ZDF-Film

"Kinder und andere Baustellen": ein leichtes Stück Unterhaltung

von Elisa Eberle

Als die Kita schließen soll, ergreifen fünf Elternteile die Initiative: Sie bauen einfach selbst eine. "Kinder und andere Baustellen" lässt zwar nicht alle Klischees aus, bietet aber gelungene Unterhaltung.

ZDF
Kinder und andere Baustellen
Komödie • 05.11.2020 • 20:30 Uhr

Eltern sein ist nicht leicht – insbesondere dann nicht, wenn es an Betreuungsangeboten für die Kleinen mangelt. Was soll man auch tun, wenn die Kita wegen eines Asbest-Befalls plötzlich bis auf Weiteres geschlossen bleibt? Allein die Vorstellung dürfte für Erziehungsberechtigte landauf landab nach einem Horrorszenario klingen. In "Kinder und andere Baustellen" ist sie der Auftakt für eine gelungene Komödie, die das ZDF nun erstmals zur Primetime zeigt.

Marlene (Julia-Maria Köhler) heißt die junge Mutter, für die das Szenario zur bitteren Realität wird. Erst kürzlich ist sie mit Ehemann Thorsten (Sebastian Ströbel) und Tochter Kiki (Leslie Seidenberg) nach Dachau gezogen. Nach jahrelangem Reisen von einer Metropole in die nächste will sich die Familie endlich niederlassen und – noch viel wichtiger – Marlene will endlich wieder arbeiten! Die gelernte Physiotherapeutin hat sogar schon eine Praxis in Aussicht. Alles, was noch fehlt, ist ein Betreuungsplatz für die fünfjährige Kiki.

Anfangs gibt sich Marlene noch optimistisch. Sie wird schon irgendeinen Ersatz finden. Doch bald folgt die Ernüchterung, denn alle Plätze sind vergeben. Und Marlene ist nicht die Einzige: Im Baumarkt, auf dem Rathaus ... – Überall trifft sie Eltern, denen es ähnlich geht. Also nimmt Marlene die Dinge selbst in die Hand. Aus einem leerstehenden Ladengeschäft in der Nachbarschaft möchte sie eine eigene Kita machen. Einziger Haken: Das Gebäude ist höchst renovierungsbedürftig und abgesehen von der gelernten Installateurin Rosi (Marlene Morreis) sind die engagierten Eltern Laien im Baugewerbe. Werden sie es dennoch schaffen, den Laden rechtzeitig bis zur Abnahme fertigzustellen?

Eine ehrgeizige Protagonistin, Beziehungsprobleme und gekränkter Stolz auf allen Seiten – diese Elemente gibt es so oder so ähnlich in zahlreichen Komödien der öffentlich-rechtlichen Sender. Natürlich ist die ein oder andere Stelle etwas dick aufgetragen: Thorsten etwa muss für seinen eben erst gekündigten (!) Job plötzlich zurück nach Hamburg reisen, um ein Problem zu lösen, und bekommt als Dank gleich eine lukrative neue Stelle angeboten. Auch, dass Marlene gleich auf eine ganze Armee an gleichgesinnten Eltern trifft, wirkt etwas gewollt.

Zugutehalten muss man dem Film (Buch: Jens Urban) aber eines: Sein auf den ersten Blick recht klischeehaftes Eltern-Gespann aus der Übermutter Lehrerin (Valerie Niehaus), dem überforderten Arbeitslosen (Stephan Grossmann) und der unter Beziehungsproblemen leidenden Tülin (Yasemin Cetinkaya) durchläuft bald eine äußerste interessante und wünschenswerte Entwicklung, an deren Ende sich ausgerechnet der Quotenmann als derjenige entpuppt, der am besten mit den Kindern klarkommt. Mit einem harmonierenden Ensemble gelingt der Regisseurin Christina Schiewe somit ein leichtes Stück Abendunterhaltung mit einer optimistischen Botschaft.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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