Inspiriert von einer wahren Begebenheit erklären die Macher des "Neo Magazin Royale" und der Regisseur von "Stromberg" in "How To Sell Drugs Online (Fast)" ab 31. Mai die dunklen Seiten des Internets. Ein Netflix-Hit made in Germany?

Als "Kinderzimmer-Dealer" sorgte Maximilian S. 2015 für Schlagzeilen: Insgesamt 914 Kilogramm Drogen soll der damals 20-Jährige binnen eineinhalb Jahren im In- und Ausland verkauft haben – über einen Onlineshop, den er von seinem Kinderzimmer aus leitete. Rund 300 Kilogramm Haschisch, Ecstasy, Kokain, LSD und verschreibungspflichtige Medikamente fand die Polizei dort bei seiner Verhaftung. Dem überführten Dealer brachten seine Vergehen eine Strafe von sieben Jahren Jugendhaft ein – und Philipp Käßbohrer und Matthias Murmann von der Kölner bildundtonfabrik, die unter anderem die mit dem Grimmepreis gekrönten Formate "Neo Magazin Royale" und "Kroymann" produziert, eine Serienidee: "How To Sell Drugs Online (Fast)", gedreht von "Tatort"-Profi Lars Montag und "Stromberg"-Regisseur Arne Feldhusen, startet am 31. Mai bei Netflix.

Wie ein kriminelles Genie sieht Moritz (Maximilian Mundt, "Radio Heimat"), nun nicht gerade aus. Der 17-Jährige wirkt tatsächlich eher "wie jemand, der in seinem ganzen Leben noch nie Spaß hatte", wie es Buba (Bjarne Ingmar Mädel, "Der Tatortreiniger"), ein "echter" Dealer, auf den Punkt bringt. Und eigentlich hatte Moritz mit Drogen bisher auch gar nichts zu schaffen: Das ausgeklügelte Online-Shop-System, dass er und sein todkranker bester Freund Lenny (Danilo Kamperidis) programmiert haben, sollte eigentlich Gamern anonym zu Spiele-Items verhelfen. So lautete der Plan zumindest, bis Moritz' Freundin Lisa (Lena Klenke, "Fack ju Göhte") nach einem Austauschjahr in den USA ins Heimatkaff zurückkehrte und plötzlich kein Interesse mehr an Moritz, dafür aber an Partydrogen zeigte. Und an dem durchtrainierten, wohlhabenden, vielgelikten Schuldealer Dan (Damian Hardung, "Club der roten Bänder").

Unbegrenzte technische Möglichkeiten stünden Angehörigen seiner Generation zur Verfügung, doch sie nutze sie nur, um online Bilder zu posten, echauffiert sich Moritz aus dem Off über seine Mitschüler. Den Machern der Serie soll die Teilfreudigkeit der Generation Z jedoch zugutekommen: Einerseits nutzen sie Instagram- und Facebook-Profile, um schnell und effektiv neue Figuren vorzustellen. Anderseits jagen sie den Zuschauern einen gehörigen Schrecken ein, indem sie geradezu beiläufig verdeutlichen, wie viel sich aus Freizeitschnappschüssen bei Instagram, Kommentaren bei Facebook und online geteilten Laufstrecken über eine Person und ihre Gewohnheiten herausfinden lässt.

Die Serie soll sowohl die betreffende Generation als auch ihre Eltern ansprechen, "die Kids unterhalten und die Elten erschrecken", wie es Käßbohrer und Murmann im US-Filmfachblatt "Variety" formulierten. Und das gelingt ziemlich gut. "How To Sell Drugs Online (Fast)" mag manchmal recht sarkastisch auf die abgebildete Generation blicken, nimmt sie aber durchaus ernst. Das Autorenteam um Käßbohrer versteht es nicht nur, den nach 1990 geborenen Zuschauern zu vermitteln, wie das Dark Net funktioniert und warum es den ultimativen Vertrauensbruch darstellt, sich in das Facebook-Profil seiner Freundin einzuloggen. Es gelingt ihm auch, nicht nur die Handlung, sondern auch die Figuren an sich verständlich und interessant zu machen. Aus diesem Grund scheint es durchaus realistisch, dass "How To Sell Drugs Online (Fast)" international ähnlich gut angenommen wird wie zuvor die gar nicht so artfremden Netflix-Kollegen "Sex Education" oder "The End of the F****ing World".


Quelle: teleschau – der Mediendienst