler an, dicht gefolgt von Moritz Fürste mit nur sechs Punkten Abstand. Es bleibt also spannend, denn nur die ersten drei schaffen es ins große Finale der Show.