Gizem Emre wurde bekannt als Zeynep in "Fack ju Göhte", nun darf sie sich über eine Hauptrolle im Cast von "Alarm für Cobra 11" freuen. Doch die Schauspielerei ist für die 23-Jährige längst nicht alles ...

Gizem Emre ist fleißig, so viel ist schon nach ein paar Minuten des Gesprächs klar. Und das nicht nur, weil sie trotz einer heftigen Erkältung tapfer Interviews zu ihrer Rolle in "Alarm für Cobra 11" gibt, sondern auch weil die gut beschäftige Schauspielerin genug Power hat, sich auch noch mit vollem Einsatz um ein ganz anderes Business zu kümmern. Seit ein paar Monaten ist die 23-Jährige ihre eigene Chefin – sie erfüllte sich einen Traum und schuftet hart dafür: Die Berlinerin hat sich ein Café im Zentrum ihrer Heimatstadt gekauft. "Ich liebe guten Kaffee und Brunch", schwärmt sie und sagt, dass sie einfach noch etwas abseits der Medienwelt machen wollte. Beim RTL-Dauerbrenner "Alarm für Cobra 11" steht (ab Donnerstag, 21. März, 20.15 Uhr) indes eine neue Staffel an, in der Gizem Emre in eine echte Hauptrolle befördert wird. In der zweiten Folge der 34. Staffel, "Feuerprobe" (Donnerstag, 28. März) hat sie ihren ersten großen Auftritt als Dana Gerkhan, Tochter des beliebten Protagonisten Semir (Erdogan Atalay). Im Interview verriet die Schauspielerin, ob sie Stunts selbst dreht und wie es um ihre Qualitäten als Autofahrerin steht.

prisma: Sind Sie eine gute Autofahrerin?

Gizem Emre: Ja, das würde ich schon von mir behaupten. Ich fahre gerne und bin bisher zum Glück unfallfrei durchgekommen. Ich kann sogar richtig gut einparken. Auch wenn ich zugeben muss, dass mein Wagen mich mit Kameras unterstützt (lacht).

prisma: Wie hat sich Ihr Alltag durch die Hauptrolle bei "Alarm für Cobra 11" verändert?

Emre: Nicht viel, außer, dass ich öfter in Köln bin und im Straßenverkehr nicht mehr so sensibel agiere. Ich freue mich immer riesig auf die Action-Drehs und dass die Serie so abwechslungsreich ist. Natürlich habe ich auch meine Kollegen sehr liebgewonnen.

prisma: Drehen Sie die Stunts selbst?

Emre: Ja, ich dufte bei einigen selbst dabei sein, aber die richtig schweren Sachen machen die Profis. Das ist dann auch eine Versicherungsfrage. Ich erschrecke mich immer noch jedes Mal sehr bei Explosionen und Schießereien. Manchmal ist der Knall dann doch unerwartet laut, und ich bin ein schreckhafter Mensch.

prisma: Gab es schon einen Moment, in dem Sie beim Dreh Angst hatten, dass etwas schiefgeht?

Emre: Letztes Jahr haben wir eine Szene gedreht, in der ein ganzes Café in die Luft geflogen ist. Es sollte eine riesige Explosion werden, und alles war mit Sprengstoff verkabelt. Ich musste als Letzte aus dem Gebäude rausrennen, und wie ich dastand und gewartet habe, dachte ich: "Was mache ich hier bloß?" Kurz hatte ich wirklich Angst, aber es hat alles gut funktioniert.

prisma: Wer ist mutiger, Sie oder Ihre Rolle Dana?

Emre: Schwer zu sagen (lacht). Ich bin ein mutiger Mensch, in Hinsicht auf risikoreiche Aktivitäten. Ich brauche das Adrenalin. Was das Menschliche angeht, bin ich eher zurückhaltender. Dana ist frech und forsch, das mag ich unglaublich gern an ihr. Sie bringt eine riesige Portion Mut mit und schreckt vor keiner Aufgabe zurück.

prisma: "Alarm für Cobra 11" lief zum ersten Mal 1996 im TV, Sie sind 1995 geboren. Wie erklären Sie sich den anhaltenden Erfolg der Serie?

Emre: Es ist ein Kontrastprogramm zu allen anderen Serien, die es in Deutschland gibt. Es gibt zwar vereinzelt Polizeiserien, aber bei kaum einer wird so viel Liebe und Arbeit in einzelne Szenen gesteckt. Wir haben eine riesige Crew und viele Experten, sodass wir auf einem sehr hohen Niveau drehen. Das merkt auch der Zuschauer. Natürlich passieren bei "Alarm für Cobra 11" auch Sachen, die nicht wirklich realistisch sind, aber das stört nicht. Die Charaktere sind so authentisch, und einer wie Semir Gerkhan hat so viel Charme, da schaut man gerne zu.

prisma: Haben Sie die Serie früher schon geschaut?

Emre: Aktiv geschaut habe ich nicht, aber man kennt "Cobra" einfach. Es ist eine starke Marke. Jetzt, da ich mich näher damit beschäftigt habe, gefällt sie mir aber äußerst gut.

prisma: Sie gehören zur Generation-Netflix: Schauen Sie überhaupt noch lineares Fernsehen?

Emre: Nein, nicht wirklich. Ich weiß nicht, wie mein Fernseher angeht (lacht). Der ist so kompliziert, ich habe zwei Fernbedienungen und noch drei andere Kästen. Da setze ich mich lieber vor Netflix.

prisma: Sind Sie schon genervt davon, wenn Sie auf "Fack Ju Göhte" angesprochen werden?

Emre: In der Filmwelt möchte ich nicht ausschließlich damit identifiziert werden, weil es nur ein Abschnitt in meinem Leben und meiner Karriere war. Wenn aber Fans auf mich zukommen, dann freue ich mich darüber.

prisma: Haben Sie noch Kontakt zu Ihren damaligen Kollegen?

Emre: Ja. Mit Jella Haase bin ich zum Beispiel sehr gut befreundet.

"Instagram ist nebensächlich"

prisma: Ist es schon alltäglich für Sie, auf der Straße erkannt zu werden?

Emre: Nein. Ich bin jedes Mal erstaunt, dass die Leute mich meinen. Meist sind das sehr nette Begegnungen, nur beim Essen werde ich nicht gerne angesprochen. Das ist eine intime Situation, in der ich lieber ungestört bin, und wenn dann jemand kommt, und um ein Foto bittet, finde ich das unpassend.

prisma: Bei Instagram teilen Sie sehr viel mit Ihren Fans. Gerät man irgendwann unter Druck, seine Follower mit neuen Bildern zu versorgen?

Emre: Nein. Instagram ist nebensächlich. Ich setze mich nicht unter Druck, etwas zu posten. Wenn ich eine schöne Momentaufnahme aus meinem Leben habe, poste ich sie, ohne groß darüber nachzudenken.

prisma: Als Influencerin haben Sie sicherlich eine Vorbildfunktion, wie gehen Sie mit dieser Verantwortung um?

Emre: Ich finde es schwierig, Leuten zu sagen: "Du bist ein Vorbild, deswegen darfst du dies oder jenes nicht machen." Wenn jemand Lust hat, etwas zu posten, dann sollte er sich nicht einschränken lassen. Das heißt nicht, dass man keine Verantwortung trägt. Man muss ein gesundes Mittelmaß finden.

prisma: Halten Sie es für richtig, dass Social Media gerade bei jungen Leuten einen so hohen Stellenwert hat?

Emre: Schwer zu sagen. Für 13- oder 14-jährige Teenager ist es sicherlich schwer, auf Instagram zu gehen und dort all die perfekten Menschen und tollen Bilder zu sehen. Ich finde es bedenklich, dass oft Realitäten und Idealbilder geschaffen werden, die es so nicht gibt oder die so einfach nicht sein müssen. Andererseits schätze ich an Instagram, dass ich mich dort inspirieren lassen kann, gerade was das Reisen angeht.

prisma: Haben Sie denn schon mal negative Kommentare bekommen?

Emre: Nein. Ich habe noch nie einen negativen Kommentar löschen müssen.

prisma: Wie ist es mit Kommentaren zu Ihrem Filmschaffen: Wie gehen Sie mit Kritik um?

Emre: Leider habe ich noch nie wirklich negative Kritik über mich gelesen. Das finde ich fast schade.

prisma: Wie schwer ist es, sich als junge Schauspielerin in dem Filmbusiness zu beweisen?

Emre: Man muss Biss mitbringen und zeigen, dass man diesen Weg wirklich gehen möchte.

prisma: Wie gehen Sie mit Absagen bei Castings um?

Emre: Man darf das nicht immer persönlich nehmen. Das ist sehr schwer, weil beim Schauspiel geht es schon ein Stück weit um dich als Person. Man muss es akzeptieren. Eine Absage macht einen traurig und wirft einen zurück, aber dann muss man aufstehen und es noch mal versuchen. Man braucht eine Menge Durchhaltevermögen.

prisma: Welche Eigenschaften muss ein junger Schauspieler noch mitbringen, um in der Branche zu bestehen?

Emre: In erster Linie ist es wichtig, dass man immer offen ist. Man muss wandlungsfähig sein und sich in den verschiedensten Rollen sehen. Das eigene Ich ist wichtig, aber am Set lege ich es beiseite.

prisma: Haben Sie sich schon mal etwas richtig Teures von Ihrer Gage gegönnt?

Emre: Ich habe das Gefühl, 50 Prozent meines Gehalts geht für gutes Essen drauf (lacht). Nein, im Ernst, ich habe mir vor zwei Monaten ein Café in Berlin Mitte in der Nähe von der Friedrichstraße gekauft. Das ist das teuerste was ich mir geleistet habe, ansonsten hat sich mein Lebensstil wenig verändert.

prisma: Ein Café?

Emre: Die Idee, selbstständig zu sein und ein eigenes Business zu besitzen, hat mich sehr gereizt. Dazu kommt das Argument, dass ein Café eine Tätigkeit ganz fernab der Medienwelt ist, und ich so ein gutes zweites Standbein aufbauen kann. Außerdem: Ich liebe guten Kaffee und Brunch!

prisma: Fühlen Sie sich wohl, so viel Verantwortung zu tragen?

Emre: Als Schauspieler hast du immer einen Regisseur, der dich führt und dir bei Fragen weiterhilft. In meinem Café bin ich plötzlich der Regisseur, zu dem jeder kommt. Dieser ungewohnte Rollentausch überfordert mich manchmal noch. Aber ich habe in den letzten zwei Monaten fast täglich im Café gearbeitet, und mein Vater steht mir zur Seite, sodass wir alle Probleme zusammen lösen können.


Quelle: teleschau – der Mediendienst