"Thriller funktionieren in Deutschland nicht", heißt es an einer Stelle in der RTL-Produktion "Das Joshua-Profil". Bezogen ist der Satz auf die Spannungsliteratur – und gemeint als ironischer Seitenhieb: Denn die Romanadaption des Privatsenders basiert auf dem gleichnamigen Werk des deutschen Bestseller-Autors Sebastian Fitzek, dessen Thriller seit Jahren so was von "funktionieren". Was man von hiesigen Filmen in jenem Genre weniger behaupten kann. RTLs zur Karfreitags-Primetime ausgestrahlte Verfilmung des Stoffes um einen normalen Bürger, der plötzlich ins Visier mysteriöser Mächte gerät, liefert dafür eine Begründung: Pseudospannung und Klischeecharaktere machen eben noch keinen Thriller.

Seit über zehn Jahren regieren seine Psychothriller die Bestseller-Listen in Deutschland: Sebastian Fitzek hat mit seinen 46 Jahren den Status des hiesigen Thriller-Meisters längst erreicht. Dass die Rechte an seinen Erfolgen erworben und in Filmen umgesetzt werden, war demnach nur eine Frage des Wie und Wann. Nach dem Kinofilm "Das Kind" von 2012 ist "Das Joshua-Profil" nun bereits die zweite Filmadaption eines Fitzek-Romans – indes die erste, die direkt im TV ausgestrahlt wird. Ob sich der Autor, dessen Bestseller "Passagier 23" ebenfalls von RTL verfilmt wird, durch die Zusammenarbeit mit dem Privatsender abgesehen vom Finanziellen allerdings einen Gefallen getan hat, ist zumindest fraglich.

Lächerliche Gruppe an Computertypen

Denn RTL verkürzt die ohnehin schon recht gewagt konstruierte Handlung des Romans auf einen "Eventthriller", der sich in vorhersehbarer Pseudospannung erschöpft. Es geht, immerhin eine nette Selbstreferenz, um den Thriller-Autor Max Rhode, verwirrend naiv-sexy und mit Hundeblick gespielt von Torben Liebrecht. Der erfolglose Schriftsteller, der eigentlich mit Frau Kim (Franziska Weisz) und Pflegetochter Jola (Lina Hesker) ein normales Leben führt, gerät in einen Strudel aus Verschwörung und Verbrechen. Ein Anrufer am Telefon warnt ihn noch – und schon ist ein Auto explodiert und die Tochter bewusstlos. Max steht im Verdacht, sie vergewaltigt zu haben, alles spricht gegen ihn.

Der verzweifelte Max, bei dem auch noch Kinderpornos auf dem Rechner gefunden werden, gilt bei den blassen Kommissaren als Hauptverdächtiger. Dass er deshalb mit der wieder gesundeten Tochter flieht und mit Hilfe seines schmierig-stereotypen Anwalts, der augenzwinkernderweise mit Armin Rohde besetzt ist, untertaucht, macht die Sache für ihn nicht besser und für die Zuschauer nicht logischer. Der Dreh daran: Man will ihm nicht nur ein Verbrechen anhängen – man will beweisen, dass er es ohnehin begehen wird. Man? Hinter den Verschwörern steht eine lächerliche Gruppe an Computertypen in einem von kostümierten Wächtern bewachten Bunker, von dem aus sie Max auf Schritt und Tritt verfolgen. Sie steuern "Joshua", ein Pre-Crime-Programm, das Taten voraussagen soll. Auf Max' Seite stehen nur noch der Anwalt, sein Bruder Cosmo (Max Hopp) und Kurierfahrerin Frida (Inez Bjorg David).

Klischeebesetzte Charaktere

Abgesehen davon, dass Verbrechensvorhersage in "Minority Report" bereits durchexerziert wurde und Matthias Schweighöfer in "You Are Wanted" den durch Mächtige bedrohten Normalbürger um einiges glaubhafter verkörpert, können die nach Schema F erzeugten Spannungsmomente und die klischeebesetzten Charaktere die Handlung kaum retten. Ein paar Meta-Momente versuchen immerhin, die Eintönigkeit zu durchbrechen: Autor Max schrieb ein Buch namens "Die Blutschule", in dem ein Vater seinen zwei Söhnen das Töten beibringt. Genau jenen Roman veröffentlichte in der realen Welt auch Sebastian Fitzek parallel zum "Joshua-Profil". Und jener echte Fitzek ist es, der im Film in einer Gastrolle als Buchhändler Max' Lesung der "Blutschule" betreut und ihm den Tipp gibt: "Thriller funktionieren in Deutschland nicht".


Quelle: teleschau – der Mediendienst