Obwohl sie schon vor Jahren ihre schriftstellerische Karriere beendete, blieb Rosamunde Pilcher nicht zuletzt dank der zahlreichen ZDF-Verfilmung populär wie eh und je. Jetzt ist die Starautorin verstorben. Sie wurde 94 Jahre alt

"Viele nennen meine Erzählungen kitschig", pflegte Rosamunde Pilcher gerne zu sagen, "aber das berührt mich nicht sonderlich." Zum Wesen einer Legende gehört es eben auch, über die Auseinandersetzung mit der Kritik erhaben zu sein. Rosamunde Pilcher hat sich diesen Status mit einem Oeuvre erarbeitet, das seinesgleichen sucht. Jetzt ist die Grande Dame unter den Liebesroman-Autorinnen verstorben. Die aus Lelant, Cornwall, stammende Schriftstellerin erlag am 6. Februar den Folgen eines Schlaganfalls. Sie wurde 94 Jahre alt. "Bis Weihnachten ging es ihr großartig", wurde ihr Sohn Robin Pilcher am Mittwochnachmittag in Medienberichten zitiert. Im neuen Jahr habe sie dann eine Bronchitis bekommen. "Am Sonntag erlitt sie dann einen Schlaganfall und erlangte nie wieder das Bewusstsein", erklärte Robin Pilcher, der selbst Schriftsteller ist und Rosamunde Pilchers Werk in ihrem Sinne fortsetzt.

Mit mehr als 60 Millionen weltweit verkauften Büchern zählt die Pilcher zu den erfolgreichsten Autorinnen der Gegenwart – über 100 Filme basierten bereits auf ihren zahlreichen Erzählungen und Motiven. Mit der Marke "Rosamunde Pilcher" etablierte das ZDF am Sonntagabend eine Filmreihe, die nicht nur regelmäßig für Traumquoten sorgt, sondern auch den idealen Gegenpol zum meist harten, realistischen ARD-"Tatort" und den lärmenden Hollywood-Blockbustern bei den Privaten bildet. Rosamunde Pilcher – der Name steht für was: für nette Unterhaltung, Herzschmerz und englische Schlossromantik.

Rosamunde Pilcher stürmte die Bestseller-Listen erst im Alter von 63 Jahren. Ihr Buch "Die Muschelsucher" stieß 1987 auf überwältigende Resonanz. Der erste Pilcher-Film lief dann bereits Ende 1993 im deutschen Fernsehen und lockte über acht Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Die finanziellen Verhältnisse der alten Dame haben sich durch ihren späten Erfolg zwar schlagartig verändert, trotzdem blieb sie bescheiden. Das Größte, was sie sich von dem vielen Geld gekauft habe, sei ihr Haus in Dundee gewesen: "Was nützt mir in meinem Alter ein teurer Sportwagen vor der Tür? Ich passe doch wohl besser auf meinen kleinen Traktor, den ich mir von meinem ersten Geld für meinen Garten gekauft habe."

Sie schrieb seit ihrem 15. Lebensjahr

Die Wahlschottin schrieb bereits seit ihrem 15. Lebensjahr. Nach der Schule meldete sich Rosamunde Pilcher 1942 als Sekretärin zum Kriegsdienst bei der Marine und trat während des Zweiten Weltkrieges dem "Women's Royal Naval Service" bei. Bevor sie 1946 ihren Mann Graham heiratete, mit dem sie nach Schottland zog, arbeitete sie im Außenministerium. Neben ihrer späteren Tätigkeit als Hausfrau und Mutter von vier Kindern flüchtete sich Rosamunde Pilcher durch das Schreiben von Kurz- und Liebesgeschichten in eine Traumwelt. Immer, wenn ihr das Familienleben über den Kopf wuchs, zog sie sich mit ihrer alten Schreibmaschine ins Arbeitszimmer zurück: "Das Schreiben hat, obwohl es zwischenzeitlich sehr einsam macht, meine Ehe gerettet", sagt die Autorin selbst. "Eine gute Ehe, denn immerhin hielt sie über 60 Jahre." 2009 starb ihr geliebter Ehemann Graham.

Die malerische Umgebung und die Menschen von Cornwall waren stets die Stoffe ihrer Geschichten. Die Beschreibung der Personen mit ihren Äußerlichkeiten, Vorzügen und Schwächen waren ihr dabei immer "wichtiger als das, was die Figuren sagen". Den Erfolg ihrer Bücher sah die Britin in der Natürlichkeit ihrer Charaktere: "Ich habe von ganz normalen Menschen erzählt, von Liebe und Glück, von Eifersucht und Trennung, von Schicksalsschlägen, wie sie jeder kennt. Bei mir fanden Sex, Gewalt und Verbrechen nicht statt. Alle sehnen sich doch nach einer heilen, harmonischen Welt! Wenn man den Buchdeckel eines meiner Bücher öffnet, wird man nicht deprimiert. Man wird auch nicht durch Horror oder Mord in Atem gehalten. Stattdessen kann man sich ins Bett legen und in eine andere Welt entfliehen."

Diese von manchem als kitschig bezeichnete Idylle habe sie aber nicht bewusst kreiert, betonte die Star-Autorin. Sie habe einzig und allein über das geschrieben, was sie selbst erlebt habe: "Über die anderen Aspekte des Lebens konnte ich nichts sagen – das harte Stadtleben, Drogen oder Armut. Ich hatte Glück im Leben und habe so etwas nie kennengelernt."

Keine Gedanken mehr an die Zukunft

Im Alter von 87 Jahren verkündete Rosamunde Pilcher dann, dass sie nun endgültig mit dem Schreiben aufhören würde, da sie sich einfach zu alt fühle, um noch einmal anzufangen zu arbeiten. Danach freute sie sich, "nur noch die Drehbücher zu den Filmen lesen zu müssen. Ansonsten bin ich in die Produktion ja gar nicht eingebunden." Seit jeher war die Lady mit den Verfilmungen ihrer literarischen Vorlagen nach eigener Aussage übrigens sehr zufrieden.

Auch mit über 90 Jahren war Rosamunde Pilcher noch erstaunlich fit und bewältigte den Alltag in ihrem "kleinen Haus mit großen Garten" so gut wie alleine, wie sie einst im Interview darlegte. An die Zukunft wollte sie keine Gedanken mehr verschwenden: "Die lasse ich einfach auf mich zukommen. Da werden keine Pläne mehr gemacht. Wenn es einmal mit mir zu Ende gehen sollte, möchte ich einfach im Garten zwischen meinen blühenden und duftenden Blumen umfallen."

Das ZDF twitterte: "Ihre zahlreichen Liebesromane wurden vielfach verfilmt und prägten seit 1993 unser Programm. In unserem sonntäglichen wird sie weiterleben." Noch im vergangen Jahr hatte Pilchers Produzent gesagt, es seien noch "Unmengen an Geschichten" der Autorin verfügbar.


Quelle: teleschau – der Mediendienst