Ein Siebenjähriger und sein anzugtragendes Brüderchen raufen sich für eine geheime Mission zusammen. Optisch facettenreich – aber auch inhaltlich?

2010 erschien das Bilderbuch "The Boss Baby" von Marla Frazee, in dem ein ungewöhnlicher Säugling den Alltag eines Paares gehörig durcheinanderwirbelt. Lose basierend auf diesem knapp 40-seitigen Werk, bringt die Produktionsschmiede DreamWorks nun einen gleichnamigen Animationsfilm mit hübscher Optik in die Kinos, dessen überdrehte Handlung jedoch keine echten Emotionen aufkommen lässt. SAT.1 bringt den Streifen nun als Free-TV-Premiere auf die Mattscheibe.

Das Leben des siebenjährigen Tim könnte schöner nicht sein. Mit großer Begeisterung besteht er in seiner Fantasie spannende Abenteuer, die ihn an aufregende, weit entfernte Orte führen. So verwandelt sich der Tauchgang in der Badewanne etwa schnell in eine gefährliche Tiefsee-Expedition. Tims Eltern nehmen sich ausreichend Zeit für ihren Sohn, fördern seine Vorstellungskraft und singen ihn jeden Abend mit einem einfühlsamen Gutenachtlied in den Schlaf.

Tim würde am liebsten gar nichts ändern. Doch eines Tages steht plötzlich Nachwuchs auf der Matte. Schlimmer noch: Sein Brüderchen erweist sich als perfektionistischer Stratege, dem von nun an alle Aufmerksamkeit zuteil wird. Tim findet schon bald heraus, dass der eigenwillige Säugling sprechen kann und für eine mysteriöse Firma einen brisanten Auftrag erledigen soll.

Die Grundidee ist abgedreht, bietet aber reichlich Potenzial, da sie eine interessante Frage umkreist: Wie erlebt ein Kind die Ankunft eines neuen Babys und die damit einhergehenden Veränderungen im familiären Alltag? Verbunden wird diese Thematik mit der absurd-witzigen Idee eines anzugtragenden Säuglings, der in Businessfragen bestens bewandert ist. Die Animationskomödie parodiert auf diese Weise nicht nur den durch Nachwuchs unweigerlich auf den Kopf gestellten Lebenswandel, sondern auch den heute schon in jungen Jahren aufgebauten Leistungsdruck. Kinder sollen immer früher möglichst viele Dinge können, damit sie später nicht ins Hintertreffen geraten.

Leider interessieren sich Regisseur Tom McGrath ("Madagascar", "Megamind") und Drehbuchautor Michael McCullers nur bedingt für die veränderte Familiendynamik. Statt das häusliche Szenario eingehend zu beleuchten, bringen sie recht schnell einen willkürlich zusammengeschusterten Verschwörungsplot ins Rollen. Auf mitreißende Actionszenen, kindgerechte Slapstick-Einlagen und Anspielungen für Erwachsene muss man dabei nicht verzichten. Wohl aber auf Augenblicke, die das Herz erwärmen.

Deutlich ausgefeilter als die Handlung ist die optische Gestaltung des Films. Besonders dann, wenn die Macher in Tims Vorstellungswelt eintauchen. In comichaft überzeichneten Bildern erhält das Publikum einen Eindruck von der blühenden Fantasie des Jungen. "The Boss Baby" bleibt dadurch visuell abwechslungsreich und feiert immer wieder die Kraft der Imagination.


Quelle: teleschau – der Mediendienst