Auf dem Heimweg vom Dorffest im Bergischen Land wird die Schwester eines Polizisten ermordet. Deren Bruder droht darauf hin, Amok zu laufen.

Wenn Polizisten oder deren Familien in Krimis zu Opfern werden, verschieben sich die Grenzen, Gut und Böse sind dann kaum noch voneinander zu trennen. Der Polizist Tom Petersen (Johannes Zirner) jedenfalls wird geradezu zum Amokläufer, als bei einem feuchtfröhlichen Dorffest seine Schwester nach einer versuchten Vergewaltigung ermordet wird. Immerhin versuchte sie, den Täter in letzter Sekunde noch zu fotografieren. In dieser Situation muss Helen Dorn (Anna Loos) vom Düsseldorfer LKA Petersen vor voreiliger Rache bewahren. Allzu klar scheint der Kreis der Verdächtigen auf dem Dorf im Bergischen Land umrissen. Doch dann wird im elften "Helen Dorn"-Krimi, "Nach dem Sturm", ein Hochverdächtiger mangels Beweisen freigesprochen.

Regisseur Sebastian Ko liebt es krass im neuen Fall der LKA-Kommissarin Helen Dorn. Nicht so sehr, weil die Ermittlerin folgenübergreifend um ihren im Koma liegenden Vater bangen muss und immer wieder mit Hiobsbotschaften konfrontiert wird, sondern weil ausgerechnet der ihr zur Seite gestellte Schutzpolizist Petersen in rasende Wut verfällt und Rache an alten Bekannten aus dem Heimatdorf zu nehmen droht.

Da reicht die Mitteilung des Sportplatz-Wirts aus, seine Schwester Karla Petersen habe sich zu vielen Drinks einladen lassen und dann diesen oder jenen Gönner enttäuscht. Und dann findet Spurensicherer Weyer (Tristan Seith) bei der Toten Ölspuren, die auf den Fahrradhändler Christian Jännicke (David Korbmann) als Täter schließen lassen. Als dann auch noch eine Zeugin auf dem Dorfrevier erscheint, die Jännicke ganz klar identifizieren zu können glaubt, scheint der Fall gelöst.

Doch es kommt anders, als es Helen Dorn und Tom Petersen denken: Bei der Gerichtsverhandlung spricht der zuständige Richter den Täter frei, beweiskräftige Spuren vom Tatort sind verwischt. Tom und Barbara Petersen (Lena Stolze) ergreifen daher die Initiative und entführen Jännikes Sohn, um den Vater zu einem Geständnis zu zwingen.

Diese "Helen Dorn"-Folge zielt weniger auf die Entdeckung eines Täters als auf innere Befindlichkeiten. Anna Loos wirkt als Kommissarin noch ein wenig verhärmter als sonst, und das, obwohl sie sich in den Polizisten Petersen Hals über Kopf verliebt. Die Liebesszenen werden ebenso unvermittelt eingeblendet wie die Besuche am Bett des Vaters – eine Krankengeschichte, die immerhin zu einem glücklichen Ende führt. Helen wird zuletzt keinen Freund fürs Leben haben, doch ihr Vater wird die Intensivstation verlassen.

Ein an sich eher dünner Plot wird durch das intensive Spiel der Darsteller aufgewertet. Alle reden sotto voce, leise und mit halber Stimme, was beim sonst üblichen Krimigeplapper wohltuend ist. Geschenkt, dass es die Regie mit allerlei schroffen Einfällen übertreibt. Zur Vorbereitung der Totenfeier gibt's den "Anton aus Tirol" als Beweismittel vom Dorffest vom Band, und eine außer sich geratene Mutter schlägt der Kommissarin gleich eine blutige Nase. Sage bloß niemand, man habe sich hier nichts getraut.


Quelle: teleschau – der Mediendienst