Lange verwehrte sich Roland Emmerich dem Sequel-Hype, doch 20 Jahre nach seinem Durchbruch warf der gebürtige Schwabe dieses Prinzip über den Haufen: Mit "Independence Day: Wiederkehr" (2016) setzte der Zerstörungs-Experte den Megaerfolg von 1996 fort und zerlegt darin unsere Erde mit Hilfe ziemlich wütender Außerirdischer bombastischer denn je. Doch trotz aller wahnwitzigen Effekte kommt das Sci-Fi-Spektakel, das SAT.1 erstmals im Free-TV zeigt, kaum an den Anarcho-Spaß des Vorgängers heranreicht.

20 Jahre nach der Invasion, bei der die Hälfte der Menschheit ums Leben kam, bedrohen die ekelhaften Tentakelschleimlinge abermals den Blauen Planeten. Die gute Nachricht: Glücklicherweise haben wir uns 1996 beim Verjagen der Außerirdischen umfassend mit deren Technologie ausgerüstet und unter Zuhilfenahme des Mondes ein futuristisches Abwehrsystem errichtet. Die schlechte: Erstens ist der weltrettende Pilot Steven Hiller aus dem ersten Teil tot. Und zweitens sind die Aliens, vor deren erneuter Ankunft der inzwischen verrückte Ex-US-Präsi (Bill Pullman) warnte, diesmal mit einem Megaoschi von Raumschiff am Start.

Das vergleichsweise läppische Alien-Schiff der 90er wurde durch eine unfassbare Raumstation epischen Ausmaßes ersetzt: Halb so groß wie die Erde thront das Invasionsgerät der Angreifer diesmal über selbiger. Auch mit der 1996 noch nicht von realer Bedrohung überschatteten Zerstörung US-amerikanischer Symbole, damals des Empire State Buildings und des Weißen Hauses, gibt sich Emmerich nicht zufrieden: Heutzutage müssen schon die über Jahrhunderte entstandenen menschlichen Schöpfungen ganzer Kontinente dran glauben. Angezogen von der Gravitation des XXXXL-Spaceshipbrockens am Himmel löst es Häuser, Flugzeuge, Sehenswürdigkeiten, Städte – kurz: einfach alles – völlig von der Erde, wirbelt es durch die Atmosphäre und lässt es schließlich auf einen anderen Kontinent stürzen.

Wäre da nicht der fehlende, im Vorgänger so geliebte wilde Geist, dessen Mangel auch die CGI-Effekte nicht kaschieren können. Im Gegenteil lassen die bis zur Fast-Manie betriebenen Bluescreen-Massaker die blassen Charaktere und ihre bisweilen unerträglich dümmlichen Handlungen und Dialoge umso stärker hervortreten. Egal ob Jessie Usher als Sohn von Smith' Figur, Liam Hemsworth als junger Kampfpilot oder selbst Charlotte Gainsbourg als Wissenschaftlerin – peinlicher war es selten, Emmerich-Figurenkonstellationen zuzusehen.

Die aus Teil Eins gewohnte und lobenswerte Selbstironie, der anarchische Witz – sie blitzen höchstens im Comeback von Jeff Goldblum als sarkastischem Techniker David oder Brent Spiner als slapstickendem Astrophysiker Dr. Okun auf.


Quelle: teleschau – der Mediendienst